Australien, Teil 2

Apr

21

2011

21.04.2011 | Von Daniel Schroth | Keine Kommentare

Australien, Teil 2

Wir machen weiter bei Tag 16. Wir sind bisher von Brisbane bis Airlie Beach nach Norden gefahren und wieder zurück nach Brisbane auf einer anderen Route. Jetzt machen wir uns auf nach Süden, haben im Lone Pine Koala Sanctuary endlich eine befriedigende Menge Kängurus und Koalas gesehen uns sind in Helensvale an der Gold Coast.

Tag 16

Was für ein Unterschied an diesem Morgen! Wir sehen kaum Wolken, die Sonne ist wieder bei uns. Wir fahren nach dem Frühstück nach Burleigh Heads, parken unsere Gabi und machen einen Spaziergang im winzigen Nationalpark, der um das Kap herumführt. Wir sehen gleich, dass die Gold Coast das Paradies für Surfer ist, hier genießen sie in Schwärmen die hohen Wellen. Man könnte es hier aushalten, denn am Strand gibt es saubere Toiletten und Duschen, kochendes Wasser und natürlich ein BBQ. Viel mehr braucht man für eine Nacht eigentlich nicht.

Aber wir fahren weiter zu Surfers Paradise nach Norden, nur ein paar Kilometer. Die vielen Hochhäuser hier haben wir schon aus der Ferne gesehen, es sind hauptsächlich teurere Hotels. Der Strand ist wirklich toll, ewig lang und schön sandig. Auch hier wird Sicherheit groß geschrieben, denn ein entfernter Verwandter von David Hasselhoff beobachtet die ganze Zeit die Schwimmer und Surfer von seinem Turm aus, um im Notfall einzugreifen.

Noch etwas weiter nördlich liegt „The Spit“, eine kleine Landspitze auf einer spitzen Halbinsel. Ein kleiner Weg führt uns bei untergehender Sonne zum Leuchtturm weit draußen. Hier würden wir gerne die nächste Nacht verbringen, aber Schilder verbieten uns das Camping hier draußen, zu schade. Stattdessen buchen wir uns auf dem nächsten Zeltplatz ein und machen uns bereit für den Abend. Wir treffen Martha, die mit ihrem Mann auf Hope Island lebt. Martha ist eine ehemalige Kollegin der Mutter einer Freundin von Marsi. Wir kennen sie nicht, aber sie hat uns zum Essen eingeladen, dank Facebook und den Vermittlungen von Marsis Freundin (Danke, Sherry!). Wir verbringen einen richtig gemütlichen Abend bei den beiden, essen fantastisches BBQ und sind erst gegen Mitternacht mit unserer Gabi wieder auf dem Zeltplatz.

Tag 17

Der Morgen beginnt, wie soll es anders sein, mit Regen. Zur Frühstückszeit hört es glücklicherweise auf. Wir fahren nach Currumbin, Marsi möchte unbedingt einen Kite-Surfing-Kurs machen und hier soll es eine Schule geben. Doch leider sind die Preise so hoch, dass unser Budget das nicht lustig finden würde. Ein paar Kilometer weiter haben wir wieder gutes Wetter, wir besuchen Tweed Heads. Mitten durch den Aussichtspunkt weit oben verläuft die Grenze zwischen Queensland (im Norden) und New South Wales (im Süden). Wir haben eine fantastische Idee, die vor uns ganz bestimmt noch kein anderer hatte: Ich stehe mit einem Bein in Queensland und mit dem anderen in New South Wales. Davon machen wir ein Foto. Damit habe ich an diesem Tag zufällig auch noch zwei verschiedene Zeitzonen in mir, denn NSW ist durch die Sommerzeit eine Stunde voraus, zumindest noch an diesem und am nächsten Tag.

Abends gibt es auf dem Zeltplatz in unmittelbarer Nähe des Flughafens von Gold Coast leckeres rotes Marsi-Thai-Curry zum Lärm der landenden und startenden Flieger.

Tag 18

Bereits um 7:00 Uhr überfliegt uns der erste Jet und weckt uns auf. Wir frühstücken und fahren nach Coolangatta, wo wir unseren Strandspaziergang bei schönstem Wetter genießen. Gleich nebenan liegt der Aussichtspunkt Point Danger, wir haben einen guten Blick auf den kilometerlangen Strand und den ewig entfernten Horizont.

