Abel-Tasman-Nationalpark

Feb

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2015

04.02.2015 | Von Daniel Schroth | 6 Kommentare

Abel-Tasman-Nationalpark

Nachdem wir Picton verlassen haben, verbringen wir ein paar Tage in der 50.000-Einwohner-Stadt Nelson an der nördlichen Küste der Südinsel. Wir sehen die anglikanische Christ Church Cathedral am Rand der Innenstadt, die nach sagenhaften 47 Jahren Bauzeit 1972 eingeweiht wurde. Ein paar Schritte von der großen Freitreppe entfernt stehen wir vor dem Geschäft des Designers Jens Hansen, der den Ring für „Herr der Ringe“ entworfen und hergestellt hat.

Nur eine Stunde weiter liegt Motueka, wo wir auf einem kostenlosen Campingplatz übernachten und Bekanntschaft mit Michel und Edgar machen, beide etwas jünger als unser Dari. Die beiden sind jeweils mit ihren Eltern unterwegs und – wie sollte es anders sein, wenn man eine Familie mit einem jungen Kind in Neuseeland trifft – aus Deutschland, die Eltern in Elternzeit.

Nur ein paar Kilometer weiter liegt Kaiteriteri, das Tor zum Abel-Tasman-Nationalpark. Auf der einen Seite der Straße ist ein ansehnlicher Strand, auf der anderen gibt es ein paar Unterkünfte, einen Campingplatz und eine Handvoll Container. In diesen sind die Büros der Firmen, die Touren in den Nationalpark anbieten: zu Fuß, mit dem Boot, mit dem Kajak und wenn man ein bisschen sucht, vermutlich auch mit einem Wasserflugzeug oder Hubschrauber. Action und Bewegung, darauf ist man hier spezialisiert.

Marsi sammelt ein paar Broschüren der Anbieter, nach kurzer Zeit sind wir überfordert von den vielen Angeboten. Mehrtägige Touren können wir mit Dari nicht ohne Weiteres unternehmen, deswegen entscheiden wir uns für zwei kurze Touren, damit wir wenigstens ein bisschen Action haben.

Die erste Tour mache ich alleine, eine geführte Kajaktour zum Split Apple Rock. Es ist nicht mehr viel Zeit bis zum Start der Tour, am Strand aber erfahre ich, dass außer mir ohnehin erst ein Teilnehmer gebucht hat und ich problemlos mitkommen kann. In Rekordzeit ziehe ich mich um, bewaffne mich mit Sonnenbrille und Buff und esse noch einen Happen, damit ich die Anstrengung des Nachmittags auch überstehe. Kurz darauf bin ich am Strand, begrüße meine Mitfahrerin Caroline aus Deutschland und den sympathischen jungen Jeremy aus Kanada, der unser Guide sein wird.

Eine kurze Einweisung später sitze ich hinter Caroline in einem Doppelkajak und wir paddeln gemütlich ein paar Buchten nach Norden. Wir erreichen den Split Apple Rock viel früher als erwartet, vermutlich habe ich etwas zu schnell gepaddelt. Ein großer Granitfels wurde recht akkurat in der Mitte zerteilt und sieht aus wie ein in zwei Hälften gespaltener Apfel. Jeremy erzählt uns, wie es nach alten Maori-Mythen zu diesem Phänomen gekommen ist, schlussendlich aber hatte wohl doch eher die Natur ihre Kräfte im Spiel. Wir liegen eine Weile am Strand, trinken mitgebrachten Tee und essen Kekse und treten nach einer Stunde schon wieder den Rückweg an.

Um 16:00 Uhr sind wir schon wieder in Kaiteriteri am Strand. Der Split Apple Rock ist nett, mehr aber auch nicht. Die Tour mit dem Kajak ist alles andere als abenteuerlich und körperlich wahrlich nicht sehr anstrengend. Ich hatte gehofft, mich wenigstens ein bisschen verausgaben zu können. Abenteuerlich ist allerhöchstens der Preis für diese Tour: 80 NZD (ca. 52 Euro) kostet die Paddelei. Ich würde nächstes Mal vielleicht wieder eine Kajaktour buchen, dann aber sicherlich eine längere, vielleicht sogar mit Übernachtung.

Für den nächsten Tag haben wir uns mit dem Abel Tasman Sea Shuttle einen Discoverer Day gebucht. Die Tour verspricht eine Kombination aus Bootsausflug und Wanderung, es gibt eine Karte mit Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Boote unseres Tourenanbieters. Popular, stunning, famous, ultimate, scenic sind einige der Vokabeln, mit denen unser heutiger Ausflug in der Broschüre beschrieben wird, wir sind sehr gespannt! Der Wecker klingelt früh, wir frühstücken und stellen unseren Camper auf dem großen Parkplatz direkt hinter den vielen Containern ab und sind pünktlich um 9:00 Uhr auf dem Katamaran. Es gibt 2 Decks, Toiletten und einen kleinen Shop.

