Australien, Teil 1

Apr

16

2011

16.04.2011 | Von Daniel Schroth | 1 Kommentar

Australien, Teil 1

Über unsere Ankunft in Australien haben wir schon einen kurzen Artikel geschrieben. Wir beginnen also gleich mit Tag 2: Wir sitzen am frühen Morgen in Brisbane auf dem Zeltplatz neben Gabi, unserem Campervan, und wissen noch nicht so recht, wo oben und unten und vorn und hinten ist in Australien. Die erste Nacht im Wohnmobil liegt hinter uns, wir haben einigermaßen gut geschlafen und überlegen, wie es weitergehen soll.

Die Eckdaten unseres Plans gibt Gabi vor, denn so haben wir unser mobiles Zuhause gebucht: Wir holen sie in Brisbane ab, das liegt in der Mitte der Ostküste. Und wir geben sie in Melbourne zurück, an der östlichen Südküste. Ein paar Orte stehen schon auf unserer Route, die wir unbedingt sehen wollen. Aber wir haben keinen genauen Plan, wollen uns auch mal ein bisschen treiben lassen und müssen (was wahrlich eine weise Entscheidung ist!) unsere genaue Route vom Wetter abhängig machen.

Zuerst wollen wir Richtung Norden fahren, ein ordentliches Stück nach Airlie Beach. Danach zurück nach Brisbane und weiter nach Sydney. Eventuell nach Tasmanien und irgendwie nach Melbourne, von wo aus 4 Wochen später unser Flug auf die Fidschis geht.

Diesen und die nächsten Australien-Artikel wollen wir etwas anders angehen, nämlich tageweise. Wir verzichten auf die hilfreichen Fett-Formatierungen mancher Wörter zum Überfliegen und schreiben stattdessen ein bisschen zu jedem Tag, mal mehr, mal weniger. Tag 1 und 2 kennt ihr bereits, wir steigen also gleich am Morgen des dritten Tags ein.

Tag 3

Wir schaffen es tatsächlich, um 9:00 Uhr fertig gepackt den Zeltplatz in Brisbane zu verlassen und fahren Richtung Norden. Wir finden den Bruce Highway problemlos, der uns nach Gympie führt. Dort kaufen wir uns eine SIM-Karte für unser Handy und bekommen für 30 AUD (ca. 22 Euro) unglaubliche 330 AUD Guthaben auf unsere neue Prepaid-Karte geladen. Auch sonst fehlt uns etwas Camping-Equipment, das wir hier nachkaufen: 2 Tassen, die nicht nach Metall oder Plastik schmecken und eine Thermoskanne.

Wir kommen schnell voran und erreichen den Abzweig zu unserem eigentlichen Tagesziel Bundaberg so früh, so dass wir beschließen, noch ein bisschen weiterzufahren. Vorbei an Gin Gin fahren wir immer schön den Bruce Highway entlang. Bisher fuhren wir durch viele kleine Städte und größere Dörfer, es gab reichlich Einkaufsmöglichkeiten und Tankstellen. Ihr ahnt bereits, was kommt. Bereits kurz nach Gin Gin meine ich, dass wir so ganz langsam mal ans Tanken denken könnten. Der Tank wird immer leerer, genauso wie die Umgebung des Highways, denn es gibt hier keine Städte und Dörfer mit Tankstellen mehr. Nach 50 km geht die Tankanzeigen-Warnleuchte an. Wie weit kommen wir noch? Normalerweise 50 km. Umdrehen? Weiterfahren? Schon mal einen flotten Spruch bereitlegen, wenn wir die Road Assistance anrufen müssen?

Wir schwitzen kräftig, mit jedem Kilometer mehr. Die nächste Tankstelle gibt es in Miriam Vale, noch ist die Stadt aber 15 km entfernt. Wir sehen überraschend ein erlösendes Schild: „2 km – Food & Fuel“. Eine kleine Raststätte mit Restaurant liegt auf einem Hügel mitten im Nirgendwo, wir halten an und sehen die Zapfsäulen. Aber leider auch, dass hier niemand ist. Geschlossen! Gut, dann eben weiterfahren. Der Spruch für die Road Assistance wird konkreter, Miriam Vale kommt immer näher. Die erste Tankstelle steuern wir an und bleiben nicht stehen! Wir füllen Gabi bis zum Anschlag auf. Das hat sie sich verdient.

