Christchurch: Goodbye New Zealand!

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2015

09.03.2015 | Von Daniel Schroth | Keine Kommentare

Christchurch: Goodbye New Zealand!

Wir können gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. Gerade noch haben wir in Auckland auf der Nordinsel unseren Camper abgeholt und ihn auf den Namen „Lui“ getauft, schon sind 74 Tage vergangen und wir müssen ihn in Christchurch auf der Südinsel wieder abgeben. Der Abschied von Neuseeland fällt uns dieses Mal noch viel schwerer als auf unserer ersten Reise. Damals waren wir froh, nach einer unfreiwilligen Woche in Auckland endlich nach Südamerika weiterreisen zu können. Jetzt haben wir uns so an unseren Camper und die Freiheit gewöhnt, dass wir am liebsten auch die restliche Zeit unserer Reise hier verbringen würden.

Unsere letzten Tage verbringen wir in Christchurch, schauen uns die Stadt an und gehen nochmal richtig auf Einkaufstour. Seit wir Deutschland vor über 4 Monaten verlassen haben, müssen unsere Koffer kleiner geworden sein. Vielleicht ist ihnen das Klima nicht bekommen. Vielleicht liegt es auch daran, dass es in unserem Camper fast unendlich viel Platz gibt und dass dadurch die vielen kleinen und großen Andenken aus Neuseeland und Australien gar nicht auffallen. Jetzt geht es langsam ans Packen und wir müssen uns überlegen, wie wir alles über Australien nach Südostasien bringen. Von Bangkok aus wollen wir ein großes Paket nach Hause schicken, denn durchs heiße Südostasien tragen können wir das zusätzliche Gepäck auf keinen Fall.

In Australien und Neuseeland haben wir beinahe jeden Kathmandu-Store besucht, der auf dem Weg lag. Die Marke ist bei uns zu Hause kaum bekannt, hier gibt es in jeder größeren Stadt einen Laden. Im Riccarton, einem Stadtteil von Christchurch, gibt es sogar ein zweistöckiges Kathmandu-Outlet. Hier finden wir für einen unverschämt guten Preis eine robuste Reisetasche mit 90 l Inhalt, perfekt für unser zusätzliches Gepäck. Am Abend sortieren wir alles schon einmal vor: In unseren Rollkoffer kommt das, was wir auch weiterhin bei uns haben wollen. In die neue Reisetasche packen wir alles, was wir in Bangkok verschicken wollen. Spätestens jetzt wissen wir, dass 90 l gar nicht so viel sind. Und wir wissen, dass wir uns etwas übernommen haben beim Shopping. Die Tasche ist fast voll!

Die Nacht verbringen wir in einer Einfahrt. Nicht in irgendeiner Einfahrt, sondern in der Einfahrt zum Haus von Vanessa, Eric und ihrer 4-jährigen Tochter Iva. Vanessa ist seit Jahrzehnten die Brieffreundin einer guten Freundin in unserer Heimat. Nachdem Vanessa erfahren hat, dass wir für ein paar Tage in Christchurch sind, wurden wir sofort eingeladen, auch wenn wir die neuseeländische Familie überhaupt nicht kannten. Wir verbringen einen tollen Abend zusammen, essen Fish & Chips und eine Pavlova zum Nachtisch. Es kommt uns vor, als ob wir die drei Kiwis schon seit Jahren kennen.

Am nächsten Tag fahren wir zum Einkaufszentrum bei der Tower Junction. Hier gibt es die größten Outdoor-Shops an einem Platz: Kathmandu, Torpedo 7, High Country und bivouac (alle Links zu Webseiten) liegen nur wenige hundert Meter auseinander. Viel Interessantes finden wir zum Glück nicht, unsere Reisetasche dankt es uns.

In Christchurch findet gerade ein großes Gaukler- und Comedyfestival statt. An verschiedenen Locations in der Stadt sind Aufführungen und Konzerte. Wir treffen uns mit Nicole und Tijmen und besuchen die große Festwiese im Hagley Park.

Für unseren vorletzten Tag in Neuseeland nehmen wir uns die Innenstadt von Christchurch vor. Parkplätze in der Stadt sind wie immer rar, wir stellen Lui nördlich vom Hagley Park ab, wo wir den ganzen Tag umsonst parken können. Eine Viertelstunde später sind wir am Botanischen Garten, von wo aus wir die Sightseeing-Tram nehmen wollen, um uns durch die Innenstadt fahren zu lassen. Sie kostet pro Person 15 NZD (ca. 10 Euro), sodass wir uns lieber erst einmal anschauen, was wir fürs Geld bekommen. Die Strecke können wir bequem zu Fuß ablaufen, das zeigt uns die Karte schnell. Auf die Audiokommentare während der Fahrt können wir auch verzichten.

Wir sparen uns die 20 Euro (Dari wäre umsonst mitgefahren) und laufen nach Osten zum Cathedral Square. Hier erwartet uns ein besonders trauriges Kapitel der jüngsten Stadtgeschichte. Im September 2010 und im Februar 2011 ereigneten sich heftige Erdbeben, die beachtliche Schäden in der Stadt angerichtet haben. Nur wenige Monate nach dem zweiten, heftigeren Beben kamen wir im Mai 2011 während unserer ersten Weltreise nach Christchurch, wo man uns dringend davon abriet, die Innenstadt zu besichtigen, viele Bereiche waren sogar abgesperrt.

Heute wagen wir uns in die Stadt, auf dem Weg zur ChristhChurch Cathedral fühlen wir uns wegen der vielen großen Baustellen fast wie in unserer Heimatstadt Karlsruhe. Dort wird gerade eine U-Bahn im Zentrum gebaut, weswegen wir seit einigen Jahren nur in die Stadt fahren, wenn es unbedingt nötig ist. Die Geschichte von Christchurch ist dagegen ergreifend und erschreckend: Die Erdbeben zerstörten zahlreiche Wohnhäuser und historische Gebäude, 185 Menschen kamen ums Leben.

