Gastbeitrag von Inge und Jürgen, Teil 1

Feb

24

2011

24.02.2011 | Von Jürgen Schroth | Keine Kommentare

Gastbeitrag von Inge und Jürgen, Teil 1

Ein paar Fakten vorweg: etwa 21.500 Flugkilometer inklusive einiger Kurzstrecken in ca. 28 Stunden reiner Flugzeit, Hunderte Kilometer in Bussen, Minivans, Pickups, Taxis, Tuktuks, Personenschiffen, Langbooten, Autofähren … und natürlich zu Fuß.

Die Fahrt vom neuen Flughafen in Bangkok zum Feung Nakorn Balcony-Hotel lässt schon jetzt die ungeheure Ausdehnung der 10-Millionen-Stadt erahnen. Das Hotel liegt sehr zentral, sowohl den Grand Palace als auch wichtige Tempel können wir zu Fuß erreichen. Auch das Viertel um die Khaosan Road und Rambuttri Road erreichen wir per pedes in 12 Minuten.

Gleich am nächsten Morgen stehen der Grand Palace, die Tempel Wat Phra Kaeo, Wat Pho und Wat Arun (Links zu Wikipedia) auf dem von unseren beiden Weltreisenden ausgearbeiteten Programm. Bei mir werden dabei Erinnerungen wach: Einige der imposantesten Figuren kenne ich aus dem Film “Der König und ich” aus dem Jahr 1956 mit Yul Brynner als König von Siam.

Das Wahrzeichen Thailands, den Wat Arun (Tempel der Dämmerung) erreichen wir dann spät nachmittags mit einer Fähre, die uns über den Chao Praya River bringt. Auch auf dem Fluss, der Bangkok durchschneidet, geht es sehr lebhaft zu. Alte Frachtschiffe, die aussehen, als würden sie jeden Moment auseinanderfallen, teilen sich das Wasser mit Langbooten mit lauten Außenbordmotoren, mit Personenfähren und mit der ständig verkehrenden Fähre, die den Chao Praya rauf und runter fährt und feste Haltestellen hat, ähnlich wie bei uns die Straßenbahn. Auch die probieren wir natürlich aus und lassen uns vier Stationen nach Norden bringen, um dann zu Fuß zurück zur Khaosan Road zu marschieren – mitten durch unbeschreibliches Gewühl, an Garküchen vorbei, an Ständen mit Touristen-Krims-Krams. Gerüche und Lärm sind kaum zu beschreiben. Trotzdem zieht uns dies zunächst noch an. Am Ende der drei Wochen haben wir von dem Nepp à la Türkei irgendwie dann doch die Nase voll.

Dass wir abends dann doch immer wieder dort auftauchen – zu Fuß oder mit dem Taxi für 40 Baht (ca. 1 Euro) – liegt an den zahlreichen Garküchen an der Straße, wo wir nach und nach alle bekannten Thai-Gerichte ausprobieren müssen. Daniel ist der einzige, dem sie nicht scharf genug sein können. Inge und ich bestellen die Gerichte “not spicy”. Das klappt meistens, aber es kann sein, dass elend scharf, mittelscharf und “not spicy” aus demselben Topf kommen.

Bei uns sündhaft teures exotisches Obst wird alle paar Meter an Straßenständen feilgeboten. Ananas und Mango, die man ja auch in Deutschland relativ günstig bekommt, schmecken hier viel fruchtiger. Auch Bananen (meist nur etwa 10-12 cm lang und mit Kernen!) schmecken viel besser als die kastrierten aus Deutschland. Die Chiquitas würden gelb werden vor Neid, wenn sie das wüssten. Zum ersten Mal probieren wir Tamarinde und Dragonfruit.

Einen Tag später besuchen wir den Golden Mount, einen auf einem Hügel liegenden buddhistischen Tempel, der Inge und mir fast noch besser gefällt als der Königspalast, obwohl die Anlage viel, viel kleiner ist. Dann am Abend das MBK Center! Nein, kein Tempel, sondern das größte Einkaufszentrum, das wir je gesehen haben! Macy’s in New York ist dagegen eine Puppenstube.

Wir wollen das Ganze von oben nach unten aufrollen, haben aber die Rechnung ohne unsere Beine gemacht. Schon nach einem Stockwerk (dem 7. ganz oben) geben wir genervt und müde auf. Da Marsela und Daniel nicht aufgeben wollen, verabreden wir uns bei “Sumo” im Erdgeschoss, wo es einige Bänke zum Ausruhen gibt. Die aber sind mit einer Gruppe Malaysier besetzt, die laut sind und vor unserer Nase ständig hin und her gestikulieren. Schließlich bekommen wir zwei Plätze und warten. Und warten. Und warten … dass Daniel fast zwei Stunden lang Jeans anprobiert und dann doch nur eine kauft …

Wir schlafen in dieser Nacht besonders gut. A propos schlafen: Die Hotelzimmer sind alle mit Klimaanlage versehen, was zunächst angenehm erscheint bei Außentemperaturen von 35 Grad. Das hat aber einen Haken: Die Austrittslamellen lassen sich nicht genau einstellen und wir müssen einige Tricks anwenden, um einerseits ein kühles Zimmer zu haben und andererseits nicht im Schlaf vom Bett gefegt zu werden. Der Duschvorleger hilft uns schließlich, indem wir ihn nach genau überlegtem Plan vor die Schlitze hängen. Gute Nacht.

