Es stinkt in Wai-o-Tapu!

Jan

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2015

07.01.2015 | Von Daniel Schroth | 3 Kommentare

Es stinkt in Wai-o-Tapu!

Schon auf unserer ersten Reise waren wir im Juni 2011 im Wai-O-Tapu Thermal Wonderland gewesen. Es liegt eine halbe Stunde südlich von Rotorua auf der Nordinsel Neuseelands. Ich erinnere mich vor allem an ein bestimmtes Foto vom damaligen Besuch, auf dem Marsi ihre Jacke schützend vor ihre Nase hält, um den Schwefelgeruch etwas abzumildern. Natürlich riecht es nicht angenehm, das muss ich zugeben. Man muss seinem Geruchssinn einfach einreden, dass Augen und Ohren jetzt das Sagen haben und der Geruch später schon wieder verschwinden wird.

Was ist das jetzt denn, dieses Wai-O-Tapu? Und wieso stinkt es dort so und wieso geht man freiwillig hin? Ich sehe die fragenden Gesichter schon vor mir. Der Zusatz “Thermal Wonderland” verrät, was es damit auf sich hat. Die Nordinsel Neuseelands ist ja bekannt für ihre Vulkane und die großen Gebiete mit geothermischer Aktivität. Hier in der Mitte der Insel ist es ein besonders aktives Gebiet. Unter der Erde brodelt es so sehr, dass sich der Druck hier und da einen Weg an die Oberfläche sucht.

Waiotapu kommt aus der Sprache der Māori und bedeutet “Heilige Wasser”. Für 32,50 NZD pro Person (gut 20 Euro) kommt man in den Genuss der vollen Dosis Blubberblasen, Dampf, Schwefel, krasser Farben und übler Gerüche. Jeden Morgen, pünktlich um Viertel nach zehn, wird der Lady-Knox-Geysir künstlich zur Eruption gebracht, doch dafür sind wir heute leider zu spät dran. Daran kann auch das Open Ticket nichts ändern, das uns auch später jederzeit den Besuch des Geysir-Spektakels ermöglichen würde. Marsi möchte nicht länger als unbedingt nötig im Schwefelduft verbringen.

Aber auch ganz ohne Geysir bietet Wai-O-Tapu eine Vielzahl an Attraktionen: dampfende Seen in schimmernden Farben, Schlammtümpel, kleine und große Krater in der Erde, aus denen weißer, übelriechender Dampf entweicht. Viele der Stationen haben Namen wie “Devil’s Home”, “Inferno Crater” und sonstige an Teufel, Hölle und Unterwelt erinnernde Begriffe und sind über 3 aneinandergereihte Rundwege einfach zu erreichen. Der Rat eines Mitarbeiters an Marsi, an zwischen den Fingern verriebenen Teebaumblättern zu schnüffeln, hilft nur wenig, so stark ist der Schwefelgeruch.

Die größte Attraktion ist aber eindeutig der gigantische Champagne Pool, ein bunter großer See mit über 60 m Tiefe. Das Wasser ist 75 Grad heiß und blubbert und dampft unaufhörlich vor sich hin, man kommt sich vor wie im Dampfbad beim Wellness. Der feuchte warme Nebel lässt das Objektiv der Kamera im Bruchteil einer Sekunde beschlagen und die gefühlte Temperatur um 20 Grad steigen. Sobald ein kräftiger Windstoß den heißen Dampf zerstreut, ist es für einige Augenblicke schlagartig wieder kühl und das beschlagene Objektiv wieder klar. Jetzt schnell Luft holen, bevor die nächste Dampfwolke kommt! Während der See selbst grün ist, ist der Rand des Sees unnatürlich orange gefärbt, was an einer Übersättigung des Wassers mit bestimmten Chemikalien liegt. Ein irres Erlebnis, das wir trotz des unausstehlichen Geruchs uneingeschränkt empfehlen können.

Auf dem Weg nach draußen kommen wir an unserem persönlichen Highlight vorbei, das uns 2011 schon sehr beeindruckt hat. Und das ganz ohne Dampf. Das Devil’s Bath, das Teufelsbad, ist ein kleiner See mit dem kräftigsten gelbgrün, das man sich nur vorstellen kann. Auch hier haben Chemikalien ihre Atome im Spiel, die Farbe ist natürlichen Ursprungs. Ein Bad nehmen wollten wir darin allerdings nicht, das darf wohl wirklich nur der Teufel.

Marsi reicht es, als wir wieder zu unserem Camper gehen. Nur ein paar Kilometer weiter liegen die Mud Pools, die Überreste eines Schlammvulkans. Der blassbraune See aus blubberndem Schlamm wäre gut für einen echten Zufallsgenerator, denn man weiß nie, an welcher Stelle die nächste Schlammexplosion stattfinden wird. Unaufhörlich gibt es kleine Eruptionen, ab und an aber rummst es richtig und an einer Stelle spritzt der Schlamm meterhoch nach oben. Natürlich hat man in diesem Moment weder Augen noch Kamera auf diese Stelle gerichtet.

Marsi ist froh, als wir das stinkende Wai-O-Tapu endlich wieder verlassen und weiter Richtung Süden fahren, wo das nächste Highlight auf uns wartet. Trotzdem sind wir froh, dass wir diese einzigartige Attraktion Neuseelands noch einmal besucht haben. Wir haben ein paar tolle Fotos von diesem grandiosen Ausflug mitgebracht:

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von Daniel Schroth Lesedauer: 3 min
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