Als Kind dachte ich tatsächlich für einige Zeit, Alice Springs sei die Hauptstadt Australiens. Vermutlich einfach deswegen, weil es so herrlich zentral in diesem riesigen Land liegt. Die Stadt mitten im Outback ist natürlich weder die Hauptstadt (die ist im Übrigen Canberra im Bundesstaat ACT im Südosten des Kontinents, beide Links zu Wikipedia) noch ist sie nennenswert groß. Mit ca. 25.000 Einwohnern ist sie deutlich kleiner als unser derzeitiger Heimatort Ettlingen, hat aber doch eine sprichwörtlich zentrale Bedeutung für Australien.

In den 1870ern wurde Alice Springs als Telegrafenstation gegründet, um die für die Telegrafie zu großen Entfernungen zwischen den bewohnten Küstenregionen zu verkürzen. Alice war die Ehefrau von Charles Todd, dessen Mitarbeiter genau diesen Fleck für die Station auswählte, weil er glaubte, eine Quelle gefunden zu haben (im Englischen „spring“). Die Quelle war zwar nur ein Fluss, der zu der Zeit gerade Wasser führte, der Name Alice Springs aber blieb bestehen. Heute gibt es hier natürlich längst Internet und Funkmasten für Handyempfang, wovon die Erbauer der Telegrafenstation nur träumen konnten.

Die nächsten größeren Städte sind in alle Richtungen mindestens 1.500 km entfernt. Als Vergleich: Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung von Deutschland beträgt ungefähr 880 km, also etwas mehr als die Hälfte dieser Strecke. Die nächste nennenswerte Ortschaft im Süden ist Coober Pedy, über die wir einen Artikel geschrieben haben. Mehr als eine Ortschaft ist es allerdings nicht und immerhin liegen 689 km dazwischen. Alice Springs ist das Tor zum australischen Outback und hat eine wichtige Bedeutung für Touren zu Australiens Wahrzeichen, dem Uluru (Ayers Rock).

Nach 689 km Fahrt von Coober Pedy mieten wir uns kurz vor Sonnenuntergang im G’Day Mate Caravan Park ein. Nach diesem anstrengenden Tag schaffe ich es gerade noch, die Fotos und Videos der letzten Woche auf unser Laptop zu überspielen, bevor ich um 21:30 Uhr ins Bett falle. Dari schläft schon seit einer Weile, ich lege mich zu ihm aufs untere Bett, während Marsi es sich auf dem zweiten Bett über der Fahrerkabine gemütlich macht. So kommen wir wenigstens abwechselnd zu ausreichend viel Schlaf. Einer kümmert sich um Dari, der andere hat frei und kann schlafen.

Seit ein paar Tagen wacht unser Sohn pünktlich mit dem Sonnenaufgang auf, der ist heute um 6:19 Uhr. An gemütliches Ausschlafen ist nicht zu denken, aber das stört uns nicht, schließlich reisen wir ja und machen keinen Urlaub. Um kurz nach 7 frühstücken wir bei angenehmen Temperaturen vor unserem Camper, noch sind nicht allzu viele Fliegen unterwegs. Allerdings sind die meisten anderen Camper schon längst auf, die meisten haben schon gefrühstückt, manche räumen gerade ihre Campervans oder Wohnwagen auf, andere sind sogar schon losgefahren.

Heute wollen wir die Innenstadt von Alice Springs besuchen. Auf dem Anzac Hill steht ein Kriegsdenkmal, das uns allerdings weniger interessiert als der tolle Ausblick auf die Stadt. Hinter uns, nicht allzu weit, beginnt das Outback, vor uns liegt die Innenstadt, weiter hinten die Berge, die Alice Springs einrahmen. Wir parken unseren Camper und laufen zur Touristeninformation, wo wir uns mit Prospekten und allerlei Material eindecken. In der City ist nicht viel los, wir schlendern durch Souvenirshops, Sportgeschäfte und Galerien, vorbei an Restaurants und Cafés und gemütlichen kleinen Parks. Dort sitzen meist ein paar Aborigines und warten auf … ja worauf eigentlich? Auf besseres Wetter bestimmt nicht, denn noch mehr Sonne geht nicht. Wir glauben, dass sie sich hier einfach treffen und ein Schwätzchen halten. Auch gern mal 2 oder 3 Schwätzchen, dagegen ist nichts einzuwenden. Einige der Ureinwohner verdienen Geld mit Kunst, in der Innenstadt finden wir viele Galerien mit Aborigines-Kunst in den typischen Farbtönen von orange bis braun, die uns durchaus gefällt.

Am folgenden Tag scheint zur Abwechslung mal die Sonne bei fast 40 Grad. Mitten in der heißesten Zeit des Tages fahren wir auf dem Larapinta Drive ein paar Kilometer aus der Stadt, biegen rechts ab und sind ein paar weitere Kilometer später auf einem großen Parkplatz. Einen kurzen Fußmarsch entfernt können wir sehen, was sich die Natur hier hat einfallen lassen: Mitten in einem Gebirgszug der West-MacDonnells ist eine Lücke. Der Gebirgszug mit den rotbraunen Felsen hört auf, macht eine Pause. Es geht steil nach unten, nach einem Wasserloch wieder steil nach oben und dort weiter, als wäre nichts gewesen.

Wir sind bei der Simpsons Gap. „Gap“ ist das englische Wort für Lücke, besser könnte man dieses Naturschauspiel nicht beschreiben. Außer uns finden nur wenige Touristen den Weg hierher, am Fuß der Lücke warnt ein übertriebenes „No Swimming“ vor den Gefahren der kleinen Pfütze, die sich hier befindet. Die Simpsons Gap ist eine der Attraktionen, die fast ohne Aufwand erreicht werden können und dafür aber etwas Fantastisches bieten. Ein klarer Traumteiler-Tipp also!

Bevor wir die gemütliche Stadt am nächsten Tag wieder verlassen, füllen wir unsere Vorräte auf. Während Diesel und Benzin in Alice Springs schon mal 30 Cent pro Liter mehr kosten als an der Küste, finden wir in den großen Supermärkten Woolworths und Coles die gleichen Angebote wie sonst auch, die Preise sind nicht höher als sonst. Aldi gibt es im Northern Territory und auch in South Australia leider nicht, denn mit den Aldi-Preisen können selbst die Angebote in den anderen Supermärkten meist nicht mithalten. Ein gutes Stück müssen wir den Stuart Highway wieder zurückfahren, bis wir bei Erldunda auf den Lasseter Highway abbiegen, der nach Westen zu unserem nächsten Ziel führt, dem Uluru (Ayers Rock).

Ein paar Eindrücke von Alice Springs und der großen Lücke im Fels haben wir noch für euch: