Geotagging von Fotos – ganz einfach!

In diesem Artikel nehmen wir euch mit auf einen Ausflug zur technischen Seite der Fotografie. Wir als Informatiker haben vielleicht hier und da einen kleinen Wissensvorsprung, fürs Geokodieren (auf Englisch: Geotagging) von Fotos braucht man aber nicht allzu viel technischen Hintergrund. Was euch an Wissen fehlt, vermitteln wir in diesem Artikel. Am Schluss werdet ihr staunen und sagen: Ach, so einfach geht das!

Geokodierung: Braucht man das wirklich?

Die erste Frage lautet: Ist es wichtig zu wissen, an welchem Ort man ein Foto aufgenommen hat? Wer diese Frage mit Nein beantwortet, muss diesen Artikel gar nicht lesen.

Die zweite Frage ist interessanter: Warum ist es wichtig zu wissen, an welchem Ort man ein Foto aufgenommen hat? Antworten gibt es viele: Neugier, Spaß an der Technik, Dokumentation, Archivierung. Uns motiviert die Tatsache, dass wir durch Geokodierung auch Jahre später noch feststellen können, an welchem Ort wir welches Foto aufgenommen haben.

Ein Schritt weiter

Wenn man die Geokodierung „richtig“ betreibt, bietet sie neben der simplen Zuordnung eines Fotos zu einem Ort noch andere Vorteile, an die man zunächst gar nicht denkt:

  • Aufzeichnung von Tracks: Zu welcher Zeit war ich an welchem Ort, auch wenn ich gar kein Foto gemacht habe?
  • Distanzen: Welche Strecken habe ich zurückgelegt?
  • Aufbereitung und grafische Darstellung von Reiserouten: Welche Route hatten wir auf unserer Reise und wie kann ich sie visualisieren?
  • Kontrolle: Um wie viel weicht die tatsächlich gefahrene Route von der geplanten ab?

Mit „richtig“ meine ich, dass man nicht nur seine Fotos während der Aufnahme mit Koordinaten versieht. In den Stunden ohne Fotos fehlt nämlich die Information, an komplett fotofreien Tagen weiß man vielleicht überhaupt nicht mehr, wo man sich bewegt hat. Sollte die GPS-fähige Kamera einmal abhanden kommen oder nicht mehr funktionieren, ist nicht nur der materielle Schaden groß.

Stattdessen – und da sind wir beim „richtig“ von oben – kann man ganz unabhängig vom Fotografieren seinen Weg in beliebiger Genauigkeit aufzeichnen, man hat also zunächst viel mehr Informationen als man für die Geokodierung seiner Fotos benötigt. Es ist aber einfach, für die Fotos die nötigen Informationen aus den Daten zu extrahieren und gleichzeitig von den zusätzlichen Vorteilen zu profitieren.

Wer sich jetzt fragt, ob er tatsächlich GPS-Koordinaten in seinen Fotos braucht und ob die anderen Vorteile jemals wichtig werden könnten: Die Welt dreht sich auch ohne GPS-Informationen in Reisefotos weiter. Generationen vor uns hatten nicht einmal die Möglichkeit, überhaupt GPS zu nutzen oder in ihren Filmrollen zu speichern, wo welches Foto aufgenommen wurde.

Man weiß ja nie!

Eine banale Weisheit wird hier aber zum gewichtigen Argument: Man weiß ja nie. Es ist dir im Moment zu kompliziert, Reiserouten zu visualisieren? Du kennst dich mit Computern nicht gut genug aus? Überhaupt weißt du gar nicht, wie das mit diesem GPS funktioniert und lässt deswegen lieber die Finger davon? Keine Frage, das ist alles verständlich. Und die meisten lassen es genau aus diesen Gründen sein. Ein paar Punkte aber solltest du bedenken:

