Ankunft in Neuseeland: What a day!

Mai

19

2011

19.05.2011 | Von Daniel Schroth | 2 Kommentare

Ankunft in Neuseeland: What a day!

Am frühen Morgen lassen wir uns im Taxi vom Hotel zum Flughafen in Nadi fahren, von wo aus unser Flug von den warmen paradiesischen Fidschis nach Neuseeland gehen soll. Am Flughafen kommt schon morgens kurz nach 6 Uhr Panik auf, als Marsi nach dem Check-in ihren Pass und ihre Bordkarte nicht mehr finden kann. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr Panik aufkommt! Eben war beides noch da, dann geht sie auf der Toilette und findet danach die beiden wichtigsten Dokumente für diesen Tag nicht mehr!

Ich bin relaxed und denke mir, dass die Dokumente nicht besonders weit gekommen sein können. Falls sie jemand gefunden hat, wird er sie schon irgendwo abgeben. Marsi geht zum Check-in-Schalter zurück und will der Airline ihr Problem mitteilen, während ich nochmal einen genauen Blick in ihren – von ihr bereits mehrfach durchsuchten – Rucksack wage, der neben mir liegt. Im Seitenfach sehe ich Pass und Bordkarte, und eines ist sicher: Weder ich noch Miniru, Bruno oder Bubu haben sie dort hingesteckt!

Ein Problem weniger, prima, es kann weitergehen! Bei der ersten Sicherheitskontrolle erlebe ich einen kleinen Schock. Einer der Beamten meint mit strengem Blick: „You cannot take your guitar inside!“ Jetzt wird es ernst. Auf so vielen Flügen haben wir meine Gitarre einfach als zusätzliches Handgepäckstück mit in die Kabine genommen und noch nie hat jemand gemeckert. Und ausgerechnet bei den Fidschianern, die schon mit Gitarre in der Hand geboren werden, soll man sie nicht mit in den Flieger nehmen dürfen? Ich schaue den Beamten verdutzt an, während dessen Blick sich in ein breites Fidschi-Lächeln verwandelt. Er zwickt mich laut lachend in den Bauch, sagt „Only joking!“ und winkt uns vorbei. Puh!

Jetzt ist Marsi wieder dran. Bei der Handgepäck-Durchleuchtung muss sie eine Extrarunde drehen und die Beamten fischen ein kleines Plastikfläschchen mit Hand-Desinfektionsmittel heraus. Dieses haben wir in Indien gekauft und schon durch unzählige Sicherheitskontrollen mitgenommen, es hat den Rucksack noch nie wirklich verlassen. Obwohl sein Volumen unterhalb der kritischen Grenze liegt, müssen wir es hier in einen Ziploc-Beutel packen. Gut, das würde den restlichen Rucksackinhalt schützen, sollte der Inhalt auslaufen. Aber was haben die Beamten davon? Wir diskutieren eine Weile mit ihnen, doch wir haben keine Chance. Wegwerfen oder in einen Beutel mit dem Ding. Der Grund will uns einfach nicht einleuchten, einen Ziploc-Beutel haben wir natürlich nicht zufällig griffbereit. Aber man kann ein paar Meter weiter welche kaufen, das Stück für 1 FJD (0,40 Euro). Ist das der Grund für diese unsinnige Regelung? Geld verdienen mit dem Verkauf von überteuerten Plastikbeuteln? Zwei Touristen, die gerade vor uns durch die Kontrolle gegangen sind, kommen zurück, drücken uns einen Beutel in die Hand und wir packen unser Fläschchen ein. Jetzt ist alles in Ordnung. Prima!

Vor lauter Souvenir-Shopping überhören wir beinahe den Final Call. Auf dem vierstündigen Flug sehen wir erstmals Neuseeland von oben: ewig große Felder, langgezogene braune Berge, schneebedeckte Gipfel und … Wolken. Bei immerhin 15 Grad steigen wir in Christchurch, der größten Stadt auf Neuseelands Südinsel, aus dem Flieger, gehen durch Zoll und Quarantäne und lassen uns von unserem Autovermieter abholen. Es ist gerade mal Mittag, Neuseeland liegt in derselben Zeitzone wie die Fidschis.

Heidi, Susi & Co.

Für die nächsten 6 Wochen wollen wir uns ein bisschen Luxus gönnen. Unsere ersten Camper-Erfahrungen machten wir mit unserem Spaceship Gabi in Australien, und diese Erfahrungen waren wichtig. Nachdem wir dort täglich feststellten, wie sehr man mit einem kleinen Van vom Wetter abhängig ist, wollten wir für Neuseeland etwas größeres, wo man einen Regentag auch mal im Auto absitzen kann und in kalten Nächten eine Heizung anschalten kann. Eine sehr weise Entscheidung, wie wir bald noch herausfinden werden. Die Auswahl ist groß, die Preisunterschiede ebenso. Wir entschieden uns für ein 2-Bett-Modell von Cheapa Campa. Diese Firma vermietet Camper der Firma Apollo, welche aber nach 3 Einsatzjahren aus deren Flotte genommen werden. Die Fahrzeuge bekommen ein neues Logo und werden von Cheapa Campa sehr viel günstiger vermietet als die neueren bei Apollo.

