Chile

Jun

30

2011

30.06.2011 | Von Daniel Schroth | Keine Kommentare

Chile

Wie ihr vom letzten Artikel wisst, wollen wir Chiles Hauptstadt Santiago so schnell wie möglich wieder verlassen und in eines der Nachbarländer Peru oder Bolivien reisen, um zuerst einen Spanischkurs zu machen. Nach unserem gestrigen dringend benötigten Früh-Abend-Jetlag-Schlaf laufen wir in einen gemütlichen Stadtteil von Santiagos Altstadt und beschließen bei Quesadillas und Quiche, dass wir nicht wie geplant nach Bolivien fahren werden, um den Sprachkurs zu machen, sondern nach Cusco in Peru. Inzwischen wissen wir nämlich auch, dass Julia uns wieder besuchen kommt, sie war im Dezember in Indien schon 2 Wochen mit uns gereist und jetzt werden wir sie wiedersehen! Da sie in Perus Hauptstadt Lima landen wird, bietet es sich an, dass wir zumindest schon mal im selben Land sind.

Warum machen wir eigentlich keinen Kurs in Santiago oder in Chile? Davon haben uns viele abgeraten, sogar die Chilenen selbst. Denn das Spanisch hier ist unglaublich schnell und unverständlich. Beim Abendessen müssen wir uns anstrengen, aus den Sätzen unserer Bedienung auch nur ein Wort herauszuhören, um den Sinn zu verstehen. Also treffen wir kurzerhand die Entscheidung, uns für mindestens 2 Wochen in Cusco aufzuhalten und dann mit hoffentlich besserem Spanisch weiterzureisen.

Ein Tag in Santiago de Chile

Wir wachen am nächsten Tag um 6:30 Uhr auf und sind hellwach, warum wissen wir nicht. Wir frühstücken ausgiebig und fahren gegen Mittag mit der Metro zum Terminal de Buses, wo wir es auch mit unserem dürftigen Spanisch schaffen, Bustickets für den nächsten Tag zu kaufen. Von Santiago (wo wir gerade sind) nach Cusco (wo wir unseren Sprachkurs machen wollen) sind es mal locker über 2000 km Luftlinie, Flüge sind abartig teuer, wir fahren also mit dem Bus wie alle anderen auch. Da wir aber noch nicht wissen, wie bequem die Busse sind, wollen wir fürs erste Mal eine kürzere Strecke buchen, wir fahren nach La Serena, ca. 400 km nördlich von Santiago. Die Fahrt dauert immerhin schon 8 Stunden, das Ticket kostet 7000 chilenische Pesos (CLP, rund 10 Euro) pro Person.

Den restlichen Nachmittag verbringen wir bei Sonnenschein auf dem 800 m hohen Cerro San Cristóbal mitten in Santiago, von wo aus wir einen herrlichen Blick über die riesige Stadt haben. Sehr weit sehen wir aber nicht, denn über der 4-Millionen-Stadt liegt eine gigantische Smog-Glocke. Ein paar Kilometer entfernt im Osten sehen wir aber trotzdem schneebedeckte Gipfel der Anden. Abends sitzen wir mit ein paar anderen Gästen des Hostels um den einzigen Ofen, denn Heizungen gibt es nicht. Klettert das Thermometer tagsüber bei Sonnenschein schon mal auf 20 Grad, ist es nachts richtig kalt mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, auch unser Zimmer ist eisig.

Von Santiago de Chile nach La Serena

Der nächste Morgen beginnt zur Abwechslung mal wieder früh, wir checken aus, nehmen die Metro und stehen pünktlich bereit, um unseren ersten südamerikanischen Bus zu besteigen. Heute fahren wir mit Pullman Bus, einer der zahlreichen Busgesellschaften in Chile. Unsere Rucksäcke bekommen einen Anhänger wie im Flugzeug, wir bekommen einen Kontrollstreifen, steigen ein und sind positiv überrascht. Wir haben deutlich mehr Platz als in einem Sitz in der Economy Class eines Flugzeugs, die Sitze können wir weit nach hinten lehnen und breit genug sind sie auch. Wir machen 2 kurze Stopps auf der Strecke und erreichen nach knapp 8 Stunden am frühen Abend unser Ziel La Serena.