Wir atmen auf. Draußen wir es bereits dunkel. 50 km schaffen wir noch, im Boyne River Caravan Park checken wir für die Nacht ein. Heute haben wir 480 km zurückgelegt. Wir haben einen Stellplatz mitten auf einem riesigen Rasen, kochen uns Nudeln mit Tomatensauce und verkriechen uns mit einer DVD in unsere Gabi. Es ist hier bereits deutlich wärmer als in Brisbane, wir können kaum einschlafen und sind froh um unser Heckklappen-Anbau-Zelt, müssen aber trotzdem einige Male die Seitentür aufmachen, da es sonst einfach zu heiß ist. Mitten in der Nacht, es muss gegen 3:00 Uhr sein, geht unser Autoradio an. Einfach so, wir wissen bis heute nicht warum. Ein Sender ist natürlich nicht eingestellt, dafür kommt das Rauschen mit saftiger Lautstärke. Auch diese Nacht geht irgendwann vorbei.

Tag 4

Wir sehen Dutzende Lorikeets (Keilschwanzloris) beim Frühstück, das sind bunte Papageien in rot, grün und blau. Tolle Tiere, die aber auch einen abartigen Lärm machen können. Um 9:30 Uhr verlassen wir die Campsite, fahren an Rockhampton vorbei und haben die erste Gelegenheit, uns an unser Lieblings-Restaurant für die nächsten Wochen zu gewöhnen. „Zur goldenen Möwe“ hörten wir einmal in einem Hörspiel, dieser Name gefällt uns gut! Warum aber ausgerechnet McDonald’s? Weil es hier Internet umsonst gibt! Und zwar fast in jedem McDonald’s in Australien. Und ich stelle fest, dass der Cappuccino bei McCafé für 3,85 AUD (2,80 Euro) wirklich gut schmeckt im Vergleich zu allen anderen Kaffees, die ich in Australien probiere.

Nach Rockhampton fahren wir durch ein Regengebiet. Bald wird der Regen so heftig, dass wir nicht weiterfahren können, weil wir nichts mehr sehen. Gabis Scheibenwischer kommen einfach nicht mehr hinterher. Gegen 16:30 Uhr erreichen wir Mackay, das Wetter hat sich wieder etwas beruhigt. Wir biegen vom Highway ab und fahren Richtung Küste bis zu einer Landspitze, die einen Nationalpark bildet. Hier liegt mittendrin das Cape Hillsborough Nature Resort, direkt am Strand. Der Tageskilometerzähler zeigt 550 km.

Es ist nicht viel los, wir suchen uns einen Platz, der nur durch ein paar Büsche und Bäume vom Strand getrennt ist. Das hören wir zumindest am Meeresrauschen, denn es ist schon dunkel und wir sehen kaum etwas. Im Supermarkt haben wir uns Pfannkuchen-Fertigteig besorgt, der ist heute dran! Ich füge Wasser hinzu, schüttle ordentlich und mache Pfannkuchen wie sonst auch. Aber ich mache die Rechnung ohne die gusseiserne Pfanne, die bestimmt schon viele Camper-Generationen vor uns benutzt haben. Sie ist alt, an manchen Stellen braun oder schwarz, an anderen macht sich Rost breit. Öl in die Pfanne, auf die Gasflamme damit und den Teig vorsichtig hineinschütten … sofort brennt der Teig an, klebt wie Sekundenkleber am Pfannenboden und wird alles, aber kein Pfannkuchen. Schnell geben wir unseren Plan auf, stellen die Plastikflasche mit fertigem Pfannkuchenteig unter unseren Tisch und essen stattdessen Spiegeleier mit Brot. Das geht selbst in dieser Pfanne.

Während wir gemütlich sitzen, erschrickt Marsi heftigst. Ein felliges Tier in der Größe einer Katze hat sich herangeschlichen und beißt sich durch das Plastik der Pfannkuchenteig-Flasche. Der Teig tropft schon heraus. Es ist ein Possum. Das erste, das wir in Australien sehen. Irgendwie ein schönes Tier, aber manchmal doch zu zutraulich und offensichtlich chronisch hungrig. Wir staunen eine kurze Weile und verscheuchen es.