  • Was man hat, das hat man: Ob du aus den vielen Informationen jetzt etwas Sinnvolles machst, ist gar nicht so wichtig. Wenn du aber irgendwann etwas damit anfangen möchtest und die nötigen Informationen dann nicht hast, wirst du dich ärgern.
  • GPS wird noch für eine ganze Weile der Standard sein. Dass fürs gemeine Volk in naher Zukunft eine andere Technik zur Verfügung stehen wird, ist unwahrscheinlich. Deswegen ist es sinnvoll, jetzt auf dieses Pferd zu setzen.
  • Viele Programme, mit denen man Fotos geokodieren kann oder die Reiserouten optisch ansprechend oder gar interaktiv aufbereiten können, bedienen sich derzeit noch sehr sperrig. Das wird aber nicht so bleiben. In Zukunft wird es Software geben, die es auch Laien möglich machen wird, mit wenig technischem Wissen GPS-Koordinaten zu verarbeiten.
  • Teurer Speicherplatz ist heutzutage kein Grund mehr: Weder die GPS-Informationen in Fotos oder die paar Kilobyte eines GPS-Tracks werden eine moderne Festplatte in Schwierigkeiten bringen.

Immer noch nicht überzeugt? Es ist heutzutage so einfach, alle nötigen Aufgaben beinahe automatisch erledigen zu lassen, dass es quasi keinen Mehraufwand bedeutet. Und spätestens jetzt ist „Man weiß ja nie“ das Killer-Argument. Viel mehr Zeit kostet es nicht und man ist für die Zukunft gerüstet.

Ganz kurz möchte ich die andere Seite beleuchten, denn es gibt auch Argumente dagegen, gute Argumente sogar:

  • Wer sich durch die Aufzeichnung seiner eigenen Schritte kontrolliert fühlt, sollte von der Geokodierung besser Abstand nehmen.
  • Die aufgezeichneten Daten sind sensibel. Über die Speicherung an einem sicheren Ort muss jeder selbst entscheiden.

Jetzt aber geht’s los. Ich gehe davon aus, dass du selbst schon Geokodierung betreibst und wissen willst, wie es die anderen machen. Oder beim nächsten Urlaub endlich damit anfangen möchtest. Oder einfach neugierig bist, was das ist, wie es funktioniert und danach entscheidest, ob es etwas für dich ist.

Mein Ziel ist es immer, mit möglichst wenig Aufwand den größtmöglichen Nutzen zu erzielen. Ich will so weit wie möglich die Technik für mich arbeiten lassen und nicht etwa für jedes Foto später kontrollieren müssen, ob auch alles geklappt hat. Damit das alles funktioniert, benötigt man ein kleines bisschen Basiswissen. Auf mathematische Formeln werde ich ebenso verzichten wie auf allzu viele Fachbegriffe. Vieles ist vereinfacht dargestellt.

Basiswissen über GPS

GPS ist die Abkürzung für „Global Positioning System“. Mit diesem System ist es möglich, jeden Punkt auf der Erde durch zwei simple Zahlen eindeutig zu identifizieren. Die Vorarbeit haben andere längst erledigt, indem sie in grauer Vorzeit die nahezu kugelförmige Erde in Längen- und Breitengrade aufgeteilt haben. Längengrade verlaufen in Nord-Süd-Richtung, Breitengrade in Ost-West-Richtung. Während der Bezugspunkt für die Breite der Äquator ist, den man als „logische Mitte“ zwischen den beiden Polen der Erde sehen könnte, musste für die Länge ein Bezugspunkt festgelegt werden. 1884 wurde der Nullmeridian definiert, er verläuft durch den Londoner Stadtteil Greenwich, das hat in diesem Zusammenhang jeder schon einmal gehört.

Das bedeutet: Alles nördlich vom Äquator hat nördliche Breite, alles südlich davon südliche Breite. Von Greenwich aus fangen Richtung Osten („nach rechts“) die Längengrade an, es gibt 360 davon. Der letzte ganzzahlige Längengrad westlich von Greenwich ist demnach der 359. Längengrad.

Als Beispiel dient unser derzeitiger Wohnort: Ettlingen liegt bei 48,94 Grad nördlicher Breite und 8,41 Grad Länge. Dass man Koordinaten auch anders angeben kann, z.B. in Grad, Minuten und Sekunden, ist für die Geokodierung von Fotos nicht relevant.