In 1:45 h fahren wir von Kaiteriteri bis ganz nach oben nach Totaranui, dort dreht das Boot um und fährt wieder zurück. Bis hierher haben wir schöne Strände vom Boot aus gesehen, den Split Apple Rock und ein paar Pelzrobben an einem Felsen. Eine Dreiviertelstunde später sind wir wieder in der Medlands Bay angekommen, wo wir aussteigen. Dari schläft am Strand noch eine halbe Stunde weiter, dann brechen wir auf zu unserer Wanderung durch den Nationalpark. Es geht zuerst für 2 km steil nach oben, dann haben wir den Weg erreicht, auf dem sich quasi alle bewegen, die im Abel-Tasman-Nationalpark einen Trek machen.

Nach gut 2 Stunden gemütlicher Wanderung erreichen wir die Torrent Bay. Zwischen Dutzenden Hinweisschildern, dass sich links und rechts des Wegs Privathäuser befinden und sich die Besitzer und Bewohner nicht über Wanderer auf ihren Grundstücken freuen, laufen wir bis zum südlichen Ende der Bucht. Wir haben Glück, es ist gerade Ebbe, das spart uns eine Stunde Umweg. Statt 5,6 km durch den Wald zu laufen, können wir 1,4 km durch den Bereich gehen, der bei Flut unter Wasser steht. Unsere Trekkingschuhe sind für diese Abkürzung aber überhaupt nicht geeignet, überall fließen zwischen Sand und den Milliarden Muscheln noch kleinere und größere Bäche des immer noch ablaufenden Meeres. Wir ziehen die Schuhe aus und fühlen uns fast wie an Deutschlands Nordküste im Watt, als wir bei jedem Schritt tief in den schlammigen Sand einsinken.

Um 15:00 Uhr erreichen wir den Strand von Anchorage, wo uns eines der Boote auf seinem Rückweg nach Kaiteriteri eine halbe Stunde später wieder einsammelt. Eine Stunde später steigen wir vom Katamaran und hatten … ja, was hatten wir eigentlich? Stunning, scenic, ultimate, wie es in der Broschüre steht? Nein, irgendwie nicht.

Die Wahrheit ist: Es war ein Bootsausflug, der nach einer halben Stunde schon recht öde wurde, gefolgt von einer wenig anstrengenden Wanderung durch den Wald an der Küste entlang. Dazu hatten wir mäßig gutes Wetter mit vielen Wolken. „Stunning“ ist irgendwie anders. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass wir auf unseren Reisen schon so viel Spektakuläres gesehen haben, dass uns der Discoverer Day nur wenig beeindruckt. Wenigstens geht der Preis für die Tour mit 76 NZD (knapp 50 Euro) pro Person deutlich in Richtung „ultimate“.

Falls du gerade in Neuseeland bist und auch die eine oder andere Wanderung planst, können wir dir das Buch von Steffi „Wandern in Neuseeland“ wärmstens empfehlen.

Trotzdem sind wir froh, dass wir hier gewesen sind. Wir haben ein paar schöne Fotos von unserer Zeit im Nationalpark mitgebracht:

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Comments (6)

  1. …wir können eurem Bericht nicht ganz zustimmen – das mag wohl am Wetter gelegen haben… Für uns war der Abel Tasman Park eins der Highlights der Reise! Dennis ist mit dem Kajak 4 Std lang los bis Anchorage (mit dem Wunsch, ähnlich wie du, sich endlich mal auszupowern, was DEFINITIV gelungen ist! Mann, war der alle am Abend ;-)), Jana und Moritz mit dem Water Taxi hinterher und Lunchtime gemeinsam am Strand bei absolutem Kaiserwetter, Flut, goldenem Strand und wahnsinnig türkisem Wasser! War das schön! Kurzwanderung zum Lookout, dann mit dem letzten Boot zurück ins Dorf. Ein toller, toller Tag, und laut Dennis wars die Kajaktour allemal wert 😉 so unterschiedlich kann mans erleben 😉
    Liebe Grüße aus Hamburg!

    1. Hallihallo liebe Reisegenossen!

      Am Wetter alleine lag es nicht, wir hatten zwar nicht immer Sonne, aber es war im Allgemeinen gut. Wir meinen einfach, dass zu viel Wirbel mit „beautiful“, „stunning“ und „once in your lifetime“ darum gemacht wird. Schön ist es, aber so spektakulär fanden wir’s einfach nicht. Dass ich die Weicheier-Kajaktour gemacht hab, ist natürlich mein Fehler. 😉

      Grüße vom Strand!
      Daniel

    1. Na aber Clivia! Ein Buff ist das essentielle ultimative flexible Reise-Utensil und sollte immer dabei sein, selbst in Rastatt auf der Straße!

      1. Mensch, Daniel, bei meinem natürlichen Kopfschmuck kommt mir weder im Sommer noch im Winter der Gedanke, etwas darüber zu ziehen! Aber jetzt, wo ich’s weiß, bin ich froh, dass ich meine Reisen auch ohne dieses Utensil überlebt habe.
        Bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit werde ich aber mal so’n Ding aufsetzen und dir dann gerne ein Foto schicken – und wehe, du lachst! 🙂

        1. Das sieht SUPER aus, egal bei wem und zu welcher Jahreszeit! Kannst gerne mal eines Probe tragen, wenn wir uns sehen.

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Abel-Tasman-Nationalpark

von Daniel Schroth Lesedauer: 5 min
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