Tag 5

Hier im Nationalpark soll es Kängurus geben. Heute ist schon der 5. Tag in Australien und wir haben noch kein einziges gesehen! Also stehen wir früh auf, um 5:45 Uhr klingelt nach der viel zu warmen Nacht der Wecker. Kurz darauf sind wir am Strand und sehen tatsächlich unser erstes Känguru. Es sitzt da, mitten im Sand, als ob es auf uns warten würde. Füttern soll man Kängurus nicht, vor allem nicht mit Brot. Wir nähern uns vorsichtig und können es streicheln und zwischen den Ohren kraulen. Miniru, Bruno und Bubu dürfen sogar auf seinem Rücken reiten, was natürlich fotografiert werden muss. Die anderen Strandbewohner, ein paar kleinere Wallabies, sind leider recht scheu.

Nach dem Frühstück gehen wir nochmal zum Strand, wir laufen zu einer vorgelagerten Insel, die man zu Fuß erreichen könnte, noch zumindest. Man hat uns gewarnt, bei herannahender Flut auf keinen Fall zur Insel zu laufen, denn zwischen Ebbe und Flut liegen hier knapp 7 Meter, die sich der Meeresspiegel hebt bzw. senkt. Und gerade steigt das Wasser. Wir laufen aber einen gut 2 km langen Dschungelweg auf das Kap und auf der anderen Seite zurück, nach einer Stunde ist die Insel bereits vom Festland abgeschnitten. Gegen 11:00 Uhr verlassen wir nach einem aufregenden Morgen das Kap und fahren wieder auf den Bruce Highway.

Das Wetter ist noch schön, als wir am frühen Abend nach 150 km Fahrt Airlie Beach erreichen. Wir schauen uns 2 Campsites an, keine gefällt uns gut genug, sodass wir etwas außerhalb der Stadt im Adventure Whitsunday Resort einchecken. Dann kommt ein heftiger Regen, der sich erst am frühen Morgen richtig ausgeregnet hat und uns nachts immer wieder aufweckt.

Tag 6

Ich werde geweckt und höre etwas wie: „Boah, ich fass es nicht! 23 Stiche in einer Nacht!“ Marsi zählt nochmal, es sind doch über 30 und nicht nur 23. Wir haben kein einziges Moskito gehört oder gesehen, dann stelle auch ich einige Stiche an mir fest, das ist ungewöhnlich. Marsi geht zur Rezeption und weiß schon mehr: Sandfliegen. Elendige Biester! Man hört sie nicht, weil irgendetwas an ihren Flügeln sie unhörbar macht. Man sieht sie nicht, weil sie zu klein sind. Sie kommen in Schwärmen, und dann bleibt nicht mehr viel, was man tun kann. Die Stiche sehen aus wie die von Moskitos und leider jucken sie auch genau so.

Wir fahren in die Stadt, stellen Gabi auf einem kostenlosen Parkplatz ab und staunen. Direkt neben uns ist die große Lagune von Airlie Beach, ein künstlich angelegtes Schwimmbad mit Natursteinen, Liegewiese, Palmen und Sand, sogar die australischen Kollegen von David Hasselhoff und Pamela Anderson sind am Start und wachen über die Badegäste von ihrem Tower aus. Wir laufen die Hauptstraße mit netten kleinen Shops hoch und runter, auf dem Rückweg zur Campsite holen wir uns aus dem Supermarkt die volle chemische Keule gegen Sandfliegen: Raumspray, Räucherspiralen und Citronella-Kerzen und natürlich noch mehr Spray für die Haut.

Wir räumen das Auto aus. Marsi gibt’s den restlichen Sandfliegen im Auto dreckig, sprüht Gabi ein und benutzt Citronella drinnen und Räucherspiralen draußen. In der Camp Kitchen kochen wir uns Abendessen, denn draußen regnet es schon wieder.

Tag 7

Heute ist unser großer Whitsundays-Tag. Aber zuerst bringen wir Gabi zum Mechaniker ein paar hundert Meter weiter, denn sie zieht nach links. Das macht keinen Spaß und unser Autoverleiher meinte, wir sollten den Fehler beheben lassen, natürlich kostenlos. Ken, der Mechaniker, ist einer von vielleicht 3 Australiern in 4 Wochen, die wir einfach nicht verstehen. „Pickup“, „before 5“ und „no worries“ hören wir gerade noch raus und vertrauen ihm Gabi an.