Aus zunächst militärischer Motivation wurde ein System entwickelt, das es erlaubt, die Koordinaten jedes Punkts der Erde zu bestimmen. Die Geschichte ist Geschichte, wir steigen gleich in der Neuzeit ein und halten einen GPS-Empfänger in die Luft, warten eine Weile und lassen uns bequem Längen- und Breitengrad unserer aktuellen Position anzeigen. Was dabei mathematisch im Hintergrund abläuft, bleibt uns – zum Glück – verborgen, es ist hier auch gar nicht wichtig.

Man sollte aber wissen, dass jeder GPS-Empfänger eigentlich „nur“ Daten verarbeitet, die er von Satelliten empfängt, von denen ein paar Dutzend ständig in einer Höhe von gut 20.000 km hoch über uns kreisen. Empfänger sind die Geräte deshalb, weil sie Daten von den Satelliten empfangen, welche die Daten senden. Vereinfacht geht das so: Jeder GPS-Satellit sendet regelmäßig seine aktuelle Position und die genaue Uhrzeit auf die Erde, auch wenn wir unseren GPS-Empfänger gerade gar nicht nach oben halten. Diese Information ist also stets verfügbar und das Beste ist: Sie ist umsonst.

Damit unser GPS-Empfänger seine oder unsere aktuelle Position berechnen kann, genügen die Daten eines einzelnen Satelliten nicht, das hat mathematische Gründe. Er benötigt Informationen von mindestens 4 Satelliten, die alle zusammen in die Berechnungsformel geworfen werden. Innerhalb kurzer Zeit erhalten wir unser Ergebnis als Längen- und Breitengrad.

Aufzeichnung von GPS-Informationen

Wir haben unseren Empfänger nach oben gehalten und eine Position erhalten, die wir speichern wollen. Zettel und Stift haben vielleicht einige immer dabei, das kann aber nicht die Dauerlösung sein. Aus diesem Grund haben quasi alle Empfänger auch eine Aufzeichnungsfunktion und einen Speicher, denn mit einer einfachen Anzeige von Längen- und Breitengrad kann heutzutage keiner mehr etwas anfangen.

Der große Vorteil von GPS-Informationen liegt in ihrer Einfachheit: eine Zahl für die Länge, eine Zahl für die Breite und ein Zeitstempel. Mehr brauchen wir nicht. Und weil sie so einfach sind, können sie auch ganz einfach gespeichert werden, sie benötigen nicht einmal viel Speicherplatz.

Es gibt heute verschiedene Arten von GPS-Empfängern, von denen ich nur ein paar nennen will, die einen praktischen Nutzen für die Geokodierung von Fotos haben:

  • reine GPS-Empfänger mit Speicher, auch GPS-Logger oder Datenlogger genannt
  • Navigationsgeräte mit Aufzeichnungsfunktion
  • Kameras mit GPS-Funktion
  • Computer, Laptops, Tablets und Mobiltelefone

Während der Empfang von GPS-Informationen der Satelliten (das sind noch nicht die GPS-Koordinaten unseres Aufenthaltsorts) von einem elektronischen Bauteil erledigt wird, gibt es auf den genannten Geräten eine Vielzahl von Programmen, die sich um die Weiterverarbeitung dieser Informationen kümmert.

Parameter bei der GPS-Aufzeichnung

Ein Foto hat natürlich nur genau einen Aufnahmeort. Wenn der Faktor Zeit dazukommt, wird aus GPS-Koordinaten ein GPS-Track. Ein Track besteht lediglich aus mindestens zwei einzelnen GPS-Aufzeichnungen, sinnvollerweise natürlich aus weitaus mehr. Wichtig ist: Außer Längen- und Breitengrad und Zeitstempel wird für einen einzelnen Punkt nichts gespeichert. Auf die Höhe verzichten wir an dieser Stelle. Der Track wird zum Track, indem er einfach viele einzelne Koordinaten enthält, die in einem zeitlichen Verhältnis stehen. So einfach ist das.

Dabei entsteht eine ganze Reihe von Problemen, die die Programme mit verschiedenen Ansätzen zu lösen versuchen.