Für den 2. Februar ist der Flug nach Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, geplant. Mit Air Asia landen wir mit einstündiger Verspätung in Phnom Penh. Da der Flughafen etwa 12 km außerhalb liegt, müssen wir ein Taxi nehmen. Marsela und Daniel sind aber überhaupt nicht damit einverstanden, zu einem Festpreis ohne Taxameter zu fahren und handeln, handeln nochmals und nochmals mit dem nächsten Fahrer und schließlich fahren wir zum Festpreis ohne Taxameter! Welch Niederlage!

Der Fahrer ist sehr nett, spricht gut Englisch und bringt uns zum Superstar-Hotel in die 172. Straße. In Phnom Penh haben fast alle Straßen nur Nummern, keine Namen. Das Hotel wird von Chinesen geleitet und – welch Überraschung – der Chef erkennt doch tatsächlich Daniel noch, der 2006 im selben Hotel einquartiert war.

Für zweieinhalb Tage wollen wir hier bleiben und möglichst viel von Phnom Penh sehen. Das Superstar liegt in unmittelbarer Nähe zum Königspalast, zum Nationalmuseum und zum Tonle Sap River/Mekong. Wir erreichen die neue Uferpromenade in 12 Minuten zu Fuß. Ein großer Teil der Zeit geht aber drauf, die sechsspurige Fahrbahn an der Promenade zu überqueren. Zwar gibt es, anders als in Thailand, hier den Rechtsverkehr wie bei uns, aber das scheinen nicht alle zu wissen. Mit gefühlten zwei Millionen Motorrädern, die sich überall dort sammeln, wo wir gerade sind, gleicht das Überqueren fast einem Selbstmord. Wenn man versucht, bis zur Mitte durchzukommen, um sich erneut zu sammeln, merkt man, dass es eigentlich keine Mitte gibt. Nun ja, wir haben es jedenfalls immer wieder geschafft.

Der Abgasgestank ist höllisch und führt unweigerlich zu Reizhusten. Wie das die vielen bettelnden Kinder hier an der Promenade überleben, ist uns schleierhaft. Aber sie leben nicht nur, sie sprechen auch noch Englisch: “Sir (oder Madam), ten for one dollar!” rufen sie, wenn sie Postkarten verkaufen. Aus einem Abwasserkanal am Mekong kommt zuerst ein Junge, dann ein Mädchen gekrochen, denen wir Bananen schenken. Gleich hinterher die Mutter, auch sie bekommt eine Banane. Anstatt dankbar zu sein, meint sie “Do you have Riel?” (Riel heißt die kambodschanische Währung).

Wir besuchen den beeindruckenden Königspalast und ein in unmittelbarer Nähe liegendes buddhistisches Kloster, wo sich Marsela und Daniel lange mit zwei jungen Mönchen unterhalten. Auch der Central Market steht auf der Liste, ist aber wegen des Chinesischen Neujahrsfestes nicht geöffnet. Auf unserem Weg am Mekong entlang sehen wir fantastische neue Hotels, gehen über neue Straßen – Phnom Penh verändert sich.

Die Erinnerung an die Schreckensherrschaft der Roten Khmer (1975 bis 1978) ist aber noch gegenwärtig: das Tuol-Sleng-Genozid-Museum, das als Mahnmal geschaffene ehemalige Internierungslager S-21 des Pol-Pot-Regimes inmitten der Stadt und vor allem die Killing Fields 12 km außerhalb machen sehr nachdenklich. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, beide zu besuchen, obwohl Daniel uns vorgewarnt hatte.

Im Lager S-21 wurden Regimegegner gequält, grausam gefoltert, die Überlebenden wurden schließlich lastwagenweise vor die Tore Phnom Penhs gekarrt und grausam ermordet. Die Aufbereitung mit Schautafeln, den nur teilweise ausgehobenen Massengräbern mit den aufgefundenen Skeletten lässt einen tiefen Eindruck zurück. Will man Kambodscha verstehen, gehört auch das Interesse an dieser Vergangenheit dazu – zumal es immer noch aktuelle Auswirkungen gibt: Das Land wurde total vermint, immer wieder gibt auch heute noch Tote oder Schwerverletzte.

Kontrastprogramm: Die Menschen, vor allem die Kinder, sind trotz ihrer Armut freundlich und aufgeschlossen. Vielleicht hat dies auch mit buddhistischen Überzeugungen zu tun.

Von Phnom Penh aus geht es dann mit einem bequemen Reisebus noch Norden, nach Siem Reap, dem Tor zu Angkor. Dazu mehr im zweiten Teil!

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Gastbeitrag von Inge und Jürgen, Teil 1

von Jürgen Schroth Lesedauer: 6 min
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