Warum wir auf Reisen Tagebuch führen

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25

2016

25.10.2016 | Von Daniel Schroth | Keine Kommentare

Warum wir auf Reisen Tagebuch führen

Wie es sich bei einer Langzeitreise mit der Vorfreude, der Unterwegsfreude und der Nachfreude verhält, wisst ihr spätestens seit unserem Artikel “Macht eine Weltreise glücklich”. Dort haben wir uns ausgiebig damit befasst und festgestellt:

Die Vorfreude? Verleiht Flügel!

Die Vorfreude auf eine Weltreise ist eine wunderbare Sache. Vor allem weil man gar nicht so recht weiß, worauf man sich eigentlich freut, kann man diese Zeit besonders genießen.

Die Unterwegsfreude? Bleibt auf der Strecke.

Die Unterwegsfreude ist eine ganz eigenartige Freude. Schwer zu fassen, kaum zu begreifen und unmöglich zu erzwingen. Und doch ist sie von größter Wichtigkeit.

Die Nachfreude? Kommt spät aber gewaltig.

Ohne die ausgebliebene Unterwegsfreude gibt es keine Nachfreude. Schon gar keine so gewaltige, wie man sie nach einer Weltreise erlebt.

Wichtig für die Nachfreude: Ein Reisetagebuch

Dass die Nachfreude so gewaltig kommt, hängt damit zusammen, dass die Erinnerungen an eine lange Reise so viel intensiver sind als die an einen zweiwöchigen Urlaub am Mittelmeer. An unserer Nachfreude haben nicht zuletzt die vielen Fotos einen großen Anteil, die wir mitgebracht haben. Am wichtigsten ist aber unser Reisetagebuch. Akribisch ist es sicherlich nicht, aber doch genau, detailliert und immer persönlich. Es ist unser Tagebuch über unsere Reise, es speichert unsere Eindrücke und unsere Gefühle.

Wenn wir auf einem mehrtägigen Trek unterwegs sind, führen wir unser Tagebuch ganz klassisch mit Stift und Papier. Später übertragen wir es in eine Software, denn mit klassischen Tagebüchern ist es wie mit klassischen Kalendern: Sie können ins Wasser fallen, verloren gehen, gestohlen werden, abhanden kommen, verlegt werden. Und immer, wenn man etwas eintragen möchte, hat man das Buch gerade nicht zur Hand.

Unsere Wahl: Ein digitales Tagebuch

Wir haben uns für ein digitales Tagebuch entschieden, nachdem wir viel experimentiert und verschiedene Programme getestet haben. Am besten gefällt uns MacJournal von Dan Schimpf, der Klassiker unter den Tagebüchern auf dem Mac. Die Software kostet knapp 30 Euro im AppStore und ist ihr Geld definitiv wert. Die größten Vorteile sind für uns:

  • Die Einträge können verschlüsselt gespeichert werden.
  • Durch Templates kann ein neuer Eintrag mit den wichtigsten Feldern automatisch vor-ausgefüllt werden.
  • Es können mehrere Tagebücher angelegt werden, wir haben z. B. ein eigenes für jeden Reise.
  • Die Tagebücher können über Cloud-Dienste synchronisiert werden, sodass wir auf mehreren Geräten schreiben können.
  • Es stehen zahlreiche Formate für den Import und Export von Daten zur Verfügung, falls einmal von einer anderen Software oder zu einer anderen Software gewechselt werden soll.
  • Es ist einfach zu bedienen und lädt zum Schreiben ein.

MacJournal bietet noch viel mehr, die meisten Features aber benötigen wir nicht. Wir könnten beispielsweise die dort gemachten Einträge direkt an unser Blog übertragen, das ihr gerade lest. Oder Bilder und Videos zu unseren Einträgen hinzufügen. Uns genügt aber ein einfaches persönliches Tagebuch in Textform.