Zeitintervall

Das erste Problem liegt im Zeitintervall zwischen zwei einzelnen GPS-Aufzeichnungen. Größere Intervalle bedeuten mehr Zeit zwischen den Aufzeichnungen, dadurch wird der Track ungenauer, da für die Zeit zwischen den Aufzeichnungen keine Information vorliegt. Setzt man das Intervall auf einen kleineren Wert, hat man zwar die fehlende Information, aber auch ein ganz anderes Problem: Es darf nicht vergessen werden, dass der Datenempfang vom Satelliten und die Berechnung im Gerät bei einer einzelnen Positionsbestimmung viele Ressourcen verbraucht. Die Ressource ist in diesem Fall die Leistung des Geräts, des Prozessors, des Speichers, und schlussendlich auch die Energieversorgung.

Bei einem Intervall von einer Sekunde wird – anschaulich gesprochen – 600-mal so viel Energie verbraucht wie bei einem Intervall von 10 Minuten (60 Sekunden pro Minute mal 10 Minuten).

Auf welchen Wert das Intervall eingestellt wird, ist ein Kompromiss. Wie genau und lückenlos soll die Aufzeichnung werden? Wie viele Ressourcen stehen zur Verfügung, wie lange hält der Akku meines Empfängers? Wie bewege ich mich fort, zu Fuß, mit dem Fahrrad, im Auto?

Meine Empfehlung für die Geokodierung von Fotos während eines normalen Tags auf einer Reise ist: Ein Intervall von 5 Minuten genügt sowohl für die Fotos als auch für die Aufzeichnung eines hinreichend genauen Tracks.

Distanzintervall

Das Zeitintervall ist eine elementare Einstellung, weil es große Auswirkungen auf die Genauigkeit des Tracks hat. Nicht ganz so wichtig aber doch sehr sinnvoll ist die Einstellung eines Distanzintervalls: Hier wird festgelegt, ab welcher Distanz zur letzten aufgezeichneten Position der gerade gemessene Punkt gespeichert werden soll. Beträgt die Distanz weniger als der eingestellte Wert, wird die Messung verworfen und gar nicht erst gespeichert. Das ist sinnvoll, um z.B. während einer Pause ohne Bewegung zu vermeiden, dass dieselbe Position mehrfach hintereinander geschrieben wird.

Filter und Plausibilität

Sonderlich zuverlässig ist der Weg der GPS-Daten von den Satelliten bis zum verarbeitenden Programm leider nicht immer, es kommt hier und da zu Fehlern, welche zu Ausreißern im Track führen können. Einige Programme erlauben die Einstellung weiterer Parameter, um die berechneten Positionen auf Plausibilität zu prüfen oder Filter anzuwenden. Ein allgemeines Rezept für die Einstellung der Parameter kann ich nicht liefern, da es zu viele verschiedene Programme gibt, die die Parameter unterschiedlich und auch unterschiedlich gut umsetzen.

Problem: Akkulaufzeit

Bei allen mir bekannten Geräten ist die Akkulaufzeit ein wichtiges Argument bei der Entscheidung. Viele kleine GPS-Logger halten gerade mal einen halben Tag mit einer Standard-Batterie durch. Diese kann man zwar überall nachkaufen oder – wenn man Akkus benutzt – aufladen, allerdings ist weder nachkaufen (aus umwelttechnischen Gründen) noch aufladen (zusätzliches Ladegerät) eine gute Option.

Bei manchen Apps fürs Handy kann man fast zusehen, wie die Akkuanzeige weniger wird, so sehr beansprucht die Berechnung die Ressource. Für den Spaziergang zu Hause im Wald wird nahezu jedes Gerät infrage kommen. Für eine längere Reise sind aber doch manchmal mehrere Tage Durchhaltevermögen gefragt.

Auch hier gibt es kein Patentrezept, die individuelle Entscheidung hängt von zu vielen Faktoren ab.

