10 Dinge, die die zweite Weltreise verändert hat

Jul

27

2015

27.07.2015 | Von Daniel Schroth | 5 Kommentare

10 Dinge, die die zweite Weltreise verändert hat

Auch unsere zweite Weltreise hat dafür gesorgt, dass wir die Welt mit anderen Augen sehen. Wir haben unterwegs viel Neues entdeckt und zu Hause vieles wiederentdeckt, das wir längst für selbstverständlich gehalten hatten. Hier stellen wir euch eine Auswahl vor: 10 Dinge, die die zweite Weltreise verändert hat.

1. Bubble Tea

Zugegeben, ich wusste vorher nicht, was Bubble Tea ist. In Singapur brachte unser Couchsurfing-Host eines Abends ein Getränk für jeden mit. Einen großen Plastikbecher mit einer milchig-beigen Flüssigkeit, versiegelt mit Plastikfolie, in der ein dicker Strohhalm steckte. Mit diesem trinkt man nicht nur die Flüssigkeit, sondern saugt vom Boden des Bechers kleine Kugeln aus einer glibbrigen Masse auf. Die Flüssigkeit ist meistens Tee, versetzt mit Zucker, Geschmacksstoffen und Milch. Die Kugeln bestehen aus Tapioka oder einer anderen Art Stärke und haben keinen Eigengeschmack.

Ich war sehr skeptisch und konnte kaum glauben, dass dieses Getränk schon seit den 1980er Jahren in Asien sehr populär ist. Einmal probiert, da war es passiert, süchtig nach Bubble Tea! In jedem danach bereisten asiatischen Land fanden wir dieses moderne Getränk, selbst in Laos. Mit weniger Zucker und ohne Milch kann es in der schwülen Sommerhitze richtig erfrischend sein.

Wer Bubble Tea noch nicht kennt: Unbedingt probieren!

2. Bordsteine? Völlig überflüssig!

Es fing gleich am ersten Tag unserer Reise an. In Dubai war es schon dunkel, wir wollten bei heißen 40 Grad einen abendlichen Ausflug zur Marina machen. Eine Mega-Baustelle kam uns in den Weg. Straßen und Gehwege hörten einfach auf, Bordsteine gab es nicht mehr oder noch nicht wieder. Überall wurde mit schwerem Gerät gebaggert, gebohrt und gehämmert. Wir haben Dari in seinem Kinderwagen die meiste Zeit getragen.

In Singapur, Australien und Neuseeland hatten wir keine Probleme, bis wir auf dem Rückweg wieder nach Südostasien kamen. In Bangkok mal schnell ein paar Hundert Meter mit Dari zum nächsten Straßenstand? Hier ist das Laufen auf den Bordsteinen schon ohne Kinderwagen nur etwas für Reisegruppen, die von einem Ärzteteam begleitet werden. 30 cm hohe Absätze, tellergroße Löcher, zerbrochene oder fehlende Bodenplatten, herausstehende Metallteile … die Liste ist endlos. Auch in Chiang Mai, Vientiane, Luang Prabang das gleiche Bild.

Wer zu Hause in Deutschland nochmal über Bordsteine meckert, wird nach Bangkok geschickt!

3. Zeit mit Darian

Nein, unsere zweite Weltreise war kein langer Urlaub. Mit einem Kind unterwegs zu sein und sich 24/7 darum zu kümmern, ist eine echte Herausforderung. Wir haben sie angenommen und dabei unglaublich viel über unseren Sohn erfahren. Wir haben gelernt, seine Bedürfnisse zu erkennen, seine Gestik und Mimik bis ins Detail zu deuten und wir haben herausgefunden, wie viel man einem Kleinkind an Reiseunternehmungen zumuten kann. Und wann er seine Ruhe braucht oder wann wir unsere Ruhe brauchen. Von diesen Erfahrungen profitieren wir jetzt, da wir spätestens seit unserer Rückkehr ganz entspannte Eltern sind, die nichts mehr so leicht aus der Ruhe bringen kann.

Während unserer Zeit unterwegs hat sich außerdem ganz automatisch ein respektvolles Verhältnis zu unserem Nachwuchs entwickelt, das uns während der nächsten Jahrzehnte begleiten wird, auch wenn Dari älter und mit jedem Tag ein bisschen selbständiger wird.

Gemeinsame Zeit als Familie ist später durch nichts zu ersetzen.

4. Getrennt schlafen

Damit meinen wir nicht, dass Dari in einem eigenen Kinderbett geschlafen hat. Das wäre schön gewesen. Vielmehr haben wir uns die Nächte während unserer 4 Monate im Campervan meist aufgeteilt: Eine/r von uns schlief mit Dari auf dem unteren Doppelbett mit dem Risiko, eine schlechte Nacht zu haben. Der/die andere verbrachte die Nacht alleine auf dem oberen Bett über der Fahrerkabine und wachte nicht ganz so oft auf.

Auch wenn das wenig romantisch klingt, hat es doch dafür gesorgt, dass jeder von uns mehr von der Reise hatte. Über die Zeit in Südostasien und die Nächte, die wir zu dritt in kleinen Hotelbetten verbringen mussten, wollen wir lieber nicht sprechen. Aber auch das haben wir gemeistert.

Spätestens mit der ersten Freundin wird Dari schon in sein eigenes Bett umziehen wollen.

5. Freiheit im Campervan

Wie reist man am besten mit Kleinkind? Pauschalreise mit Flug und Hotel? All-inclusive-Cluburlaub? Camping in Italien? Mit dem Auto in den Schwarzwald? Für uns steht fest: Mit dem Campervan zu reisen ist eine fantastische Art, ferne Länder stressfrei kennenzulernen. Zumindest die Länder, in denen man sich überhaupt traut, selbst ein Fahrzeug zu lenken. Australien und Neuseeland haben wir schon gesehen, Kanada steht ganz oben auf der Liste der Länder, die wir als nächstes besuchen wollen, vielleicht auch mal die USA.

Unabhängig und flexibel und trotzdem jeden Abend im selben Bett schlafen? Ein Campervan ist dafür perfekt!

6. Geld regiert die Welt

Das liebe Geld. Wir hatten mal ganz viel davon. Dann haben wir es ausgegeben. Und wieder gespart und wieder ausgegeben. Das hat nur geklappt, weil wir auf unnötige Dinge verzichtet haben. Auf den Reisen haben wir festgestellt, dass jeder auf der Welt immer zu wenig Geld hat und dass man mit allen Tricks versucht dafür zu sorgen, dass dies auch schnellstmöglich auf uns zutrifft.

Geld kann man verdienen. Deswegen macht es uns auch nichts aus, es auszugeben. Wir sehen es als Investition in unsere Zukunft, unser Geld in gemeinsame Reisen zu stecken.

Geld regiert die Welt. Genau da sollte man es auch ausgeben.

7. Deutschland ist nicht teuer

Wer meint, das Leben in Deutschland würde mit jedem Tag teurer und dass man mit dem mühsam verdienten Geld hierzulande nicht weit käme, der sollte einmal nach Australien gehen. Wir sprechen nicht von Mieten, Grundstückspreisen oder Neuwagen, sondern vom ganz alltäglichen Leben. Während Treibstoff deutlich günstiger ist als zu Hause, traf uns im Supermarkt regelmäßig der Preisschlag.

Ein schlabbeliges Toastbrot oder ein Liter Milch für 3 Dollar (ca. 2,10 Euro)? Da muss man schon zum Angebot greifen, damit man diesen Preis überhaupt bekommt. Ein Prepaid-Tarif fürs Handy mit Datenvolumen? Nur etwas für reiche Weltreisende. Ein Marken-Duschbad, das es bei uns für einen Euro gibt, kostet locker das Dreifache. Besonders gestaunt haben wir über den Preis einer Tüte mit 3 verschiedenfarbigen Paprikas, ein Standardprodukt bei uns und immer günstig zu bekommen. In Australien will man dafür 7 Dollar (ca. 5 Euro) haben.

Es wird Zeit, dass man einkaufen in Deutschland genießt.

8. Trinkwasser ist Luxus

Genau genommen könnte man in Deutschland sogar Wasser aus der Toilette trinken und es wäre noch gesünder als die Brühe aus dem Wasserhahn in den meisten Ländern dieser Welt. Viele Menschen wissen vermutlich gar nicht, was ein Wasserhahn ist. Wir hingegen duschen mit Trinkwasser, gießen unsere Blumen und waschen unsere Autos damit.

Auch die zweite Reise hat uns gelehrt, dass frisches Trinkwasser aus dem Wasserhahn ein Luxus ist, auf den wir stolz sein sollten. Es kostet übrigens fast nichts.

Wo bekommt man Luxus für fast kein Geld? Aus dem Wasserhahn!

9. Einfach mal entspannt sein

Das deutsche Volk ist im Ausland nicht gerade dafür bekannt, besonders entspannt zu sein. Stattdessen vermutet man, dass die Deutschen recht missmutig durchs Leben gehen und nur wenig haben, woran sie sich erfreuen können. Stattdessen haben sie immer etwas zu meckern. Dieses Bild besteht nicht ohne Grund.

Wir stellen nach der zweiten Reise erneut fest, dass es uns nicht mehr berührt, wenn sich Menschen an Kleinigkeiten aufhalten oder über Belanglosigkeiten diskutieren. Das ist einer der Gründe, warum der Fernseher bei uns ausgeschaltet bleibt. Wir wollen unsere Zeit nicht mit Sinnlosem verschwenden.

Tut was für den guten Ruf der Deutschen und genießt das Leben ein bisschen mehr!

10. Wir leben im Paradies

Das ist keine abgedroschene Floskel. Es ist die Wahrheit. Auch nach 2 Weltreisen wollten wir in keinem anderen Land leben als in Deutschland. Vielleicht mal für eine Weile im Ausland arbeiten. Aber Kinder großziehen? Arbeiten? Den Lebensabend verbringen? Wir könnten uns kein schöneres Land vorstellen.

Ein gutes Beispiel ist die Elternzeit- und Elterngeldregelung, mit der wir direkt zu tun hatten. Fragt doch mal eure Bekannten und Verwandten aus dem europäischen Ausland, wie für sie gesorgt wird, wenn Nachwuchs ansteht. Man muss gar nicht allzu weit in die Ferne schweifen, um festzustellen, wie vorbildlich das hierzulande gelöst wurde. Ihr werdet Augen und Ohren machen.

Woanders ist es auch nicht besser, sagen manche. Wir meinen: Hier ist es am besten!

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Comments (5)

  1. Tolles ding, ich bin selten von zuhause weg gekommen und sehe das was ihr geschrieben habt trotzdem genauso. Hut ab!

    1. Hi Deffi!

      „Hut ab“ können wir nur zurückgeben! Wir haben oft das Gefühl, dass viel zu wenige in der Heimat das genauso sehen, weil man es ja nicht anders kennt. Umso besser, wenn es jemand erkennt, der nicht so weitgereist ist.

      Grüße,
      Daniel

  2. Der Artikel von euch ist wirklich super! Und alles, was ihr geschrieben habt, haben wir ähnlich erlebt. Erst in der Ferne erkennt man, was man am eigenen Leben in Deutschland hat. Kann den Artikel nur wärmstens emfehlen und bin absolut eurer Meinung in allen Punkten.

    LG

    Christine

    1. Vielen Dank Christine! Wir durften die meisten Erfahrungen ja inzwischen schon zweimal machen und sind uns sicher, dass jeder ähnlich denken wird, wenn er nur mal für lang genug von der Heimat entfernt war.

      Daniel

  3. Ein toller Artikel, für mich mit ein Grund, auf Reisen zu gehen. Denn die Ferne drückt einem – je nach Bedarf – eine Lupe oder ein Fernglas in die Hand und serviert damit ein paar andere Perspektiven, für die man zuhause gar nicht den Blick hat.

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10 Dinge, die die zweite Weltreise verändert hat

von Daniel Schroth Lesedauer: 6 min
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