Wie entsteht eigentlich ein Campervan?

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2015

15.01.2015 | Von Daniel Schroth | 1 Kommentar

Wie entsteht eigentlich ein Campervan?

Manchmal muss man einfach Glück haben. Zuerst hatten wir Ärger mit unserem Campervan in Neuseeland, denn es fehlte ein wichtiges Polster für unser Bett. Um dieses zu bekommen, fahren wir auf dem Rückweg von unserem Abstecher in den Norden nach Albany zum RV Super Centre, wohin das fehlende Polster inzwischen geschickt wurde.

Draußen auf dem Hof sehen wir ein paar Dutzend Campervans, die Türen offen, bereit zur Besichtigung. Wir werden neugierig, was hier in Albany vor sich geht und fragen nach. Jetzt kommt das Glück ins Spiel, denn wir treffen uns mit Tamara. Sie ist vor vielen Jahren nach Neuseeland gekommen und arbeitet im RV Super Centre als Retail & Customer Relationship Manager. Wir unterhalten uns auf Deutsch und können ihr alle Fragen stellen, die wir schon immer mal loswerden wollten.

Wir wollen wissen, wie das mit den ganzen Vermietern von Campervans in Neuseeland ist, warum es so viele gibt und wer zu wem gehört und warum und überhaupt. Seit wir im Mai 2011 das letzte Mal in Neuseeland gewesen sind, hat sich einiges geändert. Für die Vermietung von großen Wohnmobilen gibt es neben ein paar kleinen eigentlich nur noch 2 große Firmen: Apollo und thl. Während zu Apollo auch Star RV und Cheapa Campa gehören, ist bei thl der Großteil der Campervan-Marken versammelt, die man auf Neuseelands Straßen sieht.

Tourism Holding Limited, dafür steht die Abkürzung thl. Unter diesem Dach finden sich die Marken Kea, Britz, Maui, Mighty, Alpha, United und noch ein paar andere. Wir fragen Tamara, wie das genau ist: Welche Campervans sind die neuen, welche bekommen nach wie vielen Jahren neue Aufkleber und unter welcher Flagge fahren diese dann weiter? Eigentlich ist es ganz einfach:

  • Die Königsklasse der Camper ist Kea. Ein Kea bleibt ein Kea, nach ungefähr einem Jahr wird er verkauft.
  • Ein Maui bekommt nach einer bestimmten Zeit neue Aufkleber und wird zu einem Britz. Es gibt aber auch neue Fahrzeuge von Britz, die vorher kein Maui gewesen sind.
  • Ein Britz wird nach einigen Jahren im Einsatz zu einem Mighty.
  • Ein United wird zu einem Alpha.

Von jeder Marke gibt es gebrauchte Fahrzeuge, die an Privatleute verkauft werden. Aber auch ganz neue Keas warten auf dem Hof des RV Supercentres auf ihre neuen Besitzer, natürlich ohne die grünen Kea-Aufkleber. Für ein paar Monate in Neuseeland lohnt sich der Kauf eines Wohnmobils natürlich nicht. Wir erfahren von Tamara, dass viele Kiwis (hier: die Neuseeländer) nach ihrem Arbeitsleben viel Geld in ein mobiles Zuhause investieren, um dann das eigene Land zu bereisen und es sich gutgehen zu lassen.

Und warum überhaupt bekommen die Camper nach einer gewissen Zeit andere Aufkleber? Das liegt daran, dass sie ab einem bestimmten Alter für weniger Geld unter einer anderen Marke weitervermietet werden. Derselbe Camper wird also zum Beispiel – wenn er jünger als 3 Jahre ist – als Britz vermietet und nach einigen Jahren für deutlich weniger Geld als Mighty weitervermietet. Für den Luxus eines neuen Campervans muss man also einiges mehr bezahlen.

Wir hatten in Australien einen Mighty gebucht und bekamen einen Britz, der vom Alter her schon ein Mighty hätte sein sollen. Man hat aber einfach noch keine Zeit gehabt, die Aufkleber zu tauschen. In Tasmanien waren wir bei der Konkurrenz und haben 2 Wochen lang in einem Apollo die kleine Insel umrundet. Für unsere Zeit in Neuseeland haben wir wieder einen Mighty, ihr kennt ja die lange Geschichte, wie wir nach Tagen endlich doch einen Camper bekommen haben, der für uns praktischer nicht hätte sein können.