Das richtige Gerät: Meine Entscheidung

Nachdem ich für unsere bisherigen Reisen immer die verfügbaren Geräte durchforstet habe und es bei allen große Nachteile gab, habe ich jetzt meinen persönlichen Kompromiss gefunden. Ich benutze für die Aufzeichnung von Tracks und auch fürs Geokodieren meiner Reisefotos mein Smartphone. Folgende Gründe sprechen dafür:

  • Inzwischen reise ich ohnehin immer mit Telefon, um mit der Welt in Verbindung zu bleiben.
  • Neben dem Geokodieren kann das Telefon auch noch ganz andere Dinge erledigen: E-Mails, Messenger, Spiele, Zeitvertreib, Musik abspielen, den dunklen Weg zur Toilette beleuchten und sogar telefonieren.
  • Mit der richtigen App und den richtigen Energiespareinstellungen hält der Akku lange genug durch. Zum Aufladen des Telefons genügen eine Standard-USB-Buchse und das passende Kabel. Sogar am Bordnetz jedes Autos oder in manchen Flugzeugen kann ich mein Telefon mit dem passenden Adapter aufladen.
  • Ich kann die aufgezeichneten Daten auf mehrere Arten auf andere Geräte übertragen: WLAN, Bluetooth, Kabel, Mobildatenverbindung und was ein modernes Telefon sonst noch alles kann.
  • Ist einmal kein GPS-Signal verfügbar, kann die ungefähre Position auch anhand von Daten aus den GSM-Zellen oder Funknetzwerken in der Nähe ermittelt werden.
  • Alle Einstellungen kann ich in einem ansprechenden Interface vornehmen und muss mich nicht durch kryptische Menüs oder Kommandos wühlen, bei denen die Programmierer anscheinend vergessen haben, dass einmal normale Menschen mit ihrem Werk arbeiten werden und nicht nur Informatiker.
  • Es gibt regelmäßige Updates mit Fehlerkorrekturen und Verbesserungen für Betriebssystem und Apps, zumindest für eine gewisse Zeit.

Kameras mit integriertem GPS-Empfänger

Immer mehr Kameras haben heutzutage einen GPS-Empfänger eingebaut. Sobald ein Foto gemacht wird, bekommt dieses automatisch die Koordinaten zugewiesen und man muss sich um nichts mehr kümmern. Viele Kameras können sogar unabhängig vom Fotografieren Tracks aufzeichnen. Damit wären alle Probleme beseitigt und dieser Artikel wäre unnötig.

Ganz so ist es aber leider nicht. Ich beschreibe unsere persönliche Situation auf unserer zweiten Weltreise, die wir gerade vor wenigen Wochen begonnen haben:

  • Wir haben zwei Fotokameras dabei, nur eine davon (unsere Zweitkamera) hat einen GPS-Empfänger.
  • Die Kamera mit GPS-Empfänger benötigt für die Positionsbestimmung manchmal ein paar Sekunden, manchmal über eine Minute. Damit es überhaupt funktioniert, muss die Kamera angeschaltet sein. Das ist nicht akzeptabel. Ich möchte beim Fotografieren nicht darauf warten, bis die Berechnung fertig ist und will ich mich aber trotzdem unbedingt darauf verlassen, dass die Positionen aufgezeichnet werden.
  • Wenn ich an der Zweitkamera GPS aktiviere, hält der Akku deutlich kürzer als ohne GPS.
  • Wenn ich zusätzlich zur Geokodierung der Fotos die Aufzeichnung eines Tracks aktiviere, macht der Akku noch schneller schlapp.

Für mich bedeutet das: Ich schalte die GPS-Funktion der Zweitkamera aus. Ganz einfach.

GPS und Kamera zusammenführen

Mit dem Wissen, wie GPS funktioniert und wie aus einer Positionsbestimmung mit dem Faktor Zeit ein Track wird, wagen wir den nächsten Schritt: Wir führen unsere aufgezeichneten Positionen und die aufgenommenen Fotos zusammen.

Wenn man – wie wir – nicht die Möglichkeit eines in der Kamera integrierten GPS-Empfängers nutzen möchte, gibt es nur eine sinnvolle Möglichkeit, Fotos mit GPS-Informationen zu versehen. Dieser Weg führt über die Zeit oder vielmehr über Zeitstempel. Statt zum Zeitpunkt der Aufnahme jedes einzelnen Fotos GPS-Informationen zu sammeln und diese mit dem Foto zu verbinden, zeichnen wir während eines Reisetags einfach von morgens (vor dem ersten Foto) bis abends (nach dem letzten Foto) einen Track auf, fotografieren den ganzen Tag lang nach Herzenslust und kümmern uns währenddessen nicht um GPS und Geokodierung.