Kurz nach 9 Uhr werden wir abgeholt, wir haben am Vortag einen Ausflug zu den Whitsunday Islands gebucht. Schlappe 115 AUD (83 Euro) kostet uns der Tag pro Person, dafür fahren wir eine Stunde später mit einem großen Rafting-Boot mit 15 weiteren Gästen in Richtung Hook Island, wo wir einen Schnorchel-Stop einlegen. Jeder trägt einen „Stinger Suit“, einen dünnen langärmligen und -beinigen Anzug, der vor den Quallen schützt, die auch hier schnorcheln wollen.

Gegen Mittag erreichen wir Whitsunday Island. Wir laufen ein paar hundert Meter zu einem Aussichtspunkt und sehen etwas, das wir nie wieder vergessen werden: Whitehaven Beach. Wegen des extrem hohen Quarzgehalts gilt der Strand als einer der weißesten der Welt. Die Mischung aus blendend-weißem Sand, grünen Bäumen und blauem Meer ist gigantisch, durch die Wolken entstehen interessante Muster auf dem Wasser. Wir gehen nach unten zum Strand, wo wir Mittagessen bekommen und den Nachmittag verbringen. Wir laufen durchs knietiefe Wasser und verfolgen kleine Stachelrochen und Baby-Riffhaie, die nach Nahrung suchen. Was für ein Tag bei fantastischem Wetter! Ab und an ziehen kleine Wolken über uns, am Horizont sehen wir, wie sie sich sammeln. Auf dem Rückweg zeigt der Kapitän, warum wir eigentlich auf einem Rafting-Boot sind. Wir haben die besten Plätze, ganz vorne und direkt gegen den Wind, sodass wir alles abkriegen. Unser Boot springt unaufhörlich über die großen Wellen, immer wieder reißt der Kapitän das Steuer so herum, dass wir von der nächsten Welle voll erwischt werden. Wir sind klatschnass, als wir nach Airlie Beach zurückkommen.

Gabi wartet schon auf uns, der Mechaniker Ken hat ihr 2 neue Reifen spendiert und alles wieder eingestellt. Wir verbringen den restlichen Nachmittag im Naturstein-Pool der Campsite. Am Abend regnet es wieder heftig, sodass wir weder die Seitentür noch das Moskitonetz-Fenster unseres Anbau-Zelts öffnen können. Selbst Marsi (die normalerweise friert bei Temperaturen unter 25 Grad) flucht heute mitten in der Nacht: „Ist das so abartig heiß hier drin!“. Bei knapp 35 Grad im Auto kann man einfach nicht schlafen.

Tag 8

Wir haben gesehen, was wir sehen wollten. Unser Ausflug zu den Whitsundays war wirklich perfekt, kein Regen, gute Sicht, besser kann es nicht sein. Wir machen uns schon wieder auf den Weg nach Süden, denn je weiter wir nach Norden fahren, desto weiter müssen wir später auch wieder zurück. Auf dem Bruce Highway, der meist an der Küste entlangführt, sind wir von Brisbane hergekommen, wir beschließen, für den Rückweg eine andere Route zu nehmen. Nach Proserpine biegen wir Richtung Westen ab, wir fahren ins Landesinnere durch die Central Highlands. Wir passieren Farmen mit kilometerlangen Gemüsefeldern, sehen in der Ferne kleine Berge und zahlreiche gigantisch große Kohleminen. Die Nacht verbringen wir nach 500 km in Emerald.