Was die Erdbeben angerichtet haben, wird ganz besonders eindrucksvoll deutlich, wenn man vor der ChristChurch Cathedral steht oder vielmehr vor dem, was davon übrig ist. Schilder erklären, dass es immer noch nicht entschieden ist, ob sie abgerissen oder restauriert werden soll. Die Kiwis machen das Beste aus ihrem Schicksal: Diverse Kunstprojekte in der Innenstadt sollen von den Zeugnissen der Zerstörung und den Baustellen ablenken. Ein paar Minuten von der Kathedrale entfernt liegt die Re:Start Mall, wo viele Geschäfte in bunten Baucontainern untergebracht sind. Dadurch wird ganz deutlich an die Zerstörung erinnert aber gleichzeitig auch signalisiert, dass man sich davon nicht unterkriegen lässt.

Wirklich viel zu bieten hat die Innenstadt von Christchurch nicht, das müssen wir ganz nüchtern feststellen. Wir sind gespannt, wie die Stadt bei unserem nächsten Besuch aussehen wird. Je näher unsere Abreise kommt, desto mehr festigt sich zumindest in mir der Gedanke, dass ich bestimmt nicht zum letzten Mal in Neuseeland gewesen bin. Wir verbringen die letzte Nacht in Lui, unserem treuen Campervan. Er war für 10 Wochen unser Zuhause, unser Transportmittel, unsere Wohnung, unsere Küche, unser Badezimmer, Daris Kinderzimmer und unser Konferenzraum, wenn wir Freunde getroffen haben. Hier und da hat er ein paar Eigenheiten, mit denen wir uns aber gerne arrangiert haben. Wir haben 7.199 km mit ihm zurückgelegt. Dabei war er allzeit ein treuer Kumpel, hat uns nie im Stich gelassen und ist uns sehr ans Herz gewachsen.

Ein letztes Mal steige ich morgens die 4 Sprossen der Leiter vom Bett über der Fahrerkabine nach unten. Wir frühstücken und fangen an, Lui wieder in den Zustand zu bringen, in dem wir ihn Anfang November kennengelernt haben. Unsere übrigen Lebensmittel lassen wir in der Küche des Campingplatzes zurück und hoffen, dass sich andere darüber freuen werden. Dari spielt ein letztes Mal in der Fahrerkabine, setzt sich auf den Fahrersitz, tritt die Gangschaltung mit seinem linken Fuß, schaltet Warnblinker und Radio 100-mal an und wieder aus. Wie an jedem der letzten 74 Tage.

Wie oft bin ich mit Dari auf dem Schoß ein paar Meter vom Stellplatz zum Dump Point gefahren? Wie oft haben wir Luis Frischwassertank aufgefüllt und die Abwassertanks geleert, Toilettenchemikalien eingeworfen, die Gasflasche auf- und zugedreht, hinten rechts unsere Getränke nach dem Einkauf verstaut? Wie oft haben wir uns darüber geärgert, dass die Automatik so spät in den nächsten Gang schaltet, dass die Feder vom Fach mit meinen Klamotten kaputt ist und mir die Klappe jedes Mal auf die Hand fällt? Warum hat man uns nach dem anfänglichen Ärger mit dem ersten Camper ausgerechnet Lui gegeben, von dem wir uns jetzt so schwer trennen können?

Um 13:30 Uhr kommen wir an der thl-Filiale beim Flughafen an. Jetzt heißt es Abschied nehmen. Mit unserem Gepäck laufen wir durch den Nieselregen zum Büro des Vermieters. Ein letzter Blick zu unserem Lui, dann biegen wir um die Ecke und sehen ihn nicht mehr. Vermutlich sehen wir ihn nie wieder, denn so schnell können wir gar nicht wieder nach Neuseeland kommen, wie Lui noch ein paar Tausend Kilometer mehr auf dem Tacho hat und irgendwann in den wohlverdienten Ruhestand geht. Wir wünschen ihm auf seine alten Tage, dass alle weiteren Mieter genauso sorgsam und pfleglich mit ihm umgehen wie wir. Solltet ihr einmal das unverschämte Glück haben, unseren Lui mit dem Kennzeichen FRN82 auf den Straßen Neuseelands zu sehen, dann haltet an und streichelt ihm sanft über die Motorhaube.

Kurze Zeit später sind wir schon am Flughafen, checken unser Gepäck ein und wundern uns sehr, wie wir es schaffen konnten, in unserer neuen Reisetasche 18 kg anzusammeln, die wir bald nach Hause schicken wollen. Mit einer Stunde Verspätung gehen wir fast als erste ins Flugzeug und verlassen Neuseeland kurz darauf. Beim Abheben denken wir an die vielen magischen Momente der letzten 10 Wochen, an den Lake Tekapo, den Lake Pukaki, den Stirling Point und den McCracken’s Rest … Wir ersparen euch den Rest, denn bestimmt habt ihr schon bemerkt, wie schwer uns der Abschied von unserem Lieblings-Reiseziel fällt.

Als der Flieger Richtung Sydney abhebt und wir beim Steigflug die Neuseeländischen Alpen überfliegen, sage ich zu mir selbst: Ich komme wieder! Das ist aber nicht einfach so dahergesagt, sondern ein Versprechen an mich selbst und die Definition eines neuen Traums.

Ein paar Erinnerungen an unsere letzten Tage in Christchurch haben wir euch mitgebracht:

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von Daniel Schroth Lesedauer: 7 min
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