Goodbye Peking!

Okt

17

2010

17.10.2010 | Von Daniel Schroth | 2 Kommentare

Goodbye Peking!

Laut Wikipedia hat die Kernstadt Peking knapp 8 Millionen Einwohner. Zählt man die Außenbezirke dazu, sind es beinahe doppelt so viele. Wir haben uns fast ausschließlich in der riesigen Innenstadt aufgehalten und trotzdem noch nicht alles Sehenswerte gesehen.

Zwei verschiedene Unterkünfte in unterschiedlichen Stadtvierteln haben wir bewohnt, bei unzähligen Straßenständen und Restaurants haben wir gegessen und das wichtigste Touristen-Sightseeing-Programm absolviert. Dass zwei Wochen Peking kein umfassendes Bild ergeben können und dass Peking alleine in keiner Weise für ganz China sprechen kann, ist selbstverständlich. Trotzdem wollen wir hier einen kleinen Überblick geben über das, was uns gefallen hat und auch über das, was uns nicht gefallen hat. Es wird Zeit für ein kleines Peking-Review.

Was uns gefällt

  • Wir haben bis auf den Ausflug zur Chinesischen Mauer ausschließlich die U-Bahn und unsere Füße zur Fortbewegung benutzt. Die U-Bahn ist gut organisiert und unvergleichlich günstig. Für 2 RMB Festpreis (0,20 Euro) fährt eine Person inklusive Umsteigen von einem Ort zum anderen. Die Züge fahren alle 2-4 Minuten, lange Wartezeiten gibt es nicht.
  • Überall in der Stadt gibt es Mülleimer und öffentliche Toiletten. Letztere sind zwar nicht allzu sauber, aber wenn man muss, ist das zweitrangig. Das würde bei uns zu Hause vor allem der Damenwelt einige Vorteile bringen.
  • Man bekommt als gewöhnlicher Tourist von all den negativen Schlagzeilen und Geschichten über China und seine Politik kaum etwas mit. Videokameras an jeder Ecke und Polizisten, teils mit “SWAT” auf dem Rücken, cooler Sonnenbrille auf der Nase und Maschinenpistole in der Hand empfinden wir nicht als Bedrohung oder Kontrolle. Trotzdem sollte sich jeder Reisende immer über die Geschichte seines Reiseziels informieren, um so manches fremde Verhalten besser zu verstehen.
  • Wir fühlten uns während der gesamten Zeit in Peking sehr sicher. Egal ob Wertsachen im Hotelzimmer oder nachts in einer dunklen Seitenstraße, Grund zur Sorge gab es nicht.
  • Oft passierte es uns, dass wir angesprochen wurden mit “Do you need help?”, als wir mal wieder mit aufgeschlagenem Stadtplan mitten auf der Straße standen. Im Großen und Ganzen empfanden wir die hier lebende Bevölkerung als hilfsbereit und freundlich. Ausnahmen gab es natürlich auch.
  • Die Sehenswürdigkeiten in Peking sind tatsächlich sehenswert, sehr sogar. Unsere persönlichen Highlights sind die Chinesische Mauer, der Summer Palace im Nordwesten, der Lama Temple und die Verbotene Stadt im Zentrum. Neben diesen haben wir uns viele kleine und weniger bekannte Dinge angeschaut und Tag für Tag am öffentlichen Leben teilgenommen, um uns – völlig unabhängig von organisierten Reisegruppen – ein ganz persönliches Bild von Peking zu machen.
  • Es gibt viel weniger Motorräder und Mopeds als erwartet. Dafür sind hier Elektro-Bikes angesagt. Eine gute Sache, wie wir finden.
  • Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit fanden wir Gefallen am chinesischen Essen. Wir haben keine großen, teuren Restaurants besucht, schon gar nicht in der Nähe von Sehenswürdigkeiten, sondern waren in kleinen Seitenstraßen oder in “Snack Streets” unterwegs. Unsere Hitliste: Mit Hackfleisch gefüllte Blätterteigtaschen, Egg Pancake, braune lebkuchenartige Gebäckteile und Dumplings. Bei einigen anderen Dingen sind wir uns bis heute nicht sicher, was wir eigentlich gegessen haben. Aber manchmal will man das auch gar nicht so genau wissen.