Auf dem Weg nach Süden kommen wir an einem Schild vorbei, das uns sagt, dass es hier den höchsten Berg der Gegend gibt, den Mount Warning. Da müssen wir natürlich hin! Eine kleine Straße führt uns nach oben, sie wird immer enger und steiler und Gabi findet das überhaupt nicht lustig. Wir parken beim höchsten Punkt und stellen fest, dass man von hier aus noch eine Tagestour zu Fuß zum Gipfel machen muss, nichts für uns, denn so viel Zeit haben wir nicht. Dafür haben wir ein anderes Problem: Gabi raucht. Und sie klopft von vorne aus der Motorhaube. Wir haben ihr wohl etwas zu viel zugemutet auf dem Weg nach oben und jetzt möchte sie uns sagen, dass sie Durst hat. Denn als wir die Motorhaube öffnen und der Rauch nach ein paar Minuten weniger wird, sehen wir, dass kein Kühlwasser mehr da ist. Der Behälter ist leer. Wir nehmen einen unserer Kanister und stillen Gabis Durst, sie trinkt mindestens 4 Liter!

Vorsichtig fahren wir wieder nach unten, Gabi geht es schon gleich besser. Etwas später erreichen wir Nimbin. In dieser Stadt scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, wir fühlen uns wie in den frühen 70ern, obwohl wir beide diese Zeit natürlich gar nicht erlebt haben. Die vielen Geschäfte der Stadt konzentrieren sich auf die Hauptstraße, wir finden hier zum Beispiel die “Hemp Embassy” (Hanf-Botschaft) und “Bringabong” (statt Billabong). Einige Shops verkaufen Klamotten und Souvenirs aus Nepal, die wir sofort wiedererkennen. Auf der Straße wird mir Dope angeboten, die knapp bekleidete Dame hat kein Verständnis dafür, dass wir nicht auf Drogen stehen. Allem Anschein nach hatte sie selbst schon etwas zu viel davon an diesem Tag gehabt. Hier leben aber tatsächlich auch „normale“ Menschen und die Polizei, die drückt beide Augen zu.

Wir fahren zurück zur Küste und übernachten in Broken Head, wo wir nach ein paar guten Pfannkuchen bei laut auf Gabis Dach prasselnden Regentropfen einschlafen.

Tag 19

Aus dem geplanten Strandtag wird nichts. Es regnet bis 9:00 Uhr durch, alles ist nass und wir beschließen weiterzufahren. Wir machen einen kurzen Abstecher nach Norden und besuchen Byron Bay. Am langen Strand ist morgens kaum jemand unterwegs, wir fahren weiter zum Aussichtspunkt nach oben. Die Parkgebühren von 7 AUD (5,15 Euro) pro Stunde sparen wir natürlich, indem wir weiter unten parken und ein paar Hundert Meter laufen. Wir laufen an dem schneeweißen, im Jahr 1901 erbauten Leuchtturm vorbei und weiter auf die Landspitze, wo wir am östlichsten Punkt des australischen Festlands stehen. Unten sehen wir ein paar Delfine, ringsum ist nicht viel mehr als tiefblaues Wasser bis zum Horizont.

Heute wollen wir es noch bis zum Waterfall Way schaffen. Von einem kleinen Küstenort startet die Straße nach Westen und wurde auf diesen Namen getauft, weil man alle paar Kilometer Wasserfälle sehen kann. Wir befinden uns noch weit nördlich von dieser Küstenstadt und fahren südwestlich auf einer Abkürzung direkt Richtung Armidale, um Zeit und Weg zu sparen. Weg sparen wir bestimmt, Zeit aber nicht. Wir haben die Rechnung ohne die Berge gemacht und die vielen Serpentinen, die uns über einen Pass führen, der mit 1500 m für hiesige Verhältnisse sehr hoch liegt. Teilweise sehen wir für eine halbe Stunde lang kein anderes Auto, so wenig befahren ist diese kleine Straße.

