Singapore: A Fine City

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2014

04.10.2014 | Von Daniel Schroth | 9 Kommentare

Singapore: A Fine City

Dass man keinen Kaugummi nach Singapur einführen darf, dass jeder bei der Einreise gründlich daraufhin kontrolliert wird und dass man – sollte doch ein illegaler Kaugummi gefunden werden – man sich gleich an eine schwülheiße Gefängniszelle gewöhnen kann, dachte ich tatsächlich viele Jahre lang. Und in der Tat gibt es hierfür ein Gesetz, das inzwischen aber gelockert wurde. Während die Einfuhr von Kaugummi weiterhin verboten ist, kann man ihn seit 2004 wenigstens kaufen.

Aber in Singapur gibt es eine ganze Menge Regeln und viele davon sind sogar im Gesetz verankert, sodass auch mit aller Staatsgewalt gegen Sünder vorgegangen werden kann. Singapur ist eine schöne Stadt, das können wir bestätigen. Aber es ist auch eine Stadt der Strafen, und genau hier liegt die Doppeldeutigkeit im Slogan, die uns so gut gefällt. “Singapore – A Fine City”, heißt es manchmal spöttisch. Das englische “Fine” bedeutet als Adjektiv schön oder fein, aber als Substantiv auch Strafe, und genau davon handelt dieser Artikel.

Die meisten verbotenen Dinge sind ohnehin welche, die wir zu Hause auch nicht machen würden (z.B. Müll auf die Straße werfen) und die sich einfach nicht gehören, wie man so schön sagt. Die angedrohten Geldstrafen sind aber saftig und für schlimmere Vergehen gibt es auch härtere Strafen, vom Caning bis zur Todesstrafe.

Beim Caning (von “Cane”, englisch für Rohrstock) gibt es “nur” eine geringe Anzahl von Schläge mit dem Stock aufs nackte Hinterteil. Süß, könnte man meinen. Das Motto dieser Bestrafung spricht aber eine andere Sprache: Maximale Qualen mit möglichst wenig bleibenden Schäden. Die Details, dass mit dem Stock z.B. eine Geschwindigkeit von mindestens 160 km/h erreicht werden soll und dass bei jedem Schlag durch das Wegziehen des Stocks die Haut aufgerissen wird, kann man bei Wikipedia nachlesen. Gar nicht mehr so süß.

Wir finden zwar keine Schilder, die die Einfuhr von Kaugummi verbieten würden, auch sonst gibt es bei der Einreise nicht viel Spektakuläres. Es dauert aber nicht lange, bis uns allerlei Verbotsschilder begegnen, die das alltägliche Leben in Singapur zu bestimmen scheinen.

Bei unserer Couchsurfing-Unterkunft in Marine Terrace gibt es Unterführungen, die das Wohnviertel mit dem East Coast Park auf der anderen Seite der Straße verbinden. Hier finden wir ein bizarres Schild: Wer mit seinem Fahrrad durch die Unterführung fährt und es nicht schiebt, dem wird eine Strafe von 1.000 SGD (Singapur-Dollar) angedroht, das sind immerhin etwas mehr als 600 Euro.

Ich habe als CFO unserer Weltreise das Finanzministerium unter mir und kenne unser Reisebudget sehr genau. Für 600 Euro extra ist da definitiv kein Platz! Ich muss Marsi mehrfach ermahnen, als sie auf unserer Fahrradtour zu den Gardens of the Bay nicht einmal daran denkt, von ihrem Fahrrad abzusteigen, als sie das Verbotsschild passiert. Natürlich fährt sie trotzdem weiter, während ich wie ein ordentlicher Tourist mein Fahrrad schiebe.

Was uns sonst noch alles in Singapur verboten wurde, findet ihr in unserer Fotoserie:

Hast du auch kuriose Verbotsschilder in Singapur oder woanders fotografiert? Zeig sie her!
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Comments (9)

  1. Jetzt muß ich doch noch einen Kommentar zum vorletzten Bild abgeben: “No assault on bus captain“ – Solange ihr keine Busfahrer zusammen schlagt ist alles ok, sucht Euch einen Taxifahrer, das ist ja nicht ausdrücklich verboten 😉

  2. Was Strafen angeht bin ich immer hin und hergerissen. Man überlege sich nur mal, was im Straßenverkehr los wäre, ohne Strafen… Andererseits wünschen wir uns alle, dass wir in unserer Freiheit sowenig wie möglich eingeschränkt wären. Freiheit bedeutet aber auch Verantwortung, und da liegt die Krux – viele Menschen scheren sich nicht um die (mögliche schlechte) Auswirkung ihres Handelns. Deren Freiheit führt also zur Unfreiheit der anderen. Also werden Verbote ausgesprochen und mit Strafen belegt. In Singapur führte das zumindest zu einem schönen Stadtbild. Ob es auch zu mehr Verantwortung geführt hat?
    Ein philosophischer Gedanke von mir…

    1. Unser Eindruck war, und das bestätigen auch viele Locals aus Singapur: Die Effekte sind überwiegend positiv und die Politik hat dadurch bestimmt zu einem erheblichen Teil beeinflusst, dass Singapur zu dem geworden ist, was es heute ist. Insofern würde ich mir das für zu Hause zwar nicht wünschen, denn manche Strafen sind einfach übertrieben. Aber vielen anderen Staaten, die wir schon bereits haben, würde das vielleicht gut stehen, weil die Korruption und die ewige Abzockerei dadurch vielleicht ein bisschen eingedämmt würden.

      Grüße aus Down Under,
      Daniel

  3. … mein “Lieblingsverbot” ist das Mitführen von Durians; generell wurde die Anzahl an Verbotschildern im Vergleich zu 2006 inzwischen deutlichst reduziert und auch vom “A Fine City”-Slogan möchte die Stadt wegkommen. Mich persönlich haben die Verbote auch nie eingeschränkt, es gab für mich nur Vorteile – eben eine SAUBERE Stadt!

  4. Wer in Singapore ist sollte auf jeden Fall “Black Pepper Crab” probieren (otherwise “Mission not accomplished !”), am besten im Eastcoast Seafood Center mit Blick aufs Meer. Als Nachtisch frische Mango bestellen und dann einen Singapore Sling am Clarke Quay trinken.
    Sehenswert ist auch die Emerald Hill Road (alt Singapur) sowie ein Besuch im Zoo “bei Nacht”.

    1. Hi Klaus!

      Wir stehen zu “Mission noch accomplished”, denn so viel Zeit ist in einer einzigen Woche leider gar nicht. Das nächste Mal, wenn Dari etwas größer ist und sowohl von Black Pepper Crab als auch vom Zoo bei Nacht etwas mehr hat, holen wir das gerne nacht!

      Grüße aus Down Under,
      Daniel

      1. …hab noch was vergessen, im Changi Airport gibt es einen sehenswerten Butterfly Garden, falls man dort Zeit totschlagen muss.

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Singapore: A Fine City

von Daniel Schroth Lesedauer: 2 min
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