Im Büro von Cheapa Campa werden wir auf deutsch begrüßt, die sympathische Heidi übernimmt die Abwicklung der Formalitäten. Wir schauen eine Einführungs-DVD, trinken leckeren Kaffee und bekommen eine Einweisung in die Features unseres Motorhomes: Wir haben eine Küche mit Spüle, 3-Flammen-Gaskocher und Dunstabzugshaube, Dusche und Toilette, Bettzeug, Handtücher, einen richtigen Kühlschrank, eine Mikrowelle, mehr als genug Stauraum, einen kleinen Schrank mit Kleiderbügeln, Campingtisch und -stühle für draußen und ein GPS-Navigationssystem. Wenn wir auf Campsites das Stromkabel in einen 240-Volt-Anschluss stecken, können wir eine Heizung betreiben. Frischwasser- und Abwassertank fassen je 80 Liter, die Toilette mündet in einen kleinen Behälter, in den wir giftig-blaue Chemikalien schütten sollen. Alle Elektronik außer Heizung und Mikrowelle läuft über eine zweite 12-Volt-Batterie, die sich beim Fahren auflädt. Wir sind also komplett unabhängig und können campen, wo wir wollen.

Außerdem stellen wir fest, dass der VW-Bus (ein „Crafter“, wie das Modell hier heißt) den Blinkerhebel auf der richtigen Seite hat, nämlich links, wie bei uns zu Hause. Leider gibt es dieses Modell nicht mit Automatikgetriebe, stattdessen haben wir einen Schalthebel mit 6 Gängen und Rückwärtsgang, aber leider auf der falschen Seite, nämlich auch links. Na gut, schalten mit links, das wird schon gehen. Aber überhaupt ständig schalten, Linksverkehr, neue Verkehrsschilder, enge Straßen, hohe Pässe und dann so ein Riesenschiff? An die knapp 7 m Länge müssen wir uns erst gewöhnen, das steht jetzt schon fest. Immerhin haben wir einen Turbodiesel, und Diesel ist in Neuseeland mit ca. 1,60 NZD (ca. 0,90 Euro) pro Liter richtig günstig.

Wer Marsi gut kennt und bedenkt, dass wir im beginnenden Winter in Neuseeland sind und die Skisaison bald beginnt, wird sich jetzt eine Frage stellen: Wenn die Heizung nur mit Strom funktioniert, was macht ihr dann, wenn ihr mal keinen Strom habt? Gute Frage, gute Antwort: Die 3-kg-Gasflasche an der Seite unseres Vans dient nicht nur dazu, Wasser aus dem Frischwassertank für Dusche und Spüle aufzuwärmen und unseren Herd oder den Ofen zu befeuern, sondern sie speist auch eine Gasheizung, die wir völlig unabhängig vom Stromnetz anschalten können.

Wir wissen also Bescheid, haben uns das Wichtigste gemerkt und könnten starten. Wir müssen nur noch bezahlen. Marsis Kreditkarte funktioniert bereits beim Blockieren eines geringen Betrags für den Selbstbehalt der Versicherung nicht. Wir versuchen es mit meiner Karte, nichts geht. Wir checken online unser Guthaben auf den Karten, alles im grünen Bereich. Ich versuche es mit meiner Notfall-Backup-Visakarte einer anderen Bank und es funktioniert. Alles gut. Jetzt geht es an die Bezahlung des eigentlichen Betrags für 6 Wochen Miete. Unsere beiden Kreditkarten werden wieder zurückgewiesen.

Wir rufen bei unserer Bank in Deutschland an, dort ist es gerade kurz nach 3 Uhr am Sonntagmorgen. Der nette Angestellte kann uns nur sagen, dass von Seiten der Bank alles in Ordnung ist und der Fehler wohl auf der anderen Seite liegen muss. Genau bei dieser anderen Seite sitzen wir ja gerade und wissen, dass hier eigentlich auch alles in Ordnung ist. Barzahlung wird auch in Ausnahmefällen nicht akzeptiert, ebenso kommt eine Teilzahlung nicht infrage. Zu allem Überfluss gibt es zwischen Cheapa Campa und ihrem Kreditkarten-Dienstleister noch die Regelung, dass jede Kreditkarte pro Tag nur ein Mal für einen bestimmten Zweck durch den Kartenleser gezogen werden darf. So sehen wir uns schon die ersten Nächte in Christchurch in einer billigen Backpacker-Absteige festsitzen.