Auf dem Weg kommen wir an einem Platz vorbei, wo gut 10 Briefkästen stehen. Überhaupt werden Briefkästen hier immer vorne an der Straße angebracht, damit der Postbote nicht die vielen Kilometer bis zum Haupthaus der riesigen Farmen laufen muss. Die Briefkästen hier sind aber die originellsten, die wir je gesehen haben: vorne ein altes Ölfass, nebenan ein Ofen und weiter hinten eine Mikrowelle müssen dafür herhalten.

Bei Ebor treffen wir endlich auf den eigentlichen Waterfall Way, die Straße wird besser und wir erreichen Wollomombi und biegen in den Oxley-Wild-Rivers-Nationalpark ein, wo wir uns für die nächste Nacht den „Green Gully Campground“ ausgesucht haben.

Es ist gerade noch hell, als wir nach 320 km Fahrt an diesem Tag ankommen. Zu unserer Überraschung finden wir hier keine Rezeption, nicht mal einen Mitarbeiter. Die günstigen 6 AUD (4,40 Euro) bezahlt man, indem man das Geld in einen kleinen Umschlag steckt, in einen abgeschlossenen Briefkasten wirft und zur Kontrolle einen Abrissstreifen am Zelt oder am Auto gut sichtbar anbringt. Außer uns sind nicht viele Gäste hier, in der Mitte gibt es ein Bio-Toilettenhäuschen, ohne Spülung und Chemie zersetzen Bakterien alles, was durch die Öffnung nach unten fällt. Wir suchen uns einen einsamen Platz, Marsi besorgt Feuerholz und wir haben den wohl schönsten Camping-Abend während unserer Zeit in Australien. Um uns nur Gebüsch und Wald, außer zwitschernden Vögeln hören wir nichts, wir sitzen am kleinen Lagerfeuer, wärmen uns die Füße und sehen über uns das Kreuz des Südens am sternklaren Nachthimmel.

Tag 20

Bei sonnigem Wetter nehme ich eine Kanisterdusche. Hier gibt es kein fließendes Wasser, wir haben aber noch ein bisschen dabei. Bei knapp 15 Grad und sonnigem Wetter stellen wir den Kanister auf Gabis Dach, Marsi pumpt, ich dusche. Fantastisch, aber saukalt! Wir fahren zu den Wollomombi Falls, sehen auf einem kurzen Spaziergang ein paar Wallabies und den hohen Wasserfall, der ins Tal hinunterstürzt. Kurz darauf sind wir wieder auf dem Waterfall Way, den wir jetzt Richtung Osten zurück zur Küste fahren. Auf halber Strecke sehen wir die beeindruckenden, zweistufigen Ebor Falls, etwas später bei Dorrigo die Dangar Falls.

Genug Wasserfälle für heute, wir sind froh, dass wir diesen Tag bei herrlichem Wetter genießen konnten und fahren an der Küstenstraße bis nach Port Macquarie, wo wir zum ersten Mal erleben, dass Zeltplätze auch ausgebucht sein können. Erst der dritte hat einen freien Stellplatz für uns. Die Stadt wirkt schon am frühen Abend verlassen, wir haben Mühe, einen Supermarkt zu finden, der um kurz vor 19:00 Uhr noch geöffnet ist. Es gibt BBQ, Marsi brät sich ein ordentliches Rumpsteak, ich esse ein paar Hackfleischröllchen, während es wieder anfängt zu regnen.

Tag 21

Der Regen vom Vorabend hört auch am Morgen nicht auf. Wir lassen die Besichtigung von Port Macquarie wegen des schlechten Wetters aus und fahren weiter nach Süden Richtung Sydney. Auch weitere Städte auf dem Weg wollen wir nicht besichtigen, weil es bei Regen einfach keinen Spaß macht. Stattdessen fahren wir Sydney von Norden an, lassen die Stadt links liegen, navigieren meisterhaft durch die vielen Vororte Richtung Westen, ohne eine der vielen kostenpflichtigen Toll Roads zu benutzen.

Am späten Nachmittag sind wir auf dem Weg nach Westen in die Blue Mountains. Kurz vor Lithgow biegen wir zum Lake Lyell ab und checken in einem kleinen gemütlichen Campground ein. Wir haben freie Auswahl und entscheiden uns für einen Platz direkt unten am See, der Wind pfeift uns ordentlich um die Ohren und es ist mit knapp 12 Grad erstaunlich kühl. Nach 545 km Fahrt an diesem Tag haben wir uns das Abendessen wirklich verdient. Wir stellen Gabi gegen den Wind, so dass wir wenigstens ein bisschen geschützt sind und packen zum ersten Mal in Australien unsere warmen Schlafsäcke aus.