Wir haben ein Hostel reserviert, es ist nur 10 Minuten zu Fuß vom Terminal entfernt. In einer kleinen staubigen Straße finden wir das Hostal El Punto, wir klingeln und kommen für die nächste Viertelstunde aus dem Staunen nicht mehr heraus. Olli begrüßt uns auf Deutsch, er arbeitet seit 2 Jahren hier. Schnell werden die Formalitäten erledigt, danach führt er uns herum. Viel Erfahrung mit Unterkünften in Südamerika haben wir ja noch nicht, aber uns wird schnell klar, dass dieses Hostel der Maßstab für die nächsten Wochen und Monate sein wird. Für 16.000 CLP (23,50 Euro) bekommen wir ein kleines sauberes Zimmer und können die ebenso sauberen Gemeinschaftsbäder benutzen. Das Frühstück ist inklusive. Mit vielen kleinen Details in der Einrichtung erinnert das Hostal El Punto eher an eine kleine Villa in Südspanien, es gibt sogar ein kleines Restaurant mit Ofen und WiFi umsonst. Wir sind begeistert!

Am Abend schauen wir nochmal, ob wir nicht vielleicht doch einen günstigen Flug nach Cusco finden können, denn die 8 Stunden im Bus waren stressig, obwohl wir ja gar nichts gemacht haben außer sitzen. Die angebotenen Flüge sind jenseits unseres Budgets, so gehen wir am nächsten Morgen gleich zum Busterminal und buchen unsere Weiterfahrt nach Arica, von wo aus wir die Grenze nach Peru überqueren können. Wir laufen durch die Altstadt von La Serena, eigentlich ein gemütliches kleines Städtchen, aber irgendwie will es uns nicht so richtig begeistern. Vielleicht sind wir noch zu sehr Neuseeland gewohnt und müssen uns erst in Südamerika einleben.

Nachmittags nutzen wir die warme Sonne für eine Tour zum Strand, La Serena liegt direkt am Pazifik. Unsere Karte ist leider nicht maßstabsgetreu, so wird aus dem kurzen Spaziergang eine 3-Stunden-Wanderung. Der Strand ist um diese Jahreszeit definitiv keinen Besuch wert, in der Ferne sehen wir eine große Werft, viele Fischerboote und einen ungemütlichen Hafen. Am Leuchtturm bemerken wir eine Hündin, die uns nachläuft. Wie lange sie das schon tut, wissen wir nicht. Aber sie weicht nicht von unserer Seite. Dass wir uns vom Strand weg und mitten in die Innenstadt bewegen, scheint sie nicht zu stören. Wir gehen in einen großen Supermarkt und rechnen damit, sie spätestens jetzt abgeschüttelt zu haben. Als wir nach einer Viertelstunde wieder herauskommen, liegt sie gemütlich vor dem Ausgang und wartet auf uns. Sie läuft uns bis zum Hostel hinterher, wo sie sich gleich vor die Tür legt. Wir erfahren, dass die Hündin wohl oft hier liegt und ab und an Gäste „begleitet“. Das ist wirklich erstaunlich!

Am Abend werden wir um 19:00 Uhr abgeholt. Wir besuchen das Observatorio Mamalluca, fahren über eine Stunde ins Hinterland auf den gleichnamigen Berg und sind überwältigt, als wir aus dem Kleinbus aussteigen. Hier oben gibt es quasi keine Lichtverschmutzung, der Himmel ist wolkenlos und wir sehen einen unglaublich intensiven Sternenhimmel, selbst Details im sonst verschwommenen Milchstraßen-Gürtel sehen wir mühelos.

Wir haben uns für eine zweistündige Tour angemeldet, unser englischsprachiger Guide Luis führt unsere kleine Gruppe zuerst zu einem Teleskop, wo wir Saturn mitsamt Ringen und Monden sehen können. Er erzählt uns viele interessante Dinge über das Observatorium und das Weltall. Draußen sehen wir Doppelsterne und Sternhaufen durch ein weiteres Teleskop. Luis richtet das große Gerät auf einen recht dunklen Stern rechts unter dem Kreuz des Südens. Durch das Teleskop sehen wir, dass eigentlich viele hundert Sterne an dieser Stelle sind. Es ist wirklich beeindruckend, wie klar die Luft auf diesem Berg ist und wie viele Sterne man hier sehen kann. Nicht umsonst stehen die größten Teleskope der Welt in Chile. Erst nach Mitternacht kommen wir wieder in unserem Hostel in La Serena an.

Von La Serena nach Arica

Den nächsten Tag verbringen wir im Hostel, bis wir um 16:30 Uhr in unseren Bus steigen. Dieses Mal haben wir mit der Busgesellschaft Tur Bus gebucht, in der besten Klasse gab es leider keine Tickets mehr, so dass wir „Semi Cama“ fahren wie auf der ersten Busfahrt. Die Fahrt nach Arica im Norden Chiles wird 22 Stunden dauern, wir werden erst am folgenden Nachmittag ankommen.