Ein Template für jeden Tag

Mit der Zeit haben wir herausgefunden, welche Fakten eines Reisetags uns später auch wirklich noch interessieren und wie wir diese möglichst effizient in unser Tagebuch bringen. Wir haben ein Template angelegt, das mit jedem neuen Eintrag automatisch die wichtigsten wiederkehrenden Punkte hinzufügt, die wir dann nur noch ausfüllen müssen. Ein neuer Eintrag unseres Tagebuchs enthält nach dem Anlegen folgende Punkte, hinter die wir die wichtigsten Fakten eines Tags eintragen:

Land • Orte • Aufstehen • Ins Bett • Unterkunft • Temperatur • Wetter • Befinden Marsi • Befinden Daniel • Befinden Darian • Strecke

Während die meisten Punkte einfach verständlich sind, sind vor allem die letzten interessant: Wie ging es uns an diesem Tag? Wie viele Kilometer haben wir an diesem Tag im Wohnmobil zurückgelegt?

Stichworte für den Rest

Darunter schreiben wir in Stichwortform alles auf, was uns an einem Tag wichtig erscheint. Was wir essen, an welchen Orten wir sind, wen wir treffen und welche Souvenirs wir für welchen Preis einkaufen. Manchmal nur ein paar Zeilen, an ereignisreichen Tagen auch mal eine ganze Seite. Heute, Jahre später, entdecken wir oft Dinge, die uns damals beim Aufschreiben gar nicht so wichtig erschienen, aber jetzt genau dafür verantwortlich sind, dass unsere Erinnerungen so unglaublich stark sind. Ein paar Beispiele gefällig?

  • 26.11.2010, Chitwan, Nepal: Wir holen unsere Wäsche ab, die wir am Vortag abgegeben haben. Eine meiner Socken fehlt. Wenn man nur 5 Paar Socken dabei hat, ist das ein herber Verlust.
  • 19.03.2011, Miriam Vale, Ostküste Australien: Mitten in der Nacht um 3:30 Uhr geht plötzlich unser Autoradio an, Rauschen bei höchster Lautstärke. Einfach so, völlig unerklärlich.
  • 25.03.2011, Cania Gorge Nationalpark, Australien: Einen ganzen Tag lang haben wir Marsis Petzl-Stirnlampe gesucht und schon andere Camper verdächtigt. Jetzt ist sie wieder da: Marsi hat sie in unseren Kulturbeutel gesteckt.

Während diese Anekdoten für jeden anderen belanglos sind, sorgen sie bei uns eben dafür, dass wir uns so unglaublich stark an diese Situationen erinnern, selbst viele Jahre später. Der Weg, den wir nach meiner Socke abgesucht haben, liegt direkt vor mir. Dass es beim Campground in Miriam Vale einen kleinen Berg hinaufging zum Toilettenhäuschen und im Waschbecken eine tote Spinne im Abfluss lag, weiß ich heute noch. Und auch dass wir den kleinen Cania-Damm besucht haben, nachdem wir die Stirnlampe gefunden hatten, muss ich nicht erst im Tagebuch nachlesen.

Neue Artikelreihe

Wenn mich wieder einmal das Fernweh packt, genügt ein Klick auf das Tagebuch-Programm und ich bin wieder mittendrin. Meistens lese ich, was wir am jeweiligen Tag auf unseren Reisen erlebt haben. Genau so wollen wir mit dem nächsten Artikel unsere neue Reihe „Traumteiler-Tagebuch“ beginnen: Ab und an lassen wir euch an unserem Tagebuch teilhaben und berichten, was wir an einem bestimmten Tag auf unserer ersten oder zweiten Reise erlebt haben. Dazu gibt es immer ein paar Fotos, die ihr noch nicht kennt. Der erste Artikel wird in Kürze online sein, lasst euch überraschen!

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Warum wir auf Reisen Tagebuch führen

von Daniel Schroth Lesedauer: 5 min
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