Ich habe die rettende Idee: Auf meiner Notfall-Karte der anderen Bank ist zwar nicht genug Guthaben, um den kompletten Betrag zu bezahlen, außerdem haben wir das Tageslimit aus Sicherheitsgründen nach unten setzen lassen, viel zu wenig für diesen Zweck. Doch hat die Karte eben beim Blockieren des Selbstbehalts immerhin funktioniert. Wie schaffen wir es jetzt, ganz spontan diese Karte zu benutzen, um die komplette Summe zu bezahlen? Das funktioniert zum Glück, Comdirect sei Dank, ganz einfach: Ein kurzes Telefonat nach Deutschland, schnell ist der zu bezahlende Betrag vom Tagesgeld- auf das Kreditkartenkonto umgebucht und das Tageslimit entsprechend erhöht und wir sollen es in einer halben Stunde probieren. Die Spannung ist riesig, denn wir haben nur diesen einen Versuch. Wir warten sicherheitshalber etwas länger, die nette Angestellte Heidi gibt die Daten ins Gerät ein und wir können schon an ihrem Blick sehen, dass es geklappt hat. Uns fallen mindestens so viele Steine vom Herzen wie wir giftig-blaue Chemikalienbeutel für unsere Camper-Toilette bekommen haben, und das sind immerhin 15 Stück.

Keine Frage, wie wir unsere rollende Heimat für die nächsten 6 Wochen taufen: Heidi! Unser Navi hat schon einen Namen: Von der „echten“ Heidi haben wir erfahren, dass es auf den Namen Susi hört. Das passt gut, denn Susi gibt uns sogar auf deutsch die Kommandos. Sowohl mit Heidi als auch mit Susi werden wir uns oft unterhalten, sie loben oder beschimpfen oder ihnen Mut zusprechen, was gerade nötig ist. Da brauchen die beiden schon einen Namen, um ein persönliches Verhältnis aufbauen zu können. Um 16:00 Uhr verlassen wir nach 3 aufregenden Stunden das Büro und freuen uns auf den ersten Einkauf. Aldi gibt es in Neuseeland leider nicht, wir fahren ein paar Kilometer zum nächsten Countdown, das neuseeländische Pendant zum australischen Woolworths.

Ein kleines Details sei hier noch erwähnt: Wir sind ja Barzahler, wo auch immer wir können, denn Bargeld bekommen wir weltweit kostenlos, für die Bezahlung mit der Kreditkarte fällt hingegen eine Gebühr an. Wir gehen also zum nächsten Geldautomaten und versuchen unser Glück mit Marsis Visa, die ja bekanntlich ein paar Stunden vorher im Büro zurückgewiesen wurde. Es ist fast unnötig zu erwähnen, dass die Bargeldabhebung problemlos funktioniert. Noch Fragen?

Kurze Zeit später sind wir auf einem Zeltplatz mitten in Christchurch und machen uns mit Heidis Features vertraut. Das Fahren verlief erstaunlich gut, durch den langen Radstand müssen wir höllisch mit Bordsteinen aufpassen und beim Rangieren steigt der Beifahrer besser aus und gibt Zeichen. Im hinteren Teil sind links und rechts zwei Sitzbänke, die wir zu einem großen Bett umbauen können: 2 m sind auch für mich lang genug und mit 1,70 m Breite haben sogar Miniru, Bruno und Bubu noch Platz.

Auf eine Kleinigkeit freuen wir uns seit den Fidschis ganz besonders: eine Waschmaschine. Mit Waschpulver. Und frischem gutem sauberem Wasser. Wir werfen alle unsere Klamotten in die großen Maschinen in der Laundry der Campsite und danach in die ebenso großen Trockner und sind überrascht, dass der Geruch von 2 Wochen Strand, Meer und Handwäschen mit kaltem bräunlich-gelbem Wasser tatsächlich aus allen Kleidungsstücken wieder verschwunden ist.

Fantastich, jetzt kann’s losgehen. Wir haben alles, was wir brauchen: Heidi vereint in sich Fortbewegungsmittel, Schlafplatz, Toilette und Küche, außerdem genug zu essen und zu trinken, frische Wäsche und gute Laune. Noch zumindest. Nach unserer ersten Übernachtung stellen sich uns ein paar neue Herausforderungen in den Weg. Aber erst mal gute Nacht, im nächsten Artikel geht es weiter!

Hier findet ihr ein paar Bilder von unserer Heidi:

Comments (2)

  1. Geil, ich hab Dein Gesicht genau vor mir Daniel :

    “You cannot take your guitar inside!”

    …. Stunden vergehen …. äh äh äh

    “Only joking!”

    Kool, der könnte von mir sein ;o) (Und meins wäre auch runtergefallen)

    Grüßle Ihr Lieben
    Sven

  2. Hallo Ihr Lieben,
    wir kennen solche Heartattacks. Da stehst Du dann verlassen in der Welt und verstehst diese nicht mehr! Aber es hat ja alles funktioniert.
    Mit so einem Schiff sind wir auch schon mal unterwegs gewesen. Die Größe ist nur am Anfang beeindruckend. Am Ende willst du nur noch solche Dinger fahren. Normaler PKW ist dann unterste Schublade ;-).
    Am Sonntag sind wir mit Inge und Jürgen zum Kaffee verabredet – da werden wir einiges über Eure gemeinsame Zeit erfahren.
    Weiterhin alles Gute!
    Günte rund Elo

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von Daniel Schroth Lesedauer: 9 min
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