Tag 22

Es ist windig und kalt am See. Für 40 Cent (0,30 Euro) gibt es 4 Minuten Dusche, wir schaffen es aber nur an diesem Morgen, dass auch ich (ich bin als Zweiter dran ist) mich vollständig abwaschen kann, bevor die 4 Minuten um sind. Wenigstens ist das Wasser richtig schön heiß. In Lithgow finden wir eine Wäscherei, es ist mal wieder Zeit, unsere Kleider und vor allem die Mikrofaser-Handtücher zu waschen. Während die Wäsche in der Maschine ist, gehen wir gegenüber zum Friseur. Wir holen unsere Wäsche ab, unterhalten uns lange mit der Besitzerin der Wäscherei, gehen noch etwas einkaufen und fahren zurück zum See.

Hier treffen wir Ricarda und Torsten, sie sind der Grund, warum wir ausgerechnet zu diesem Zeltplatz gefahren sind. Ricarda ist die Schwester eines guten Freunds, die mit ihrem Mann seit über 10 Jahren bei Sydney lebt. Auch wenn wir uns nicht wirklich gut kennen, liegt es doch nah, sich in Australien mal zu treffen. Die beiden sind bestens ausgestattet, haben einen kleinen aber feinen Wohnwagen dabei und ein Boot auf dem Dach ihres Kombis. Wir staunen, als Torsten uns erzählt, dass er beides selbst gebaut hat. Begleitet werden sie von Lilli, ihrem kleinen quirligen Hund. Marsi kocht ein gutes Thai-Curry zum Abendessen, beim Lagerfeuer wärmen wir uns die Füße und haben endlich mal wieder jemanden, mit dem wir stundenlang in unserer Sprache reden können.

Tag 23

Wie schon erwähnt, habe ich an diesem Morgen weniger Glück mit der Dusche als sonst. Die untere Hälfte ist noch mit Seife bedeckt, als das warme Wasser nach 4 Minuten einfach aufhört. Nichts, was unsere guten Handtücher nicht mal eben wegtrocknen könnten!

Wir fahren mit Ricarda, Torsten und Lilli zum Hassans Walls Lookout in Lithgow und gehen die letzten 3 km zu Fuß nach oben. Hier finden wir bizarre Felsformationen und einen Ausblick auf das riesige Tal, das uns umgibt. Wir gehen einkaufen und verbringen den restlichen Tag zu fünft mit Kaffeetrinken, nach dem Abendessen sitzen wir beim Feuer und kriechen dann in unsere Schlafsäcke.

Tag 24

Es ist gutes Wetter! Ein paar harmlose Wolken am Himmel, aber weitgehend blau! Heute machen wir zu zweit einen Ausflug in die Blue Mountains. Wir fahren nach Katoomba und laufen den ausgetretenen Touristenpfad entlang. Nach einem ersten Blick auf die beeindrucken Felsen Three Sisters fahren wir mit dem Skyway über eine 600 m tiefe Schlucht, wir sehen die Katoomba Falls von weit oben den Berg hinunterstürzen. Mit der steilsten Bergbahn der Welt fahren wir nach unten ins Tal, einen kleinen Spaziergang im Regenwald später fahren wir in einer großen Gondel wieder nach oben. Das Wetter ist noch besser geworden, als wir auf dem Rückweg nochmal an den Three Sisters vorbeikommen. Auf dem Rückweg schauen wir noch bei den Wentworth Falls vorbei, denn in Wentworth gibt es einen deutschen Bäcker. Wir kaufen ein Brot und 4 echte deutsche Brezeln.

Am frühen Abend sind wir wieder bei Ricarda und Torsten am See, die Brezeln schmecken erstklassig. Am Abend zeigt das Thermometer 6 Grad an, während wir wie immer am Feuer sitzen und die Füße Richtung Glut strecken.

Tag 25

Wir verlassen den See und die Blue Mountains, verabschieden uns von Ricarda, Torsten und Lilli und fahren auf dem Rückweg nach Sydney nochmal in der Bäckerei vorbei. In Penrith machen wir einen Shopping-Stop, meine Crocs aus Thailand sind inzwischen so ausgelatscht, dass dringend neue her müssen. Dieses Mal gibt es die Originale, die mit 50 AUD (36 Euro) nur ungefähr 10 Mal so teuer sind wie die gefälschten aus Thailand. Unterwegs suchen wir einen Zeltplatz für die nächsten beiden Tage in Sydney. Wir entscheiden uns für einen Platz im Norden, umfahren wieder gekonnt alle kostenpflichtigen Autobahnen und erreichen North Narrabeen gegen 16:30 Uhr.

Wir haben einen Stellplatz mittendrin und fühlen uns wie im Kindergarten, denn ringsum sind fast nur Familien mit kleinen und größeren Kindern. Aber nach dem Abendessen sind diese glücklicherweise im Bett, sodass wir eine ruhige Nacht haben.

Tag 26

Sagte ich tatsächlich “ruhige Nacht”? Der Tag beginnt um 5:00 Uhr, als eine Horde Kakadus von Baum zu Baum fliegt und ein unglaubliches Gekreische veranstaltet. Ab 6:30 Uhr kommen die Nachbarskinder dazu, spätestens jetzt wollen wir ohnehin nicht mehr liegenbleiben. Wir schauen bei sonnigem Wetter das Meerwasser-Schwimmbad am Strand an, während wir auf den Bus warten, der uns in einer halben Stunde nach Manly bringt. Von dort aus nehmen wir die Fähre Richtung Sydney, während der Fahrt ziehen Wolken auf. Die Fähre biegt um die Ecke und wir haben einen ersten Blick auf das berühmte Opernhaus und die Harbour Bridge. Wir steigen beim Circular Quay aus und stellen fest, dass heute in Sydney ein Triathlon stattfindet. Viele Straßen sind gesperrt, wir kommen gerade rechtzeitig nachdem wir die Oper umrundet haben in den botanischen Garten, um den Start der „Elite Men“ zu sehen. Nacheinander werden die Teilnehmer aufgerufen, viele der Weltbesten sind dabei. Nach 2 Runden Schwimmen in der Bucht steigen sie auf ihre Fahrräder.

Wir gehen an den abgesperrten Straßen vorbei und sehen die Triathleten mit abartiger Geschwindigkeit an uns vorbeiradeln, als es anfängt zu regnen. Wir haben sowohl feste Schuhe als auch Jacken auf dem Zeltplatz gelassen, weil wir damit nicht gerechnet hatten. Beim Hyde Park stellen wir uns unter einen Baum und schauen den Radfahrern zu. Ausgerechnet an dieser Stelle ist eine so scharfe Kurve in der Strecke, dass wir Zeuge werden, wie viele Athleten mit ihren Rädern auf der nassen Straße rutschen und hinfallen. Einige verletzen sich ernsthaft und geben auf.

Wir laufen etwas weiter und geben die Hoffnung auf besseres Wetter bald auf. Inzwischen regnet es heftig und ununterbrochen, außerdem ist es kalt geworden. Wir drücken uns eine Stunde bei McDonald’s herum, hier ist es etwas wärmer und es gibt Internet. Als es dunkel wird, nehmen wir die U-Bahn zurück zu Circular Quay, die Fähre nach Manly und von dort den Bus zur Campsite. Beim Abendessen nieselt es immer noch.

Tag 27

In Malaysia haben wir Maaike und Eric kennengelernt, zwei lustige Holländer, die ungefähr die gleiche Route auf ihrer Weltreise haben wie wir. Heute wollen wir sie im Alpine Nationalpark treffen. Wir haben nur noch wenige Tage, bis unser Flug von Melbourne auf die Fidschis geht, sodass wir beschließen, die weite Strecke von Sydney zum Nationalpark an einem Tag zu fahren. So haben wir einen ganzen Tag mit den beiden und immer noch genug Zeit in Melbourne für eine Stadtbesichtugung, nachdem uns der Regen Sydney ordentlich vermasselt hat.

Ich nutze die Zeit im Auto und tippe alle OZ-Basics-Artikel an einem Stück, während Marsi auf dem Highway fährt. Erst abends kommen wir in Albury an, von wo aus wir noch weitere 100 km in Richtung Mount Buffalo fahren müssen, bis wir gegen 21:00 Uhr endlich auf dem Zeltplatz ankommen. Maaike und Eric hatten uns schon aufgegeben und nicht mehr damit gerechnet, dass wir es heute schaffen würden. Aber da sind wir! Nach 670 km Fahrt an einem einzigen Tag. Es ist kalt hier, Eric macht ein Feuer und wir sitzen gemütlich und tauschen uns über die letzten Wochen aus.

Tag 28

Früh morgens beginnt es zu regnen, war ja klar. Wir fahren mitsamt Gabi zur Camp Kitchen und frühstücken ausgiebig. Was macht man an einem Regentag mitten in den Bergen? Eine Wanderung durch den Matsch? Einen Ausflug auf einen Gipfel, um die Wolken von weiter oben zu sehen? Wir entscheiden uns, nach Bright zu fahren. Ein paar Kilometer entfernt liegt die kleine gemütliche Stadt, wir trotzen dem Regen in der gut besuchten Tourist Information und informieren uns darüber, was wir heute alles nicht sehen wollen, weil es immer noch regnet.

Zu viert laufen wir durch die vielen Shops an der Hauptstraße, gehen unser Abendessen einkaufen und fahren zurück zur Campsite. Für 2 Stunden hatten wir keinen Regen, aber dann fängt es nochmal richtig ordentlich an. Wir lassen es uns aber richtig gutgehen, sitzen bei kühlen 15 Grad in der überdachten Küche und zaubern ein Gourmet-Menu. Marsi backt ein frisches Brot im Gasofen, ich verarbeite endlich den Kürbis, den ich vor Wochen gekauft habe, zu einer Kürbissuppe. Als Vorspeise gibt es einen Happen Pizza für jeden, zum Hauptgang BBQ.

Als später, in einer regenfreien Stunde, das Lagerfeuer endlich brennt, spüren wir schon wieder die Tropfen von oben und gehen lieber ins Bett.

Tag 29

Wir verlassen die Berge schon wieder, verabschieden uns von Maaike und Eric und fahren die restlichen 200 Kilometer bis nach Melbourne. Es regnet immer mal wieder. Im Norden der Stadt finden wir einen Zeltplatz, von dem aus wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln einfach die Innenstadt erreichen können. Es ist kalt und immer noch nass, wir verbringen den restlichen Abend im TV Room. Ich tippe Artikel, Marsi sieht fern auf einem riesig großen Fernseher.

Tag 30

Wolkig beginnt unser Tag, wenigstens ohne Regen. Um die Mittagszeit sehen wir Stellen mit blauem Himmel, wir nehmen Bus und Tram in die Innenstadt von Melbourne und verbringen einen überraschend guten Nachmittag mit einer Stadtrundfahrt und mit Schlendern rund um den Fluss, der die City durchquert. Es ist sonnig und warm, wir können im T-Shirt laufen, ohne zu frieren.

Uns fällt auf, dass Melbourne enorm viel für den Tourismus tut. Es gibt eine kleine Tram durch die Stadt und einen Stadtrundfahrt-Shuttlebus, der die wichtigsten Sehenswürdigkeiten anfährt. Man kann nach Belieben ein- und aussteigen und bezahlt nichts dafür. Melbourne gefällt uns außerordentlich gut, zumindest das, was man an einem Tag sehen kann.

Tag 31

Heute ist unser letzter Tag mit Gabi! Für viele Tage und Nächte war sie Transportmittel, Regenschutz, Unterkunft, Stauraum für unser Gepäck, gemütliches Bett und allzeit eine treue Gefährtin. Da wir es uns in Gabi gemütlich gemacht hatten, müssen wir an diesem Morgen sämtliches Gepäck ausräumen, sortieren und neu in unsere Rucksäcke verpacken. Wir wollen schon jetzt alles in meinen Rucksack packen, was wir auf den Fidschis nicht brauchen werden, also dicke Kleidung, Schlafsäcke und das Camping-Equipment, das wir erst in Neuseeland wieder benötigen.

Am Nachmittag erreichen wir das Spaceships-Büro, trennen uns schweren Herzens von Gabi und lassen uns von einem Mitarbeiter zum nächsten Bahnhof fahren. Da stehen wir, nach über 4 Wochen wieder ohne Gabi, jeder einen großen Rucksack hinten und einen kleinen vorne, ich trage noch meine Gitarre in der Hand. Ein wirklich seltsames Gefühl, wir brauchen eine ganze Weile, um uns daran zu gewöhnen.

Wir fahren mit dem Zug nach Southern Cross und nehmen die Tram Richtung Süden, gegen 17:00 Uhr erreichen wir Frankston. Hier holt uns Nadja ab, kurz darauf sind wir in der geräumigen Wohnung, die sie mit ihrem Freund Mark bewohnt. Nadja ist die ehemalige Mitbewohnerin einer Ex-Kollegin von Marsi, genau genommen von der Kollegin, die uns Bruno geschenkt hat. Die beiden haben uns ein Quartier für unserer letzte Nacht in Australien angeboten, was wir dankend annehmen. Zum Abendessen gibt es frischen Salat und BBQ, danach Nadjas selbstgebackenen Apfelkuchen. Wir schlafen seit Wochen endlich wieder in einem Bett, wo ich mir nicht regelmäßig den Kopf am DVD-Player anschlage, wenn ich aufstehe und Marsi sich nicht beschwert, warum sie so wenig Platz hat.

Tag 32

Wir müssen früh aufstehen, bekommen von Nadja Pfannkuchen zum Frühstück. Die beiden fahren uns zum Flughafen in Melbourne, wir sind wirklich froh, dass unsere letzte Nacht so unkompliziert ablaufen kann, ohne Hotelsuche und Zug und Bus. Durch unsere Einkäufe in Australien ist das Gewicht unserer Rucksäcke deutlich gestiegen. Mein großer Rucksack wiegt zwar nur 17 kg, Marsis hingegen spricht mit 22 schon eine ganz andere Sprache. Wir geben unser Gepäck auf, gehen durch die Passkontrolle und starten pünktlich um 13:00 Uhr in Richtung Fidschis.

Und jetzt?

Das war’s mit Australien! Einen Monat lang völlig anderes Reisen als sonst, denn so vieles war anders als in der ersten Hälfte unserer Weltreise. Wir hatten mit Gabi ein eigenes Transportmittel und einen ständigen Schlafplatz, teilweise wirklich Pech mit dem Wetter und konnten ein paar Freunde und Freunde von Freunden von Verwandten von Ex-Kollegen treffen, wir haben über 6000 km zurückgelegt und so vieles gesehen. Aber wir mussten oder wollten auch einiges auslassen, weil es bei schlechtem Wetter einfach keinen Spaß macht. Wir haben Koalas, Possums, Wallabies und Kängurus gesehen und zum Glück kein einziges davon überfahren. Die unendliche Weite der Nationalparks und der vielen Farmen in Queensland hat uns beeindruckt.

Australien hat uns also richtig gut gefallen, auch wenn wir in der kurzen Zeit auch nur einen wirklich kleinen Teil des Landes sehen konnten. Wir wissen jetzt, wie das Camperleben ist und dass wir auch damit bestens zurechtkommen.

Jetzt werden wir auf den Fidschis 2 Wochen lang alle Viere von uns strecken und danach für 6 Wochen das herbstliche Neuseeland bereisen. Schlechtes Wetter kann uns nichts mehr anhaben, denn wir werden einen großen Camper haben, in dem wir Regentage auch mal ohne Camp Kitchen oder TV Room absitzen können. Ob wir mit dem 7-Meter-Schiff und Schaltgetriebe klarkommen, werdet ihr bald lesen.

Für alle, die nun Lust bekommen haben, Down-Under-Luft zu schnuppern, ob im Camper oder nicht, sei die Webseite www.in-australien.com ans Herz gelegt. Sie ist ein ausführlicher Reiseführer und Ratgeber zum Thema Australien. Hier findet ihr alle Infos, angefangen bei Visum und Reisevorbereitungen über Sehenswürdigkeiten, Flora & Fauna bis zu Work & Travel.

Hier findet ihr den zweiten Teil unserer Fotos aus Australien:

Wir freuen uns über Deinen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind gekennzeichnet mit *.

Australien, Teil 2

von Daniel Schroth Lesedauer: 19 min
0