Traumteiler-Tagebuch: 27. Oktober 2010

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27.10.2016 | Von Daniel Schroth | Keine Kommentare

Traumteiler-Tagebuch: 27. Oktober 2010

Hier kommt der erste Artikel unserer neuen Reihe „Traumteiler-Tagebuch“. Wir lassen euch an unseren Erinnerungen teilhaben und berichten, was wir an einem bestimmten Datum auf unseren Weltreisen erlebt haben. Während die Stichpunkte am Anfang direkt aus unserem Tagebuch übernommen wurden, schreiben wir danach in Textform über die wichtigsten Ereignisse an diesem Tag.

  • Datum: 27. Oktober 2010 (erste Weltreise)
  • Land: China (Tibet)
  • Orte: Shekar (New Tingri), Everest Base Camp, Old Tingri
  • Aufstehen: 5:00
  • Ins Bett: 21:30
  • Unterkunft: On more Hotel
  • Temperatur: -10 bis 10
  • Wetter: Sonnig, teilweise viel Wind
  • Befinden Marsi: Gut
  • Befinden Daniel: Verschnupft

Der Tag beginnt früh. Und kalt. Wir frühstücken im Restaurant unterhalb des Zelts, in dem unsere Mitreisenden am Vorabend bei Eiseskälte noch ein kühles Bier getrunken haben. Schon um 6:15 Uhr sitzen wir im Range Rover und fahren bald am ersten Checkpoint vorbei. Wir müssen unsere Pässe mehrmals vorzeigen, während unser Fahrer das Auto langsam die Serpentinen hinauflenkt. Die Scheinwerfer unseres Autos haben übrigens einen Wackelkontakt und funktionieren die meiste Zeit nicht. Zum Glück beleuchtet der Mond die Straße ein wenig und die Lichter des vorderen Fahrzeugs sind nicht allzu weit entfernt.

Um 7:30 Uhr ist es immer noch nicht hell, wir haben den ersten wichtigen Punkt unserer heutigen Tour erreicht. Wir stehen auf einem Pass und sehen den höchsten Berg der Erde von Norden aus. Noch ist der Mount Everest weit entfernt, mit jedem Strahl der aufgehenden Sonne scheint er ein bisschen näher zu kommen. Wir bewegen uns unaufhörlich, damit wir die Kälte nicht so spüren, unser kleines Thermometer zeigt -10 °C. Qomolangma ist der tibetische Name des Bergs, er begegnet uns auf vielen Schildern.

Endlich steigen wir wieder in den Range Rover und fahren weiter Richtung Everest Base Camp, kurz davor halten wir im Rongbuk-Kloster an. Es liegt auf über 5.000 m mitten in den Bergen im Nirgendwo, ein paar Kilometer weiter liegt das Basecamp, das die Touristen besichtigen können, denn an das weiter entfernte echte Bergsteiger-Basecamp kommt man ohne Weiteres gar nicht. Da die meisten aus unserer Reisegruppe weder Schlafsäcke noch Winterkleidung dabei haben, entscheiden wir spontan, nicht hier oben zu übernachten, sondern später weiterzufahren nach Old Tingri.

Wir fahren die letzten 4 km bis zum Basecamp, wo wir dem Mount Everest so nah sind, wie man ihm als Tourist nur nah sein kann. Auf dem Gipfel sehen wir heftiges Schneetreiben bei Westwind. Ein kleiner Hügel ist nebenan, von wo aus wir fantastische Fotos machen können.

Das Mittagessen besteht aus einer leckeren chinesischen Nudelsuppe aus dem Papiereimer. Klingt abartig, ist aber verdammt lecker. Die scharfe Sorte ist in einem kleinen roten Eimer, den man nach dem Öffnen nur noch mit heißem Wasser füllen muss. Ein paar Minuten später ist die Suppe fertig. Eine Wohltat bei den Minusgraden hier oben.

Gegen 13:00 Uhr fahren wir weiter, durch eine holprige Steinwüste. Zunächst denke ich, dass der Fahrer nur kurz eine Abkürzung nimmt, um schneller wieder auf die ausgebaute Straße zu gelangen. Die Abkürzung dauert 3 Stunden. Wir durchqueren eine eisige Steppe und viele kleine Gebirgsbäche, während unsere Wirbelsäule ordentlich strapaziert wird.

Um 16:00 Uhr erreichen wir das On more Hotel im Hinterhof eines ungemütlichen Restaurants. In U-Form sind einstöckig zwei Dutzend Zimmer angeordnet, in der Mitte parken die Autos. Für Männlein und Weiblein gibt es je eine Toilette, das rechteckige Loch im Boden erinnert uns stark an die Toilette im Basecamp am Mittag. Dass es für die Frauentoilette keine Tür gibt, stört uns da schon gar nicht mehr. Wir beziehen das Zimmer 103 vorne rechts und sind mehr als unglücklich. In dem kleinen schmutzigen Zimmer stehen 2 Betten, es ist eiskalt und fürchterlich ungemütlich.

Die Diskussion mit unserer Gruppe, unserem Guide und den Fahrern verläuft zu unseren Ungunsten, denn wir wären am liebsten noch eine Stunde weiter in die nächstgrößere Stadt gefahren, nach Zhangmu. Wir schieben die beiden Betten zusammen und packen unsere Schlafsäcke und Kissen aus, während unsere Fahrer die verstaubten Autos auf dem Parkplatz waschen.

Ein kurzer Spaziergang führt uns in das kleine Dorf Old Tingri, nach links laufen wir auf einen kleinen Berg hinauf. Den Everest sehen wir jetzt von einer anderen Seite, der Wind bläst so stark, dass Marsi sich hineinlehnen kann ohne umzufallen.

Sobald die Sonne untergegangen ist, wird es wieder eisig kalt. Wir sitzen mit unserer Gruppe in dem ungemütlichen Restaurant vor unserem Hotel. Immerhin gibt es einen Ofen, der uns für eine kurze Weile wärmt. Die kleine Katze, die ständig mit mir spielen will, schicke ich meiner Nase zuliebe besser zu Marsi. Wir essen zu Abend und diskutieren eine Weile mit unserem Guide, ob das Frühstück am nächsten Morgen wie versprochen inklusive ist oder ob sich die Regeln inzwischen geändert haben.

Als wir um kurz nach 21:00 Uhr im Bett liegen, ziehen wir unsere Schlafsäcke bis oben zu. Lange Unterwäsche und Mützen brauchen wir sowieso, denn in unserem Zimmer sind es genau 0 °C. Ich höre noch ein Hörspiel und schlafe irgendwann ein.

Hier findet ihr ein paar Fotos von diesem unvergesslichen Tag in Tibet:

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Traumteiler-Tagebuch: 27. Oktober 2010

von Daniel Schroth Lesedauer: 4 min
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