Nach zwei Wochen in Chinas Hauptstadt sind wir jetzt aber so weit, dass wir dringend raus müssen. Weg von der Hektik, weg von der schlechten Luft. Es ist uns klar, dass wir Deutschland nicht mit China vergleichen können. Und wir sind uns sicher, dass wir offen genug an jedes unserer Reiseziele herangehen und auch China und Peking gegenüber unvoreingenommen sind und waren. Hier gibt es aber ein paar Eigenheiten, mit denen wir trotzdem einfach nicht warm werden.

Was uns nicht gefällt

  • Der Verkehr ist zwar nicht so schlimm wie befürchtet, aber doch enorm. Oft haben wir 12-spurige Straßen überquert und waren jedes Mal froh, wenn wir heil am anderen Ende angekommen sind. Verkehrsregeln scheint es hier kaum zu geben, ab und an kann man sich zumindest auf rote Ampeln verlassen, eine Garantie ist das jedoch nicht. Als Fußgänger steht man ganz unten auf der Liste der wichtigen Verkehrsteilnehmer. Telefonieren am Steuer ist hier üblich, und ans Anschnallen erinnern lediglich ein paar Schilder auf den Straßen außerhalb des Stadtgebiets.
  • Wer hupt, hat Vorfahrt! Hier wird immer gehupt, egal wann, egal wo und egal warum. Jeder hat es unglaublich eilig. Wenn ein Auto trotz roter Ampel dann doch noch abbiegt und aber schon Fußgänger über die Straße gehen (die wohlgemerkt Grün haben) – einfach kräftig hupen und weiterfahren. Wer nicht auf das Hupen hört, hat hier wenig Chancen. Gerne wird auch von ganz hinten in der Schlange gehupt, wenn der Vorderste nicht schnell genug fährt, ganz egal, ob dieser überhaupt schneller fahren könnte oder nicht. Besonders gut gefällt es uns, wenn die großen Busse mit ihrer lauten Tröte direkt neben uns hupen. Das nervt auf Dauer richtig!
  • Spucken nervt, und zwar gewaltig! Zu jeder Tages- und Nachtzeit dauert es keine Minute, bis man wieder dieses Geräusch hört: Zuerst ein Husten, gefolgt von einem Nasehochziehen, dann ein tiefes, grollendes schweizerdeutsches “ch” mit steigendem Tonfall und raus damit auf die Straße. Man gewöhnt sich daran. Auch daran, dass man am besten immer auf den Boden schaut, damit man wenigstens nicht allzu oft in frisches Sputum tritt. Auch nach zwei Wochen immer noch ekelhaft, finden wir.
  • Smog wird durch bestimmte Wetterlagen begünstigt (wenig Wind oder Inversion beispielsweise). Wir haben eine solche erlebt, denn nach zwei Tagen Sonne hatten wir erst mal 5 Tage Nebel. Wolken gab es eigentlich keine, denn die Sonne war die ganze Zeit zu erkennen oder vielmehr zu erahnen. Aber alles war in einen grauen Schleier gehüllt, der die Sichtweite stark begrenzte. Dass rings um Peking Berge sind, haben wir erst nach einer guten Woche gesehen. Wir sind froh, dass wir die schlechte Luft jetzt hinter uns lassen können und freuen uns auf frische, kalte Himalaya-Bergluft.
  • Wenn man ohne Pauschalreise und Reiseleiter in Peking unterwegs ist, kommt man ohne ein paar Brocken Chinesisch nicht allzu weit. Selbst die jungen Chinesen, die uns begegnet sind, sprechen nur in Ausnahmefällen Englisch. In den meisten Situationen kommt man mit Handzeichen ganz gut durch (Tickets kaufen oder im Supermarkt), auch in den großen berühmten Einkaufsstraßen oder bei McDonald’s reden viele Englisch. Richtig lustig wird es aber, wenn man ein Handy mit Bluetooth kaufen will, ein Dokument zwei Mal in Farbe ausdrucken möchte oder im