Kamerazeit – ganz wichtig!

Tage später, manchmal erst nach Wochen, verbinden wir die aufgezeichneten Tracks mit den aufgenommenen Fotos und lassen unser Laptop die Arbeit machen. Wie aber weiß ein Programm Tage später, mit welchen Koordinaten es ein bestimmtes Foto kodieren soll?

Hier kommt etwas ins Spiel, das viele für völlig unnötig halten: Die Zeiteinstellung der Kamera. Während die Zeitstempel der GPS-Informationen ganz automatisch über die Satelliten in unseren aufgezeichneten Track kommen und genauer sind als die Uhren aller Kameras dieser Welt zusammen, führt kein Weg an der korrekten Einstellung der Kamerazeit vorbei.

Nur wenn die Kamerazeit korrekt eingestellt ist, wird aus einer genau aufgezeichneten GPS-Track auf ein korrekt kodiertes Foto. Wenn wir uns vorstellen, dass die Uhr der Kamera auf 14:00 Uhr gestellt ist, während es in Wirklichkeit erst 13:00 Uhr ist, bedeutet das mit beispielhaften Orten folgendes: Vom GPS kommt die Information, dass ich mich um 13:00 Uhr in Karlsruhe befinde. Zum Abschied mache ich ein Foto am Karlsruher Schloss. In der Stunde danach fahre ich mit dem Auto zum Flughafen nach Stuttgart, um 14:00 Uhr bin ich dort. Tage später, nach dem Geokodieren meiner Fotos, wundere ich mich, dass mir als Position für mein Foto aus Karlsruhe der Stuttgarter Flughafen anzeigt wird. Das liegt einfach daran, dass die Uhr meiner Kamera eine Stunde vorging.

Um Fotos aus den GPS-Daten so genau wie möglich zu kodieren, MUSS die Kamerazeit korrekt eingestellt werden. Zum Problem oder mindestens zur lästigen Pflicht wird das spätestens bei Zeitumstellungen (Sommer-/Normalzeit) oder wenn man durch verschiedene Zeitzonen reist. Spätestens vor dem ersten Foto in einer neuen Zeit muss man daran gedacht haben, seine Kamera umzustellen.

Wir bewegen uns im digitalen Umfeld und auch die Zeitstempel, die von der Kamera automatisch mit jedem Foto aufzeichnet werden, sind nur Daten, die auch noch nachträglich verändert werden können. Wo und wie speichert man sich aber die Information, an welchem Tag man bis zum wievielten Foto die Kamerauhr um welchen Betrag falsch eingestellt hatte? Möglich ist alles, aber wenn wir ehrlich sind: Es gilt, diesen Fall unbedingt zu vermeiden!

Wir wissen jetzt: Wenn wir uns schon die Mühe machen, einen GPS-Track aufzuzeichnen, mit dem wir später unsere Fotos kodieren wollen, dann müssen wir uns auch um die Kamerazeit kümmern.

Speicherung der Ortsinformationen in den Fotos

Wo genau wird die GPS-Information denn in einem Foto gespeichert? Am einfachsten und für die meisten Anwender ausreichend ist es zu erklären, dass in den Fotodateien (in den allermeisten Fällen werden Fotos im JPEG-Format gespeichert) nicht nur die reinen Bilddaten gespeichert werden, sondern auch so genannte Metadaten.

Diese haben nur einen kleinen Anteil an der Dateigröße, sind aber doch wichtig. Hier wird nicht nur gespeichert, wann ein Foto aufgenommen wurde (abgeleitet aus der Kamerazeit), sondern auch mit welchen Einstellungen für Blende und Verschlusszeit, ob der Blitz ausgelöst wurde und vieles mehr. Auch für die professionellen RAW-Formate gibt es solche Metadaten.