In Tasmanien und Neuseeland hatten wir jeweils noch kurzzeitig andere Fahrzeuge in der jeweiligen Kategorie, wir kommen also allein im Jahr 2014 auf 5 verschiedene Modelle. Dazu kommt unsere Erfahrung auf der ersten Weltreise mit einem Spaceship in Australien und einem Cheapa Campa in Neuseeland. Vor allem fiel und fällt uns auf, dass jeder Campervan anders ist, selbst innerhalb einer Fahrzeugkategorie beim selben Vermieter. Während bei den größeren Campern meistens ein Mercedes Sprinter oder ein VW Crafter unter der Haube ist und die Fahrerkabinen fast immer gleich aussehen, gibt es im hinteren Bereich und von außen große Unterschiede, vor allem in der Innenausstattung. Für die kleineren Camper wie den Britz Voyager werden Vans von Toyota verwendet.

Kurzerhand bietet uns Tamara an, uns einmal durch die Werkstatt zu führen, wo die meisten neuen Campervans für die neuseeländischen Straßen gebaut werden. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen! Wir ziehen uns knallgelbe Warnwesten an und starten im Büro, wo die neuen Modelle entwickelt werden. Danach besuchen wir die gigantische Produktionshalle. Während ich fotografiere, erzählt Tamara Marsi, was bei den einzelnen Stationen gerade gearbeitet wird. Wir sehen, wie aus einem nackten Transporter-Chassis Schritt für Schritt ein fertiger Campervan wird, der am Schluss so aussieht, wie wir es kennen.

Die Fertigung der Wohnmobile übernimmt die RV Manufacturing Group (RVMG), die auch unter thl angesiedelt ist. Die interessantesten Fakten haben wir für euch zusammengefasst, außerdem findet ihr in den Beschreibungen unserer Fotos weitere Informationen.

  • Wir besuchen die Werkstatt in Albany bei Auckland auf Neuseelands Nordinsel, es gibt noch eine weitere in Christchurch auf der Südinsel.
  • In Albany sind derzeit 100 Mitarbeiter angestellt.
  • Pro Tag verlässt in der Regel ein fertiger Van oder Campervan die Werkstatt. In Spitzenzeiten können es auch mal 2 sein. Pro Jahr werden 450 Fahrzeuge gebaut.
  • Für einen großen Campervan mit 4 oder 6 Schlafplätzen sind ca. 300 Arbeitsstunden nötig, um aus dem nackten Chassis ein gemütliches Zuhause zu machen.
  • Ein kleinerer Camper auf Van-Basis verbringt 160 Stunden in der Werkstatt, bevor er fertig ist.

Was für ein beeindruckendes Erlebnis! Die Jungs und Mädels hier kennen sich aus, so viel steht fest. Unser fehlendes Polster haben wir jetzt, aber in der Zwischenzeit haben wir noch ein paar weitere Kleinigkeiten an unserem Camper festgestellt, die wir kurzerhand hier reparieren lassen. Ein paar Minuten später ist Lui wieder bei uns und wir können zufrieden weiterfahren.

Die einzelnen Camper-Marken unter thl findet ihr im Internet (alle Links zu Webseiten), falls ihr selbst einmal einen mieten oder euch informieren wollt:

An dieser Stelle danken wir Tamara herzlich für diesen besonderen Tag und für die leckere Flasche Weißwein, die uns sehr gut geschmeckt hat. Hier findet ihr unsere Fotoserie direkt aus der Fertigungshalle:

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Comments (1)

  1. „Wer seinen Urlaub immer nur auf Malle oder in Holland verbringt, verpasst das Erlebnis, anderen Menschen beim Andersleben zuzuschauen. Die Welt ist nicht nur vielfältig, sondern auch rund, was dazu führt, dass sich der Horizont bei jeder Reise, egal in welche Richtung, nach hinten verschiebt, ein physikalisch-optischer, aber auch philosophischer Effekt. Und völlig unabhängig von dem, was man über das Leben in anderen Erdteilen weiß, man muss es anfassen und riechen, um zu begreifen, was Freddy Quinn meinte, als er sang „Alo-Ahe“, nämlich so viel wie: „Hallo?!“ Reisen ist auch im 21. Jahrhundert noch ein Abenteuer.“

    Diesen Text von Dieter Nuhr hab ich heute gefunden. Mir hat er sehr gut gefallen, er passt zu mir und auch zu euch und irgendwie sogar zu dieser Geschichte…

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Wie entsteht eigentlich ein Campervan?

von Daniel Schroth Lesedauer: 5 min
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