Tag 9

Auch heute wollen wir weit kommen, wir fahren durch die Bergbaustädte Blackwater und Biloela, vorbei an überdimensional großen Rinderfarmen, bis wir Monto erreichen. Wir wollen die Nacht in einem etwas weiter entfernt liegenden Nationalpark verbringen und noch etwas fürs Abendessen einkaufen. Wir folgen den Schildern zum „Business Centre“. Eine kurze Straße mit ein paar Geschäften, einem Bäcker, einem Metzger und einem mittelgroßen Supermarkt, mehr gibt es hier nicht. Kurz bevor es dunkel wird, erreichen wir nach 430 km den Cania Gorge Tourist Retreat am Eingang des kleinen Cania Gorge Nationalparks. Wir sind ein paar Hundert Meter über Meereshöhe in den Bergen, hier ist es so kühl, dass wir in der kommenden sternklaren Nacht endlich wieder gut schlafen können. Nur die riesigen Fledermäuse auf dem Baum, unter dem wir geparkt haben, stören uns ab und an, da sie bei jeder Landung auf dem Baum dessen Früchte auf unser Dach schütteln.

Tag 10

Heute ist unser „Day off“, wir machen nicht viel, schlafen lang, ziehen nach dem Frühstück auf einen anderen Platz um, ohne Baum und ohne Fledermäuse. Bei dichten Wolken fahren wir ein paar Kilometer und sehen den Damm, der den Cania Lake aufstaut. Den Nachmittag verbringen wir bei angenehmen Temperaturen vor unserer Gabi mit der Planung unserer weiteren Route durch Australien. Am frühen Abend machen wir noch 2 der unzähligen kurzen und langen Walks durch den Nationalpark. Zwischen Sandsteinfelsen und dichten Bäumen glaubt Marsi sogar ein Känguru entdeckt zu haben.

Tag 11

Richtig kalt wird es an diesem Morgen! Bei etwas mehr als 10 Grad am frühen Morgen sind wir richtig froh um unsere Decke. Bei strahlender Sonne fahren wir um 10:00 Uhr los, vorbei an Farmen und Feldern bis nach Mount Perry. Wir haben einen fantastischen Ausblick auf die Berge und die kleine Stadt vom Lookout, der etwas höher liegt. Bei Gin Gin treffen wir wieder auf den Bruce Highway und fahren weiter nach Süden. Am Nachmittag erreichen wir Hervey Bay an der Küste. Von hier aus starten die Ausflüge nach Fraser Island, die größte Sandinsel der Welt möchte ich unbedingt sehen.

Tag 12

Der Tag beginnt mit Regen, wir frühstücken in der Camp Kitchen, denn vor unserer Gabi im Regen können wir nicht sitzen. Der Regen will einfach nicht aufhören. Nach dem Einkauf verbringen wir die meiste Zeit in der offenen Küche, Marsi backt ein Brot im Gasofen, mit dem ich mich über das schlechte Wetter hinwegtröste. Am Nachmittag wird es unangenehm kühl, immer wieder regnet es. Immerhin haben wir WiFi auf diesem Zeltplatz und einen Stromanschluss in der Küche.

Wir stehen vor schwierigen Entscheidungen: Wollen wir Fraser Island sehen? Morgen oder übermorgen? Was ist, wenn es weiterregnet? Wir müssen den Ausflug einen Tag im Voraus buchen und das Wetter scheint unberechenbar. Der günstigste Tagestrip würde uns 165 AUD (120 Euro) pro Person kosten. Wir beschließen schweren Herzens, Fraser Island auszulassen. 240 Euro für einen Ausflug bei Regenwetter? Das muss nicht sein.

Tag 13

So schlecht beginnt der Tag gar nicht, aber immer wieder regnet es. Unsere Entscheidung war also richtig. Wir hätten es definitiv bereut, wenn wir so viel Geld ausgegeben hätten. Wir fahren weiter in der Hoffnung, dem Regen zu entkommen. Ein kurzer Stop am Hauptstrand von Hervey Bay zeigt uns einen langweiligen Strand mit lebloser Uferpromenade, es ist gerade Nebensaison.

Ein paar Stunden später sind wir im Küstenort Noosa Heads, hier ist der Strand schon eindrucksvoller und auf der schön angelegten Einkaufsstraße finden wir in den vielen kleinen Läden ein paar nette Souvenirs. Ich kaufe mir einen Lederhut, natürlich nicht aus Känguruleder. Nach 285 km an diesem Tag erreichen wir die Glasshouse Mountains. Es ist schon fast dunkel, als wir auf dem Zeltplatz ankommen. Ziemlich heruntergekommen sind die Toiletten und Duschen hier, wir finden viel zu viele große Insekten, gelb-braunes Wasser kommt aus den Wasserhähnen. Bei Nieselregen essen wir eine Suppe und gehen früh ins Bett.