Ob JPEG oder RAW, in den Metadaten beider Formate ist auch noch ein bisschen Platz für die Speicherung von Ortsinformationen. Beim nachträglichen Hinzufügen dieser Informationen werden aber die Fotodateien verändert, wenn auch nur der Teil mit den Metadaten. Die Bildinformationen bleiben unberührt.

In manchen Fällen und für manche Anwender ist es angebracht, die Bilddateien nachträglich nicht zu verändern. Es wird dann für jede Fotodatei eine Erweiterungsdatei erzeugt, in der die Ortsinformationen abgelegt werden, während die Original-Bilddatei erhalten bleibt.

Dabei gibt es kein richtig oder falsch: Puristen schwören darauf, ihre RAW-Dateien keinesfalls anzufassen, denn jede Veränderung könnte die wichtigen Bilddaten verändern oder sogar zerstören. Das ist prinzipiell richtig, dieses Risiko besteht bei jeder Dateioperation. Mir persönlich ist allerdings noch keine Fotodatei untergekommen, die durch das bloße Ändern der Metadaten unbrauchbar geworden wäre, deswegen speichere ich auch in RAW-Dateien die Ortsinformationen ab und verzichte auf die sichereren Erweiterungsdateien.

Geokodierung der Fotos

Wir haben einen sauberen GPS-Track aufgezeichnet und uns während der ganzen Fototour um die korrekte Einstellung Kamerazeit gekümmert. Jetzt werden die Fotos auf einen Computer überspielt und auch der GPS-Track kommt in einem bestimmten Format auf den Rechner.

Auf die verschiedenen Formate (gpx, kml …) von GPS-Tracks möchte ich hier nicht eingehen, da die Basisinformationen (Koordinaten und Zeitstempel) im Normalfall problemlos zwischen den Formaten konvertiert werden können.

Es gibt unzählige Programme, die einem jetzt den Großteil der Arbeit abnehmen wollen. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, und so schwört der eine auf den Workflow in Adobe Lightroom, andere kommen damit nicht zurecht oder wollen lieber eine kostenlose Software einsetzen. Wir erinnern uns: Ein Hexenwerk ist die Geokodierung an dieser Stelle nicht mehr. Im Wesentlichen wird aus den Metadaten jedes einzelnen Fotos dessen Aufnahmezeit gelesen und der Punkt im zugehörigen GPS-Track gesucht, der diesem Zeitpunkt am nächsten kommt. Die GPS-Koordinaten dieses Punkts werden als Metadaten in die Datei geschrieben. Das war’s.

Unterschiede bei den Programmen bestehen vor allem in der Einfachheit des Workflows, in den erweiterten Funktionen und in der Behandlung von Fehlern. Schwierig wird es unter Umständen, wenn der Aufnahmezeitpunkt von Fotos verändert werden muss, aufgezeichnete Punkte im GPS-Track korrigiert oder Ausreißer entfernt werden müssen.

Ich benutze kein Windows, sondern die aktuellen Versionen von Mac OS auf mehr oder weniger aktuellen Macs. Ich möchte hier zwei professionelle Programme nennen, die den Geokodierungsjob hervorragend erledigen. Beide sind auf Deutsch einstellbar, die Übersetzungen sind gut.

  • Adobe Lightroom: Diese mächtige Software ist seit 2014 auf unseren Rechnern installiert, mit ihr bearbeiten wir nicht nur unsere Reisefotos. Der Fokus liegt nicht auf der Geokodierung, quasi nebenher erledigt Lightroom das aber zuverlässig und durchdacht. Man sollte vorher schon einen kurzen Blick in die Anleitung werfen, danach geht die Arbeit leicht von der Hand. Die Darstellung der Orte auf einer Karte ist ebenso möglich wie die manuelle Kodierung von Fotos, für die keine passenden GPS-Informationen vorliegen. Lightroom kostet derzeit ca. 110 Euro einmalig oder ab 12,29 Euro monatlich auf Mietbasis und ist für Windows und Mac erhältlich. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite von Adobe.
  • Houdah Geo: Ein fantastisches Programm, allerdings nur für Mac OS. Es kann keine Fotos bearbeiten oder verwalten, es übernimmt einfach nur die Geokodierung. Workflow und Interface sind logisch aufgebaut und modern, ein Blick in die Anleitung ist für die normale Funktionalität gar nicht unbedingt notwendig. Das Programm kostet 29 USD (ca. 23 Euro) und ist sein Geld definitiv wert. Informationen gibt es auf der Webseite des Herstellers.