Schon beim Einsteigen in den Bus steigt ein seltsamer Geruch in unsere Nasen, es müffelt in diesem Bus. Schnell haben wir die Quelle lokalisiert, eine Gruppe von Südamerikanern sitzt hinter und neben uns, am schlimmsten riecht derjenige, der direkt hinter mir sitzt. Die Mischung aus Schweiß und alten Klamotten wird uns während der kompletten Fahrt in der Nase bleiben. Wir bekommen ein paar Snacks und Getränke serviert, nebenher laufen DVDs. Kissen und Decken gibt es auch. Immer wieder schlafen wir kurz ein, aber der Bus hält oft an, manchmal um weitere Gäste aufzunehmen, dann wieder für eine der vielen Polizeikontrollen. Auch am nächsten Morgen stinkt es noch hinter uns, schwallweise kommt der Geruch nach vorne. Wir fragen uns, ob es dem Geruchsgeber denn gar nicht auffällt, dass er den kompletten Bus einduftet.

Nach 22 Stunden Fahrt erreichen wir endlich das Busterminal von Arica. Wir können es nicht erwarten, den müffelnden Bus endlich zu verlassen. Wir laufen zu unserer Unterkunft, die wir im Voraus gebucht haben. Es ist bei Weitem nicht so schön wie das Hostel in La Serena, aber wir haben ein gemütliches Bett und holen umgehend die längst überfällige Dusche nach. Wir laufen zum Strand und weiter ins Zentrum von Arica und stellen wieder einmal fest, dass uns diese mittelgroßen chilenischen Städte einfach nicht so richtig gefallen wollen. Sie sind staubig, einsam und manchmal ziemlich ranzig. Immerhin ist das Zentrum von Arica etwas belebter, wir essen etwas und erreichen unser Hostel erst wieder, als es bereits dunkel ist.

Wir stärken uns mit einem ordentlichen Frühstück am nächsten Morgen, denn heute wollen wir Chile schon wieder verlassen. Wie weit wir heute kommen, wissen wir noch nicht. Auf jeden Fall wollen wir nach Peru und so weit wie möglich Richtung Cusco, doch wie es in Peru mit den Bussen ist und ob wir spontan noch Plätze bekommen, können wir noch nicht einschätzen.

Um 11:00 Uhr stehen wir wieder am Busbahnhof und überlegen, ob wir für 2.500 CLP (3,70 Euro) mit dem bequemeren Taxi oder für 1500 CLP (2,20 Euro) in einem klapprigen Bus die Grenze überqueren wollen. So wirklich viel Geld ist das ja beides nicht, also entscheiden wir uns fürs Taxi. Unsere Rucksäcke liegen schon im Kofferraum, als uns der Taxifahrer in unverständlichem Spanisch zu verstehen gibt, dass unser Gepäck zusätzlich 1.000 CLP extra kosten soll. Ich frage sicherheitshalber nach, tatsächlich will der Fahrer für unsere Rucksäcke ein bisschen Geld extra haben. Er schaut etwas verwundert, als wir unsere Rucksäcke schnell wieder aus seinem Kofferraum wuchten und uns doch für den klapprigen Bus entscheiden.

Kurze Zeit später fahren wir los, ein paar Kilometer später erreichen wir die chilenische Seite der Grenze. Wir bekommen unseren Ausreisestempel, fahren 100 m weiter im Bus und bekommen unseren Stempel für die Einreise nach Peru. Ein Visum brauchen wir für keines der Länder Südamerikas, die wir bereisen wollen. Hin- und Herreisen zwischen Chile, Peru und Bolivien wird also problemlos möglich sein.

Nach nur 6 Tagen haben wir Chile schon wieder verlassen und sind in Peru. 2 Wochen Spanischkurs liegen vor uns, danach treffen wir Julia.

Unsere ersten Wochen in Südamerika werden stressig werden, zum Einen weil wir riesige Entfernungen zurücklegen müssen, zum Anderen weil 4 Stunden Sprachkurs pro Tag bestimmt richtig anstrengend sind. Bereits bei unserer Ankunft in Chile haben wir bemerkt, dass wir uns mit den wenigen Grundkenntnissen in Spanisch einfach nicht wohlfühlen. Nur wenige Südamerikaner sprechen Englisch und uns fehlt noch einiges, um selbst einfache Gespräche zu führen. Im nächsten Artikel berichten wir über unsere Fahrt nach Cusco und unseren Sprachkurs. Hier findet ihr ein paar Fotos unserer ersten Tage in Chile:

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Chile

von Daniel Schroth Lesedauer: 9 min
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