Tag 14

Wir fahren zum Aussichtspunkt weit nach oben, von wo wir einen wolkigen aber tollen Blick auf die ungewöhnlichen Glasshouse Mountains haben. Wir kochen uns einen Kaffee mit unserem Gaskocher und frühstücken erst mal in Ruhe. Um 10:30 Uhr, nach weiteren 60 km Fahrt, erreichen wir Brisbane. Wir checken im Norden der Stadt auf dem Zeltplatz ein, wo wir schon die ersten beiden Nächte in Australien verbracht haben. Die Lage ist ideal, einfach mit dem Auto zu erreichen, in die Innenstadt kommt man stressfrei mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Heute machen wir nichts Aufregendes, das Wetter ist mehr als bescheiden, immerhin haben wir einen regenfreien Nachmittag. Wir buchen einen Camper für Neuseeland, wo wir in gut einem Monat schon sein werden. Pünktlich nach dem Abendessen fängt es wieder an zu regnen.

Tag 15

Wieder liegt eine schwierige Entscheidung vor uns: Wollen wir die Brisbane bei Dauerregen sehen? Oder noch einen Tag warten und darauf hoffen, dass sich das Wetter bessert? Oder die Stadt einfach auslassen?

Wir entscheiden uns für Letzteres und damit genau für das Richtige. Wir lassen uns den Tag nicht vermiesen und beschließen weiterzufahren. Schon öfter haben wir festgestellt, dass Sightseeing bei Regen natürlich möglich ist aber nicht ansatzweise so viel Spaß macht wie ohne Regen, selbst wenn die Sonne nicht scheint. Lieber lassen wir etwas aus, als mit verregneten Erinnerungen und Fotos weiterzureisen. Das nächste Mal in Australien ist in Brisbane bestimmt schönes Wetter.

Wir fahren nach Süden und erreichen kurz nach Mittag das Lone Pine Koala Sanctuary. Hier gibt es unzählige Koalas, außerdem Kängurus und viele andere Tiere. In unseren Regenjacken stehen wir triefend vor dem Eingang und überlegen, ob es uns wirklich 30 AUD (22 Euro) Eintritt pro Person wert ist. Wir bezahlen den Eintritt und laufen eine gute Stunde an Koalas, Wombats, tasmanischen Teufeln und verschiedenen Reptilien vorbei. Pünktlich zur Showtime sind wir im Kangaroo Reserve, einem großen Hügel mitten im Sanctuary. Eine Mitarbeiterin erzählt uns, dass es hier Kängurus, Wallabies und Wallaroos gibt, die wir auch gleich als solche erkennen. Wir füttern die vielen Tiere, machen lustige Fotos und sehen sogar ein Mama-Känguru mit Joey im Beutel, die Hinterbeine schauen gerade noch heraus. Besonders gefällt uns das faule Känguru mit Schlappohr (von uns „Schiefohrkänguruh“ getauft), dem der Regen überhaupt nichts anzuhaben scheint. Und wir haben Glück, denn man erzählt uns, dass sich bei tollem Wetter die meisten Kängurus lieber verstecken. Wir sehen heute fast alle Kängurus, die hier leben.

Um 18:00 Uhr erreichen wir Helensvale, einen kleinen Ort an der Gold Coast. Wir checken auf einem schlammigen Platz ein, offensichtlich hat es auch hier in den letzten Tagen ungewöhnlich heftig geregnet. Bei Nieselregen gibt es Pfannkuchen zum Abendessen.

Das war’s mit der ersten Hälfte von 30 Tagen Down Under! Weiter geht’s im nächsten Artikel mit der zweiten Hälfte unseres Australien-Trips. Wir besuchen die Gold Coast, Sydney, die Blue Mountains, den Alpine National Park und Melbourne.

Hier findet ihr unsere besten Fotos der ersten Hälfte:

Comments (1)

  1. OK – was genau habt ihr dem Känguru gegeben, damit es mit Miniru, Bruno und Bubu nicht durchgeht?
    @Marsi: Diese Spinne war wohl nicht nach Deinem GESCHMACK?!? :-S

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Australien, Teil 1

von Daniel Schroth Lesedauer: 16 min
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