Waschsalon ist und seine Wäsche “nur waschen, aber nicht im Trockner trocknen und nicht bügeln” lassen will. Bestimmt denkt ihr jetzt: “Die stellen sich aber an, so schwierig kann das nicht sein, die wichtigsten Wörter sind doch in jeder Sprache gleich”. Sind sie nicht. Selbst “Do you speak English?” wird hier nicht überall verstanden. Auch wenn es bestimmt viele viele Leckereien in den unzähligen kleinen Restaurants gibt, ohne Chinesisch kann man allenfalls “blind” bestellen und sich überraschen lassen, was man bekommt. An einem Tag bestellte Marsi Fleischspieße, und offensichtlich gab diese in mehreren Varianten, natürlich auf Chinesisch in der Karte. Wir haben gescherzt, was diese wohl gewesen sein könnten: “Hund frisch zugelaufen”, “vom örtlichen Hundefänger” oder “aus dem Tierheim”. Wir sind uns durchaus bewusst, dass man in China nun mal Chinesisch spricht und dass man von keinem Land dieser Welt erwarten darf, dass andere Sprachen weit verbreitet sind. Von der Hauptstadt Chinas hätten wir aber erwartet oder zumindest gehofft, dass es ein bisschen einfacher ist, sobald man die Touristenattraktionen verlässt. Unsere Empfehlung für China: Langenscheidt Ohne-Wörter-Buch!
  • Viele Chinesen reden viel zu laut. Nicht alle, aber doch zu viele für unseren Geschmack. Im Verkehrslärm geht das meist unter. Aber im Hotel auf dem Flur vor unserem Zimmer oder neben uns mit dem Handy am Ohr in der U-Bahn, da kann unnötig hohe Lautstärke schon mal nerven. Auch der wirklich sehenswerte Lama-Tempel bleibt nicht verschont von schreienden einheimischen Touristen, während wir die Stimmung ganz gerne in Ruhe auf uns wirken lassen würden.
  • Als rücksichtslos möchten wir die Leute hier nicht bezeichnen, aber doch als ein bisschen zu wenig umsichtig. Ganz gern läuft man hier schnellen Schrittes in eine Richtung, während die Augen in eine ganz andere schauen. Oder man läuft, während die Augen gerade dem Text folgen, den man auf dem Handy tippt. Nicht selten wurden wir überrascht, wenn wir von der Seite oder gerne auch direkt von vorne angerempelt wurden. Ohne Ellenbogen in der U-Bahn hat man zumindest in der Rushhour wenig Chancen, hier macht man es am besten einfach den anderen nach: Arme raus, loslaufen und durch.

Insgesamt können wir sagen, dass wir uns mit zwei Wochen Peking etwas überschätzt haben. Eine Woche hätte genügt, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ganz touristenmäßig abzuklappern und die schlechte Smog-Luft in sich aufzusaugen. Trotzdem ist es gut, dass wir gerade am Anfang unserer langen Reise etwas mehr Zeit hatten, um uns an vieles zu gewöhnen. Und auch mal Zeit zum Nichtstun, früh ins Bett zu gehen oder unser Blog zu pflegen.

Jetzt sind wir bereit für neue Abenteuer und sehr gespannt, was es in Tibet alles zu sehen gibt!

Comments (2)

  1. Hallo Ihr lieben,
    es ist richtig spannend eure Berichte zu verfolgen wünsche euch ganz vie Spass und schöne Erlebnisse in Tibet
    gute Weiterreise

    Margit

  2. Es macht uns riessigen Spass, eurer Blog zu lesen. Wir fiebern mit euch mit und sind schon sehr gespannt auf eure Eindruecke in Tibet.

    Gute Weiterreise!
    Olivia, Ali & Alma

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Goodbye Peking!

von Daniel Schroth Lesedauer: 7 min
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