Die vielen anderen Programme auf dem Markt kenne ich größtenteils nicht, denn mit den beiden oben genannten war ich bisher sehr zufrieden.

Geokodierung – jetzt aber wirklich ganz einfach!

Auch wenn man bei jedem Abschnitt dieses Artikels beliebig in die Tiefe gehen könnte und hier viele Details nicht erwähnt werden, gibt er doch einen guten Überblick über die Hintergründe von GPS und Geokodierung.

Ich höre den einen oder anderen Leser aber schon leise vor sich hin murmeln: „Gut und schön, aber wie geht’s denn jetzt wirklich? Es kann doch nicht sein, dass man alle Optionen kennen und verstehen, alle Geräte beherrschen und alle Einstellmöglichkeiten probiert haben muss, damit das funktioniert!“

Also gut, ich verstehe. Gibt es denn jetzt eine einfache Lösung? Wie ist man auf der sicheren Seite mit seinen Fotos und kann irgendwann später trotzdem noch seine Route durch die schottischen Highlands auf Google Maps darstellen lassen für den vierstündigen Diaabend?

Es gibt eine einfache Lösung. Eine einfachste sogar. Die ist dermaßen pfiffig, dass ich mich schon fast ärgere, dass sie nicht von mir stammt. Bei dieser Lösung ist es sogar völlig egal, ob man die Uhrzeit an der Kamera korrekt einstellt und ob man mitten in der Fotosession Zeitzonen wechselt.

„Aha, jetzt wird’s interessant“, höre ich da. So ganz von alleine geht’s natürlich nicht. Folgendes ist nötig, um diese schlaue Lösung einzusetzen:

  • Ein einigermaßen aktuelles Smartphone mit iOS (Android wird derzeit noch nicht unterstützt), das über einen GPS-Empfänger verfügt. Damit dürfte die Lösung für fast jeden infrage kommen.
  • Ein Computer mit macOS.
  • Eine Kamera.

Das war’s? Ja!

Meine Lösung

Auf unserer Weltreise 2014 verwendete ich „gps4cam“ für die Geokodierung unserer Reisefotos. Diese charmante App wird bedauerlicherweise inzwischen (Stand Juli 2022) nicht mehr weiterentwickelt. Es gibt aber den Nachfolger „gps4camera“, inzwischen als OpenSource entwickelt und noch einfacher zu bedienen. Derzeit ist die Software nur für die Apple-Welt verfügbar (iOS und macOS).

Mein Geokodierungs-Workflow ist jetzt sehr überschaubar:

  • Morgens, vor dem ersten Foto oder bevor wir aus dem Haus/aus dem Camper gehen, starte ich die Anwendung auf meinem Smartphone und drücke auf Start.
  • Abends nach dem letzten Foto stoppe ich die morgens gestartete Aufzeichnung und fotografiere mit allen Kameras, die wir während des Tags benutzt haben, den von der App generierten QR-Code.
  • Nach dem Überspielen der Fotos auf den Computer starte ich das kostenlose gps4camera-Programm auf meinem MacBook und folge den Anweisungen, die Software erledigt den Rest.

Wie bereits erwähnt ist es mit dieser Lösung völlig egal, welches Datum und welche Uhrzeit an der Kamera eingestellt sind. Die Verbindung über QR-Codes erledigt das von alleine. Das einzige, was man bei gps4camera NICHT machen darf: Während einer Aufzeichnung die Kamerazeit ändern! Aber wie so oft im Leben vergisst man recht selten, etwas NICHT zu tun.

Wie gps4camera im Detail funktioniert, dürft ihr euch gerne selbst anschauen auf der Website von gps4camera. Hier könnt ihr die Apps auch kostenlos für iOS und macOS herunterladen.